Der PV-Park in Lübars (Sachsen-Anhalt) aus der Luft.

Der PV-Park in Lübars (Sachsen-Anhalt) aus der Luft.

Bild: © STEAG/Sens

Im Juni kam die Solarbranche zur Intersolar Europe in München zusammen. Bereits im Vorfeld der Messe hatte der Branchenverband BSW Solar neue Zahlen veröffentlicht und dabei vor allem die "solare Elektrifizierung von Freiflächen und Firmendächern" als Wachstumstreiber identifiziert.

Bei PV-Anlagen für Gewerbe- und Industriekunden (C&I) gebe es einen "großen Nachholbedarf", sagt Stefan Ahlers, Leiter Projektentwicklung bei IBCS Solar der ZfK. C&I-Projekte machen derzeit 28 Prozent des Marktes aus. "In den nächsten drei, vier Jahren wird dieser Anteil zunehmen."

81 Prozent mehr Solarleistung

Dies unterstreicht auch Max Huber, Projektentwickler bei Goldbeck Solar. "Als maßgeblicher Treiber wirkt hier der Bedarf an Grünstrom der Gebäudenutzer und die Solarpflicht in vielen Bundesländern."

In den ersten vier Monaten sind auf Firmendächern bereit 81 Prozent mehr Solarleistung in Betrieb genommen als im vergleichbaren Analysezeitraum im Vorjahr. Das zeigt eine Auswertung des BSW mit Daten der Bundesnetzagentur. Nach einer Umfrage des Verbandes plant sogar die Mehrzahl der Unternehmen, in den nächsten drei Jahren eine Solaranlage zu errichten.

Freiflächen-Anlagen

Auch bei Solarparks entwickelt sich der Markt weiter. "Wir sehen in 2024 ein stetiges Wachstum auf dem Markt für PV-Freiflächen-Anlagen", sagt Stefan Spork, Head of Profit Center Germany/Austria bei Goldbeck Solar. "Auch in 2025 erwarten wir keine Eintrübung."

"Wir erwarten in diesem Jahr einen mindestens ebenso starken Zubau an Freiflächen-PV-Anlagen wie im vergangenen Jahr", sagt Ove Petersen, CEO und Mitgründer des Projektentwicklers GP Joule. "Sowohl bei der Entwicklung als auch beim Bau von Solarparks ist die Nachfrage hoch."

Es sei damit zu rechnen, dass das für das laufende Jahr angepeilte, bundesweite Ausbauziel von 13 Gigawatt erneut nicht nur erreicht, sondern auch übertroffen werde, betont auch ein Sprecher der Steag-Tochter Iqony Sens.

Hausdachanlagen

Das Geschäft mit Hausdachanlagen, der sogenannte Residential-Markt, hatte sich 2023 in Deutschland am besten entwickelt. Nach dem "Hype" im Vorjahr geht Ahlers von IBC Solar für 2024 nun von einer Konsolidierung aus. Erst in 2025 erwartet das Unternehmen wieder eine Erholung bei privaten PV-Anlagen.

"Obwohl die Modulpreise so günstig wie schon seit Jahren nicht mehr sind, reagieren private Hausbesitzende aktuell zurückhaltend", bestätigt Sarah Müller, Geschäftsführerin und CCO von Zolar. "Wir sehen ein Marktwachstum, das hinter unseren Erwartungen zurückbleibt." Das Unternehmen will die niedrigeren Modulpreise an seine Kunden weitergeben und hat zudem ein flexibles Finanzierungsmodell eingeführt.

Anzeichen für Konsolidierung

Der BSW Solar rechnet 2024 rechnet bei privaten Dachanlagen mit einem Marktwachstum im zweistelligen Prozentbereich. Dies wäre etwas weniger als im Vorjahr. Für eine Konsolidierung in der Branche gibt es auch Anzeichen: Anfang des Jahres ging die ehemalige EWE-Tochter Eigensonne insolvent. Im Mai folgte der Osnabrücker PV-Anlagenentwicklers Energiesun. Kürzlich kündigte zudem die Sonnen-Tochter Enersol an, Ende Oktober den Betrieb zu schließen.

