Die PV-Nachfrage bei Unternehmern ist in diesem Sommer im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stark geschrumpft. Satte 40 Prozent weniger PV-Anlagen im Segment von 30 bis 750 kWp wurden zwischen Mai und Juli auf Firmendächern installiert. Das geht aus den Meldedaten der BNetzA hervor, die der BSW ausgewertet hat.
Die Gründe sieht der Bundesverband, ähnliche wie die gesamte Branche, vor allem in den Versäumnissen des novellierten EEGs. Noch immer enthält das Gesetz den „atmenden“ Deckel, wie er bereits im EEG 2012 verankert ist. Dabei erfolgt eine schrittweise Degression der Einspeisevergütung bei PV. Solange sich der Zubau innerhalb des jährlichen Zielkorridors bewegt, erfolgte eine Absenkung um 0,5 Prozent nach EEG 2017. Mit der Gesetzesnovelle wurde die Degression auf 0,4 Prozent abgemildert.
Zu niedrige Ausbaupfade führen zu Kannibalisierungseffekten
Ein Problem haben potenzielle Anlagenbetreiber, sobald der Zubau den Zielkorridor von derzeit jährlich 2,5 GW überschreitet, dann erfolgt eine deutlich strengere Degression der Marktprämie. Derzeit liegt sie bei 1,4 Prozent pro Monat. Seit Anfang vergangenen Jahres ist die Solarstrom-Förderung für Betreiber neuer, gewerblicher Solar-Dächer um satte 25 Prozent zurückgegangen, wie jüngste Berechnungen von EUPD Research zeigten.
Gleichzeit haben die Preise, nicht zuletzt aufgrund von Lieferengpässen im Zuge der Corona-Pandemie, um rund 20 Prozent zugenommen. Für Unternehmer werde es dadurch wirtschaftlich zunehmend unattraktiver, in Solarzellen zu investieren. Die rasante Degression der Marktprämie resultiert aus dem sehr niedrigen PV-Ausbaukorridor. „Unbeeindruckt von neuen Klimaschutz- und Energiewende-Zielen blieb dieser in den letzten zehn Jahren weitgehend unangepasst und bremst seitdem den PV-Ausbau in Deutschland“, moniert der BSW.
Investitionsbereitschaft grundsätzlich vorhanden
Bei neuen Investoren größerer Solardächer komme erschwerend hinzu, dass sie nur noch dann eine Förderung für jede ins öffentliche Stromnetz eingespeiste Kilowattstunde Solarstrom erhalten, wenn sie zuvor erfolgreich an einer Ausschreibung teilnehmen. Der damit verbundene Aufwand ist für viele Unternehmer abschreckend und mit Bauabläufen zeitlich oft inkompatibel.
Dabei zeigt eine kürzlich erschienene Eon-Umfrage, dass sich mehr als 53 Prozent der deutschen Unternehmen die Anschaffung einer PV-Anlage auf dem Firmengelände vorstellen können. Die Bereitschaft, in die Grünstromerzeugung zu investieren, ist also grundsätzlich da. Es wäre fahrlässig, wenn die Politik die preiswerten Klimaschutz-Früchte jetzt nicht erntet, warnt BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig. (lm)



