Herr Sewckow, beim gerade in Betrieb genommenen Solarpark in Bremelau hat die MVV auf staatliche Förderung verzichtet. Stattdessen wurde ein PPA mit einer Laufzeit von zehn Jahren abgeschlossen. Warum?
Die Marktpreise sind für Photovoltaik-Projekte derzeit attraktiver als die klassische EEG-Vergütung. Inzwischen sehen wir nicht mehr nur für das Frontjahr 2023 Base-Preise von deutlich mehr als 100 Euro, sondern auch für die darauffolgenden Jahre. Das heißt, dass sich auch für Anlagenbetreiber marktwirtschaftliche Vergütungsmodelle zunehmend lohnen. Lagen die Preise bei EEG-Ausschreibungen zuletzt im Schnitt zwischen 55 und 65 Euro pro MWh, lassen sich am Markt auch über einen Zeitraum von zehn Jahren inzwischen rund 80 bis 90 Euro pro MWh in Abhängigkeit des Standortes erzielen. Da ist leicht erkennbar, dass Anlagenbetreiber Solar-PPAs bevorzugen.
Ist Bremelau für die MVV also der Startschuss für eine Solar-PPA-Offensive gewesen?
Welche Projekte wir im Einzelnen per PPA oder EEG-Förderung realisieren werden, hängt von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab. Bei den derzeit hohen Strompreisen sind PPAs im Photovoltaik-Bereich aber sicherlich ein Zukunftsmodell. Zumal wir als MVV ein gesteigertes Eigeninteresse haben, den Ausbau der erneuerbaren Energien und den Bezug von Grünstrom unter marktwirtschaftlichen Bedingungen voranzutreiben, um unsere Dekarbonisierungsziele zu erreichen. Insofern werden definitiv weitere PPA-Abschlüsse mit Neuanlagen folgen. Die nächsten beiden Projekte stehen schon kurz vor dem Abschluss.
MVV Trading vermarktet auch kurzfristige PPAs, die sich vor allem für ausgeförderte Altanlagen eignen. Mit Blick auf Stromabnehmer: Wie attraktiv sind kurzfristige PPAs im Vergleich zu Verträgen mit langen Laufzeiten?
Es stimmt, dass auch der PPA-Markt für Altanlagen in Deutschland wächst. Wir gehen aber davon aus, dass deutlich mehr Unternehmen PPAs mit Neuanlagen abschließen wollen, um ihr Portfolio zu vergrünen. PPAs mit Altanlagen mögen etwas kostengünstiger sein. Allerdings ist die Akzeptanz für Neuanlagen gerade bei Unternehmen, die ehrgeizige Dekarbonisierungsziele verfolgen, höher. Nur so tragen sie aktiv zum Ausbau der erneuerbaren Energien und zu einer Vergrünung des deutschen Strommixes bei. MVV bietet den Kunden aber beide Lösungen an.
Wie stellt sich MVV Trading eigentlich personell für den PPA-Markt auf?
Wir haben die vergangenen zweieinhalb Jahre zusätzliche Ressourcen aufgebaut und sind auch weiter auf der Suche nach qualifiziertem Personal. Zurzeit arbeiten wir in Projektteams, wo Fachexperten aus verschiedenen Bereichen wie Vertrieb sowie Risiko- und Produkt-management zusammenkommen. Wir sprechen hier von Teams mit 15 bis 20 Mitarbeitern. Damit haben wir bislang gute Erfahrungen gemacht. Vielleicht bündeln wir künftig das PPA-Geschäft in einer Grünstromeinheit. Noch gibt es dazu aber keine endgültige Entscheidung.
Kommen wir noch einmal zum aktuell hohen Preisniveau zurück. Tut das dem PPA-Markt insgesamt eher gut oder schlecht?
Natürlich wollen alle Anlagenbetreiber nun PPAs abschließen. Anders sieht es bei Abnehmern aus. Zurzeit gibt es nur wenige, die sich vollständig mit kurzfristigen PPAs eindecken wollen. Vielen ist das Preisniveau zu hoch. Gerade da helfen aber langfristige PPAs, weil hier die Preise geglättet werden. Die Preise sind in den ersten Jahren zwar im Vergleich zum letzten Jahr sehr hoch. Dafür sinken sie zum Ende hin etwas. Der Vorteil für die Kunden ist dann, dass sie nicht die größten Preisspitzen mitnehmen und sich zusätzlich für den Fall absichern, dass der Preis auch zum Laufzeitende deutlich höher ist. Insofern sehen wir bei langfristigen Abschlüssen, also beispielsweise Zehn-Jahres-PPAs, aktuell auch auf Kundenseite eine große Nachfrage.
Zur Person: Stefan Sewckow ist Geschäftsführer der MVV Trading, der Handelstochter des Mannheimer Energiekonzerns MVV
Das Interview führte Andreas Baumer



