Die Bilanz der deutschen Offshore-Aktivitäten wirft ein positives Licht auf das vergangene Jahr, was die Zukunft anbetrifft, sehen Branchenverbände wie der Bundesverband der Windparkbetreiber, der Bundesverband Windenergie, die Deutsche Windguard, der WAB sowie der Hersteller VDMA Power Systems allerdings schwarz.
46 Windturbinen mit 276 MW Leistung wurden 2018 vollständig errichtet, speisen aber noch nicht ein. Zudem befinden sich 966 MW Leistung im Bau und für 112 MW liegen finale Investitionsentscheidungen vor. Somit ergibt sich bis 2020 ein Ausbaukorridor in Höhe von 7,7 GW. Bis 2025 könnte das Leistungsvolumen auf über 10 GW ansteigen.
Offshore-Sonderbetrag fällt unter den Tisch
Mit 1305 Anlagen und 6382 MW kumulierter Leistung liegt das vergangene Jahr um 18 Prozent vor 2017. Nicht nur der Gesamtzubau ist gestiegen, auch die durchschnittliche Anlagengröße wächst. Im Vorjahresvergleich liegen die Offshore-Turbinen mit circa 7000 kW Leistung gut 26 Prozent über dem Niveau älterer Anlagen.
Während der Blick zurück die Expertenrunde am Montag in Berlin durchaus zufrieden stimmte, könnte der Ausbaukurs in den kommenden Jahren zunehmend für Unbehagen sorgen. Von dem im Koalitionsvertrag vereinbarten Offshore-Sonderbeitrag ist im Energiesammelgesetz nämlich nicht mehr die Rede. Zwischen 2018 und 2021 bedeute dies eine Ausschreibungsflaute, erklärt Knud Rehfeldt, Geschäftsführer der Deutschen Windguard.
Netztechnisch wären Sonderausschreibungen machbar
Seit das sogenannte Stauchungsmodell vor zwei Jahren in den Ausschreibungsmodus überführt wurde, erteilte die Bundesnetzagentur (BNetzA) für 3,1 GW Zuschläge in Nord- und Ostsee. Diese Anlagen werden zwischen 2021 und 2025 realisiert. In der Zwischenzeit prognostizieren die Verbände einen abrupten Einbruch des Offshore-Zubaus. Um die fehlenden Ausschreibungen in den kommenden zwei Jahren zu kompensieren, fordern die Verbände Sonderausschreibungen von mindestens 1,5 GW.
Da Offshore-Turbinen mindestens fünf Jahre Vorlaufzeit brauchen, würden Ausschreibungen zum jetzigen Zeitpunkt zwar erst nach 2025 ihre Wirkung entfalten, aber zumindest Schadensbegrenzung leisten, erklärt Rehfeldt weiter. Aus netztechnischer Sicht wäre ein Zubau beziehungsweise die Aktivierung von 1,5 GW kein Problem. Sowohl Tennet als auch 50Hertz können die Summe in ihren Netzen handeln. Tennet habe laut den Offshore-Experten sogar angekündigt, neue Netzanschlüsse zu schaffen und bis 2,5 GW in die Netze bringen zu können.
Fachkräfte und Know-how wandern ab
Will Deutschland seine Position als Innovationsleader nicht verlieren, müsse die Politik reagieren. Immerhin seien in der Ausschreibung 2018 bereits vier Gebote in der Nordsee in Höhe von Null Cent abgegeben worden – einstige Kostenargumente zählen also nicht mehr. Und die Konkurrenz schläft nicht: Rund 26.000 Arbeitsplätze hängen direkt und indirekt an der Windbranche. Während vor allem der Markt in Asien gerade in Schwung kommt, drohe Deutschland als Schaufenster für Offshore-Anlagen zunehmend abzunehmen, erklärt Andreas Wellbrock, Geschäftsführer des WAB. Hersteller, Fachkräfte und mit ihnen das Know-how wandern ab, wenn sich nichts ändern. (ls)


