Von links: LVN-Projektkoordinatorin Kathrin Schaarschmidt, LEW-Vorstandsmitglied Markus Litpher und Thomas Dederichs, Leiter Strategie und Energiepolitik bei Amprion.

Von links: LVN-Projektkoordinatorin Kathrin Schaarschmidt, LEW-Vorstandsmitglied Markus Litpher und Thomas Dederichs, Leiter Strategie und Energiepolitik bei Amprion.

Bild: © LNV

Der Umbau des Energiesystems ist in vollem Gange. Dabei kommt der Versorgungssicherheit höchste Bedeutung zu – auch bei schwankender Stromerzeugung. Immer wieder muss deshalb Stromerzeugung punktuell gedrosselt und an anderer Stelle erhöht werden, um Überlastungen einzelner Leitungen im Stromnetz zu vermeiden. Dieser so genannte Redispatch nimmt seit Jahren zu. Die Kosten dafür belaufen sich im deutschen Übertragungsnetz jedes Jahr auf mehrere Milliarden Euro.

Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion will deshalb in Zusammenarbeit mit Eon und LEW Verteilnetz (LVN) mit einem Verbund aus Batteriemodulen, dem dezentralen Netzbooster, einen neuen Weg gehen, um die Zahl der Redispatch-Maßnahmen im Übertragungsnetz zu reduzieren. Das Vorhaben wurde im Mai dieses Jahres erstmals öffentlich vorgestellt. Nun läuft mit der Vorbereitung der Ausschreibung des Speichers an einen externen Dienstleister sowie der Standortauswahl im Verteilnetz von LVN die nächste Phase an.

Dezentraler Netzbooster ermöglicht höhere Netzauslastung

Das Einzigartige an dem Vorhaben: Anstatt einer zentralen Anlage, die direkt im Übertragungsnetz angeschlossen wird, planen Amprion, Eon und LVN den Netzbooster als Module an bis zu zehn Umspannwerksstandorten im LVN-Netzgebiet in Bayerisch-Schwaben und Oberbayern. Dieser modulare Ansatz verringert Anschlusskosten, steigert die technische Resilienz und reduziert Eingriffe in die Landschaft.

Funktionsweise

Jedes Modul besteht aus mehreren Batterieeinheiten mit Schalt- und Steuerungstechnik. Insgesamt soll der dezentrale Netzbooster aus dem Verteilnetz heraus 250 Megawatt Leistung vorhalten und von dort aus auf Anforderung das Stromnetz entlasten können. Weil der Batterieverbund des dezentralen Netzboosters seine Leistung als zusätzliche Absicherung bereithält, kann die Schwelle ab der Redispatch notwendig wird, höher angesetzt werden. So können im Regelbetrieb die Leitungen im Übertragungsnetz höher ausgelastet werden und es gibt weniger Eingriffe in den Netzbetrieb.

Im Rahmen des Pilotprojekts untersuchen die Projektpartner außerdem, wie der dezentrale Netzbooster perspektivisch im Verteilnetz eingesetzt werden kann. Auch wenn im Verteilnetz von LVN bislang keine Redispatch-Maßnahmen notwendig sind, kann der Netzbooster zukünftig auch dort dazu beitragen, Transformatoren und Leitungen höher auszulasten. Das Projekt entsteht im Rahmen einer langjährigen Kooperation von Amprion mit Eon als Deutschlands größten Betreiber von Stromverteilnetzen.

Ausschreibung und Standortauswahl in den kommenden Monaten

Nachdem die Bundesnetzagentur im Frühjahr grundsätzlich grünes Licht für den Netzbooster gegeben hat, hat Amprion mit Unterstützung von Eon und LVN technische Parameter für das Pilotprojekt ausgearbeitet. Bau und Betrieb der Anlagen soll an Dienstleister vergeben werden. Hierfür bereitet Amprion derzeit die öffentliche Ausschreibung vor, 2024 soll die Beauftragung erfolgen. Parallel dazu laufen die Arbeiten zur Standortfindung bei LVN.

Hierfür wird ein Kriterienkatalog erarbeitet, der netztechnische sowie bauliche Aspekte umfasst. Etwa 70 mögliche Standorte im LEW Verteilnetz in Bayerisch-Schwaben sowie dem westlichen Oberbayern kommen in Frage. Es ist geplant, dass LVN und Amprion in den nächsten Monaten auf die Kommunen zugehen und Gespräche zur Umsetzung führen. Der dezentrale Netzbooster soll voraussichtlich 2025 ans Netz gehen. (sg)

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