„In Oranienburg wurde zu spät damit begonnen, den Netzausbau zu planen. Über das bestehende Umspannwerk kann jetzt nicht mehr genügend Leistung zur Verfügung gestellt werden und der Bau eines neuen Werks dauert“, sagt Frank Borchardt, Senior Projektmanager Metering und Digitalisierung bei VDE FNN. Die Stadtwerke Oranienburg hatten mitgeteilt, vorerst keine neuen Netzanschlüsse mehr genehmigen zu wollen.
§14a EnWG regelt Dimmen von Verbrauchern
Der Experte weist darauf hin, dass es keine Option ist, Neuanschlüsse generell nicht mehr zu genehmigen. Seit 1. Januar sind Netzbetreiber verpflichtet, alle Wallboxen und Wärmepumpen anzuschließen. Um die Vielzahl der neuen Anlagen an das vorhandene Netz zu bekommen, müssen neue Anschlüsse von Kundinnen und Kunden jetzt steuerbar gemacht werden.
„Bei der so genannten netzorientierten Steuerung steht den Haushalten nicht jederzeit die maximale Leistung zur Verfügung. Netzbetreiber drosseln die Leistung von steuerbaren Verbrauchseinrichtungen wie Wallboxen oder Wärmepumpen vorübergehend. Damit werden die Lasten in ihrem Netz so verschoben, dass sie über den Tag und die Nacht gleichmäßiger verteilt sind. So entstehen im Netz weniger kritische Lastspitzen. Das vorhandene Netz wird besser ausgenutzt, und mehr Anlagen können angeschlossen werden, auch wenn der Netzausbau erst später erfolgt.“ So wird eine Netzüberlastung vermieden, ohne einzelne Kunden zu benachteiligen.
Digitalisieriung statt nur Ausbau
Im Zuge der Energiewende allein auf den Netzausbau zu setzen, hält VDE FNN für den falschen Weg. Denn der Ausbau dauert in Deutschland zu lange. Kurz- und mittelfristig muss das Stromnetz so gut wie möglich digitalisiert werden: „Mit der intelligenten Steuerung verschaffen wir uns Zeit, bis die Stromnetze ausreichend ausgebaut sind.“
Zuvor hatte schon Kerstin Andreae, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) im Morgenmagazin bekräftigt, dass es sich hier um einen Einzelfall handle. Auf die Frage, welche Perspektive man den Menschen in Oranienburg geben könne, antwortete die BDEW-Chefin, dass jetzt schnell eine Lösung her müsse. "Man kann den Menschen nicht sagen, wartet mal bis 2026." Alle Beteiligten würden aber mit Hochdruck daran arbeiten, eine Lösung zu finden.
Speckgürtel-Thema
Allgemein sei das ein Speckgürtel-Thema, dort seien die Strombedarfe noch einen Ticken höher und der Netzausbau nicht so einfach zu planen. Andreae foderte daher eine veränderte Kommunikation zwischen Kommunen, Stadtwerken, Netzbetreibern und Regulierungsbehörden in solchen Gebieten. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir das schnell in den Griff bekommen". (sg)



