Jedes Jahr vor Pfingsten machen Warnungen vor drohenden Netzüberlastungen die Runde – der Ernstfall trat bislang glücklicherweise nicht ein. Was allerdings fehlte, war eine systematische Auswertung dessen, was tatsächlich in den Netzen passiert. E3/DC, ein Osnabrücker Hersteller von Photovoltaik-Hauskraftwerken mit integrierten Heimspeichern, hat diese Lücke geschlossen.
Über das Pfingstwochenende 2026 erfasste das Unternehmen stündlich Spannungswerte an rund 110.000 Hausanschlüssen mit PV-Anlagen ab zehn Kilowatt-Peak (kWp) – bundesweit verteilt, konzentriert auf die Erzeugungshotspots im Niederspannungsnetz. Das Ergebnis: Selbst zur Mittagsspitze lagen über 80 Prozent der Hausanschlüsse komfortabel im zulässigen Spannungsband.
Rund 18 Prozent erreichten das obere Warnband zwischen 243 und 253 Volt, nur 0,15 Prozent überschritten den Grenzwert kurzzeitig. "Die Situation ist vollständig beherrschbar", sagt deshalb Nicolas Bartholomäus, Energy Systems Engineer bei E3/DC und Autor des Whitepapers.
Auch Bayern kein Sonderfall
Besonders aufschlussreich ist der Befund für Bayern: Beim größten bayerischen Verteilnetzbetreiber Bayernwerk Netz kommen auf jeden Anschluss rund 45 Meter Niederspannungsleitung — rund 60 Prozent mehr als beim bundesweit größten Verteilnetzbetreiber Westnetz.
Hinzu kommt eine deutlich höhere Einspeisedichte. Und doch zeigt auch dort die Mittagsspitze kein strukturell schlechteres Bild. "Ehrlich gesagt haben wir das so nicht erwartet", räumt Bartholomäus ein. "Die Ergebnisse haben uns positiv überrascht."
Falsche Anreize bei Ortsnetzstationen
Als wirksamsten netzseitigen Hebel benennt das Whitepaper regelbare Ortsnetztransformatoren (rONT), die das nutzbare Spannungsband erheblich erweitern. Nach Angaben des Forums Netztechnik/Netzbetrieb (FNN) verdreifacht sich das Integrationspotenzial im Landnetz durch rONT. Trotzdem ist erst ein kleiner Bruchteil der rund 600.000 Ortsnetzstationen damit ausgestattet.
Der Grund, so Bartholomäus: "Vorausschauende Digitalisierung zahlt sich im aktuellen Regulierungsrahmen nicht aus. Es bestehen Fehlanreize für rein verstärkenden Netzausbau." Die Bundesnetzagentur sei gefragt — mit dem NEST-Prozess komme Bewegung in die Sache.
Einspeisevergütung: "Abrupter Wegfall wäre ein Fehler"
Politisch brisant ist eine weitere Schlussfolgerung der Studie: Ein abrupter Wegfall der Einspeisevergütung für Kleinanlagen bis 30 kWp würde den PV-Zubau bremsen — ausgerechnet auf dem Weg zum gesetzlichen Ziel von 215 Gigawatt (GW) bis 2030.
Die sonstige Direktvermarktung sei für Kleinanlagen weder marktreif noch wirtschaftlich: Intelligente Messsysteme fehlten flächendeckend, und Abrechnungskosten würden einen Großteil der ohnehin geringen Börsenerlöse auffressen.
Dass E3/DC als Speicherhersteller ein Eigeninteresse an bestimmten Empfehlungen hat, räumt Bartholomäus ein. Belege zur Netzdienlichkeit von Heimspeichern kämen aber auch von unabhängigen Quellen wie der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin.
Das Whitepaper empfehle zudem ausdrücklich Netzausbau, regelbare Ortsnetztransformatoren und die spannungsabhängige Blindleistungsregelung an Wechselrichtern – die sogenannte Q(U)-Parametrierung.
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