Auffällig ist, dass die Konsolidierung bislang vor allem das Geschäft mit privaten PV-Dachanlagen betrifft. Bei Projektentwickler von Freiflächen-Anlagen und großen Dachanlagen sind keine Insolvenzen bekanntgeworden.

Drei bis vier Jahre Bauzeit

Bei Solarparks und auch größeren Dachanlagen sind dafür weiterhin die fehlenden Netzanschlüsse ein großes Hemmnis. "Leider dauert die Errichtung von Solarparks immer noch drei bis vier Jahre, bei nur sechs Monaten Bauzeit", so Ahlers von IBC Solar.

"Die Kombination von Solar- und Windparks ist eine der wesentlichen Möglichkeiten, um auf Engpässe auf Netzanschlüsse zu reagieren", sagt Goldbeck Solar-Manager Spork. "Das ist leider in Deutschland noch ein extrem schwieriges Thema."

100 MW in der Nachverdichtung

In Österreich sei die Überbauung von bei Hybrid-Anlagen hingegen schon ein Standardfall. "Wenn wir in dort Anlagen bauen, dann fast ausschließlich in der Nachverdichtung." Allein in diesem Jahr will Goldbeck Solar rund 100 MW an solchen Standorten in Österreich errichten.

Auch im Dachbereich sind fehlende Netzkapazitäten ein Problem. "Mittlerweile bauen wir Anlagen zum Netz und nicht das Netz zu den Anlagen", so Spork weiter.

Digitales Bild des Netzzustands

Konzepte für die gemeinsame Nutzung von Netzverknüpfungspunkten fordert auch GP-Joule-CEO Petersen. Dafür könne es auch sinnvoll sein, die Einspeisekapazität einzelner EE-Anlagen zu begrenzen, wenn dadurch freie Netzkapazitäten geschaffen würden.

Es brauche zudem ein vollumfängliches, digitales Bild des Netzzustands. "Informationen für den jeweiligen Hausanschluss beziehungsweise Netzanschlusspunkt reichen dabei schon aus, um zielgerichtet zuschaltbare Lasten und flexible Verbraucher intelligent einzubinden", so der Geschäftsführer

Wachsende Bedeutung von Speichern

Darüber hinaus wächst die Bedeutung von Stromspeichern. "Der Trend, einen PV- oder Windpark mit einem dezentralen Speicher zu kombinieren, ist klar erkennbar", so der Sprecher von Iqony Sens. "Aus unserer Sicht wird künftig bei rund einem Drittel der Projekte eine Speicherlösung eine Rolle spielen – Tendenz steigend."

"Speicher werden auch im Dachbereich immer präsenter", sagt Projektentwickler Huber. Die Nachfragen würden spürbar zunehmen. In der Freifläche sei die Speicher-Quote dagegen noch sehr überschaubar, meint Spork ‒ beide Goldbeck Solar. Derzeit würden Speicher hier auch noch nicht genutzt, um die Einspeisemengen zu erhöhen oder sich gegen negative Preise abzusichern. "Dafür müssten Speicher sehr groß ausgelegt sein. Hier fehlt es aber derzeit noch am Geschäftsmodell", so Spork weiter.

Hoher Anteil im Eigenheim

Im Eigenheimsegment ist der Speicher-Anteil dagegen schon deutlich höher. Eine Erhebung des BSW Solar unter Installationsunternehmen hat ergeben, dass sich inzwischen rund 80 Prozent der Photovoltaik-Kundschaft im Eigenheimsegment in Deutschland zugleich einen Heimspeicher installieren lassen.

Beim Solaranbieter Zolar liegt der Speicheranteil schon bei über 90 Prozent – und ist sehr stabil. "Im Batteriemarkt sehen wir zahlreiche neue Entwicklungen und sind sehr gespannt auf die ersten smarten Modelle, die sich dann selbst optimieren können", sagt Zolar-CCO Müller. (jk)

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