Wie tief soll die Politik in den europäischen Strommarkt eingreifen? Um diese Frage ringt gerade das Europäische Parlament. Jetzt liegt ein neuer Bericht vor.

Wie tief soll die Politik in den europäischen Strommarkt eingreifen? Um diese Frage ringt gerade das Europäische Parlament. Jetzt liegt ein neuer Bericht vor.

Bild: © Julian Stratenschulte/dpa

Die Energiewende wird die Strom-Netzbetreiber in Baden-Württemberg einer neuen Studie zufolge Dutzende Milliarden Euro kosten. Allein in den Nieder- und Mittelspannungsnetzen seien bis 2045 Investitionen von mindestens 25 Milliarden Euro notwendig, sagte Christian Wagner vom Beratungsunternehmen ef.Ruhr, der die Studie am Freitag auf dem Netzausbaugipfel in Stuttgart vorstellte. Das Unternehmen berät unter anderem Netzbetreiber und die Politik.

Bei der Summe handelt es sich nach Angaben Wagners aber lediglich um einen theoretischen Minimalwert. In der Praxis dürfte die benötigte Summe unter anderem wegen der Methodik der Studie deutlich höher liegen. Realistisch seien Kosten von voraussichtlich 50 Mrd. Euro. Berücksichtige man dann noch die Inflation, lande man für die Nieder- und Mittelspannungsnetze bei etwa 70 Mrd.
 

Zwei Mrd. pro Jahr

"Das ist das, was auf Baden-Württemberg zukommen wird", sagte Wagner. Hinzu kommen demnach noch die Investitionen in die Hochspannungsnetze.

"Die Umsetzung der Energiewende ist gerade mit Blick auf die Stromnetze ein echtes Generationenprojekt", äußerte sich auch Dirk Güsewell, Vorstand von EnBW, am Rande des Gipfels. Allein die Netzbetreiber im EnBW-Konzern investierten derzeit etwa zwei Mrd. Euro pro Jahr in den Netzausbau, davon etwa die Hälfte im regionalen Verteilnetz, davon die Hälfte im regionalen Verteilnetz. Dies sei mehr als doppelt so viel wie in der Vergangenheit.

Schnellere Verfahren

Der EnBW-Manager sprach sich für schnellere Genehmigungsverfahren sowie eine breite Akzeptanz und Rückendeckung von Politik und Gesellschaft für die konkreten Projekte vor Ort aus, um den Netzausbau zu bewältigen. "Hinzu kommen eine verstärkte Digitalisierung, ausreichende Kapazitäten auf der Lieferantenseite sowie investitionsfördernde Rahmenbedingungen in der Netzregulierung", so Güsewell. Diese Handlungsfelder seien nicht nur für EnBW, sondern für alle Beteiligten entscheidend.

Neben Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Energieministerin Thekla Walker (beide Grüne) nahmen an dem Ausbaugipfel am Freitag Vertreterinnen und Vertreter der 118 Verteilnetzbetreiber im Land, der Bundesnetzagentur sowie aus der Wissenschaft teil. (jk mit dpa)

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