Die MVV Trading erwartet, dass sich ihr 4000-MW-Portfolio noch erweitern wird. "Wir gehen von einem Portfoliowachstum aus", sagte der Vertriebsleiter des größten kommunalen Erneuerbaren-Direktvermarkters, Burkhard Steinhausen, der ZfK im Interview, das am Montag in der gedruckten Ausgabe erscheint. Noch für dieses Jahr strebe die Energiehandelsgesellschaft der Mannheimer MVV-Gruppe die ersten Abschlüsse im Post-EEG-Geschäft an, also in der Vermarktung grüner Energie abseits des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Dieses Geschäft sei "auch ein unverzichtbarer Schlüssel für eine erfolgreiche Energiewende: Denn ohne Post-EEG kein Zubau, kein Weiterbetrieb der Altanlagen. Die Altanlagen brauchen wir aber dringend, um die EE(Erneuerbaren)-Ziele zu erreichen!"
Steinhausen sieht die MVV Trading in diesem Business gut gerüstet, da sie zu langfristigen Preisprognosen und Anlagenbewertungen über den Trading-Horizont hinaus in der Lage sei. Kleinere Photovoltaik sei bereits im Fokus: "Wir beschäftigen uns zusätzlich mit der Einbindung von Photovoltaik-Aufdachanlagen", sagt der Abteilungsleiter. Das ist eine Größenklasse, die bisher nicht direktvermarktet wird, da erst 2020 die ersten aus der EEG-Förderung fallen und ein Energiemanagementsystem (EMS) für solche Anlagen momentan noch teurer sein dürfte als der Mehrertrag. Die MVV AG kooperiert hier seit der Intersolar 2018 mit dem Hersteller SMA, aber nur von 750 bis 100 kWp herunter. Aufdachanlagen rangieren im einstelligen kWp-Bereich.
Ganze Stadtwerke-Kraftwerksflotten bewirtschaften
Mit zwei ungenannten Stadtwerken redet MVV Trading derzeit "über ein umfassendes Dienstleistungskonzept zur Bewirtschaftung von deren Kraftwerksflotten", berichtet Steinhausen überdies. Geschäftsführer Stefan Sewckow beschreibt, wie sich der rund um die Uhr besetzte Handelsflur der MVV Trading mit dem automatischen Intradayhandel über Algorithmen ergänzt, bei dem die Gesellschaft seit Herbst 2018 eine strategische Kooperation mit der IT-Schmiede Procom hat:
"Algo-Trading gibt es im Intraday-Energiehandel seit vielen Jahren. Das Segment ist so schnell und kleinteilig, dass Sie es wirtschaftlich nur vollautomatisch bedienen können – etwa bei den Stadtwerken Kiel, unserem ersten Pilotkunden in diesem Bereich, mit ihrem Küstenkraftwerk. Die Expertise liegt in der Entwicklung der richtigen Algo-Handelsstrategien und nicht in der Automatisierung des Prozesses: Wann gehe ich in die Auktion, wann in den fortlaufenden Handel, wann gebe ich Gebote ab oder klicke andere weg und so weiter. Früher, mit dem Händlertelefon, war es am wichtigsten, Kraftwerke zu verstehen. Heute brauchen wir vor allem pfiffige IT-Leute, die den Markt verstehen."
Erste externe Kunden für "Stadtwärts"
Für das volldigitale Kundenportal "Stadtwärts", das seit Anfang 2018 läuft, habe die Energiehandelsgesellschaft die ersten "externen" Kunden. "Extern" heißt hier, außerhalb des MVV-Konzernkonsolidierungskreises, zu dem etwa die Stadtwerke Kiel und Ingolstadt sowie die EVO Offenbach gehören.
Die MVV Trading wandelt sich seit 2017, so Sewckow weiter, von einem reinen Tradinghaus "zu einer Dienstleistungsgsgesellschaft im Handelsgeschäft und stärken unsere Vertriebsorientierung". Zielgruppen seien Stadtwerke, Erzeuger und Großindustrie. Für sie öffne MVV Trading Energiedienstleistungen aus dem gesamten MVV-Konzern.
Sewckow und Steinhausen äußern sich in dem Interview auch dazu, welches Preisniveau sie im Stromgroßhandel in zehn, 20 Jahren erwarten. (geo)
Das Interview mit Stefan Sewckow und Burkhard Steinhausen ist nur im ZfK-Abo hier erhältlich. Neue und bestehende Abonnenten bekommen das ZfK-Gespräch auf Seite 17 der Mai-Ausgabe auf Wunsch am Montag auch als PDF, bitte Mail an G-Eble@zfk.de.



