Mieterstrom-Projekte mit gebäudeeigenen Photovoltaik(PV)-Anlagen oder Blockheizkraftwerken werden sich in ihrer Wirtschaftlichkeit mit dem Smart Meter Rollout drastisch ändern. Das berichtet die ZfK in ihrer am Montag erschienenen gedruckten Oktoberausgabe. Hier finden Sie die Übersicht.
iMSys verpflichtend für die meisten Mieterstrom-Projekte
Die ZfK beruft sich dabei auf den Leitfaden des Verbandes BSW Solar zu PV-Mieterstrom von 2017. Demnach müssen Anbieter, die sich und ihren Mietern einen gesetzlichen "Mieterstromzuschlag" verschaffen möchten, alle physisch mit der Anlage verbundenen Mieter mit intelligenten Messsystemen (iMSys) ausstatten, sobald die Behörde BSI dafür einen Markt sieht ("Markterklärung" mit drei zertifizierten iMSys-Anbietern). Dabei ist es gleichgültig, wie viel Strom einzelne Mieter verbrauchen. Außerhalb des PV-Mieterstrommodells gilt dies zunächst erst ab 10.000 kWh pro Jahr.
Für die alten Ferrariszähler der Einzelmieter oder intelligente Messeinrichtungen ohne Gateway (Kommunikationseinheit) gilt in Mieterstrom-Modellen nur bis zum Ende der laufenden Eichfrist Bestandsschutz. Weitere Voraussetzungen für den Pflichteinbau: Die Solarstrom-Erzeugungseinheit muss mehr als 7 kW leisten - unabhängig vom individuellen Stromverbrauch. Bei mehr als 1 kW kann der Messstellenbetreiber - in der Regel der Verteilnetzbetreiber - ein iMSys verlangen und einbauen.
Nur noch zeitgleich verbrauchter PV-Strom zählt
Was die Kalkulation von Mieterstrom-Projekten durcheinanderwürfelt, sind nicht so sehr die Kosten der iMSys als vielmehr, dass der tatsächlich erzeugte, günstigere PV-Strom dann nicht mehr ratierlich auf die Teilnehmer am Modell aufgeteilt werden darf. Vielmehr gilt dann der auf 15 Minuten genau gemessene zeitgleiche Stromverbrauch des Einzelmieters. Das dürfte in der Regel weniger sein. Dann erhöht sich der Anteil des teureren Reststroms aus dem Netz an der Kundenrechnung sowie der Anteil, der als weniger lukrative Einspeisung ins Verteilnetz abgerechnet wird. Und so spielt plötzlich auch eine entscheidende Rolle, wie viele der Mieter an dem Modell mitmachen.
Dieser Umstand könnte Stadtwerke, die erst jetzt in Mieterstrom-Projekte einsteigen, dazu bringen, sich bei der Kalkulation auf Basis von iMSys Dritter zu bedienen. Das ist die Stunde der White-Label-Anbieter, die für eine andere Marke arbeiten und selbst im Hintergrund bleiben.
Dynamische ZfK-Marktübersicht mit 14 Anbietern
Die ZfK hat zum Start ihrer ständigen Marktübersicht von 14 dieser Dienstleister Antworten bekommen, sowohl für PV- als auch für Kraft-Wärme-Kopplungs(KWK)-Mieterstrom. Es handelt sich um Ökoenergieunternehmen, Ingenieurbüros, IT-Schmieden und Kommunalunternehmen: Stadtwerke Schwäbisch Hall, Enercity Contracting und Gasag Berlin. Einige davon bieten White Labels erst seit vorigem oder diesem Jahr, Polarstern will Mitte nächsten Jahres soweit sein, ausdrücklich für Stadtwerke, sagte Co-Chef Florian Henle der ZfK. Die Stadtwerke Schwäbisch Hall und Polarstern sind erst in der Online-Version der Marktübersicht enthalten.
Wie viele Projekte und Mieter? Wie groß sind die Gebäude?
Die meisten Antwortenden sehen ein mäßiges Wachstum von PV-Modellen von niedrigem Niveau aus seit dem Mieterstromgesetz vom Juni 2017. Die Antworten zu KWK-Mieterstrom sind völlig uneinheitlich. Die ZfK fragt Wertschöpfungsstufen und Erfolgskriterien ab wie die wichtig werdende Teilnehmerquote bei Mieterstrom-Modellen oder die Erfahrung in verschiedenen Projekten und Größenordnungen.
Jederzeit Aufnahme gratis möglich
Der Zugang weiterer White-Label-Dienstleister zur ZfK-"Marktübersicht Mieterstrom für Stadtwerke" ist jederzeit gratis möglich: Einfach Auskunft geben zu den Kriterien in der Tabelle und an info@zfk.de schicken.
Kleinere Stadtwerke und Interview mit einem Marktführer
Den redaktionellen Schwerpunkt "Mieterstrom" in der gedruckten ZfK 10/2018 auf den Seiten 24 und 25 runden Erfahrungsberichte kleinerer Stadtwerke mit Mieterstrom allgemein wie etwa in Selb/Marktredwitz, Bitterfeld Wolfen, Schwerte oder Zeitz sowie ein Interview mit Mainova-Vorstand Norbert Breidenbach ab. Der Frankfurter Versorger ist mit 25 Prozent der installierten Leistung Marktführer beim PV-Mieterstrom-Zubau. (geo/hoe)



