Klaas Bauermann ist Head of New Business beim Energiekonzern Statkraft.

Klaas Bauermann ist Head of New Business beim Energiekonzern Statkraft.

Bild: © Statkraft

Von Julian Korb

Die Kombination aus erneuerbaren Anlagen und Batteriespeichern, sogenannte Co-Location-Projekte, gewinnt in Deutschland an Bedeutung. Betreiber suchen nach Möglichkeiten, Kosten zu senken, Netzinfrastruktur effizient zu nutzen und gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit ihrer Anlagen zu erhöhen.

"Grundsätzlich sind Co-Location-Speicher für alle interessant, die sich mit erneuerbaren Energien beschäftigen", sagt Klaas Bauermann, Head of New Business beim norwegischen Energiekonzern Statkraft. Der Begriff beschreibt, dass sich unterschiedliche Anlagen einen Standort und häufig auch einen Netzanschluss teilen. Dadurch können Synergien bei Planung, Infrastruktur und Betrieb entstehen.

Bestehende Speicher erweitern

Besonders spannend sei, dass das Modell, für Neu- und Bestandsanlagen gleichermaßen interessant sein kann. "Man nutzt Infrastruktur gemeinsam, spart Kosten – und gewinnt an Flexibilität", so Bauermann.

Ein entscheidender Unterschied liegt laut dem Statkraft-Manager in der Art der Speicherbeladung: "Ob wir über einen Graustromspeicher oder über einen sogenannten grünen Stromspeicher sprechen, macht einen großen Unterschied."

Während konventionelle Batteriespeicher Strom aus dem Netz beziehen und abgeben können, sind grüne Speicher an die Erzeugung erneuerbarer Energie am jeweiligen Standort gebunden – sie speichern also nur Strom, der aus Wind oder Sonne stammt.

"Wir sehen, dass grüne Stromspeicher in Co-Location zunehmend auch ohne Förderung der Erneuerbaren-Anlage wirtschaftlich darstellbar sind."

Grünstromspeicher ohne Förderung

Ein Vorteil von Co-Location-Speichern: "Viele Speicherprojekte warten lange auf einen eigenen Netzzugang", so Bauermann. "Wenn man eine gemeinsame Netzanschlusslösung mit einer PV- oder Windanlage findet, vereinfacht das vieles."

Zudem sinken die Speicherpreise weiter, was Batteriespeicher insgesamt, aber auch Co-Location wirtschaftlich attraktiver macht. "Wir sehen, dass grüne Stromspeicher in Co-Location zunehmend auch ohne Förderung der Erneuerbaren-Anlage wirtschaftlich darstellbar sind", betont der Statkraft-Manager.

Auch die Innovationsausschreibungen des EEG spielten eine Zeit lang eine wichtige Rolle. "Das war anfangs sehr interessant, weil die Zuschläge relativ hoch waren", erklärt der Vermarktungsexperte. Mittlerweile seien die Fördersätze aber gesunken, sodass sich der Abstand gegenüber einer normalen EEG-Förderung verringert habe.

Dennoch könne eine Innovationsausschreibung ein sinnvolles finanzielles Sicherheitsnetz bieten, auch wenn "wir heute auch ohne Förderung stabile Erlösmodelle anbieten können, beispielsweise durch PPA-Strukturen oder durch die Vermarktung von Flexibilitäten."

Banken entdecken den Speicher

Ein zentraler Faktor für die jüngste Marktdynamik sei zudem die wachsende Akzeptanz bei Banken und Investoren. "Vor ein paar Jahren war Speicherfinanzierung schwierig – es fehlten Erfahrungswerte und Absicherungsmechanismen", sagt Bauermann. "Jetzt sehen wir, dass Banken bereit sind, sich stärker auf das Thema einzulassen." Gleichzeitig würden sinkende Investitionskosten und verbesserte Vermarktungskonzepte den wirtschaftlichen Betrieb erleichtern.

"Speicher in Kombination mit Erneuerbaren bilden inzwischen ein solides Fundament für Investoren", fasst er zusammen. "Das Thema ist kommerziell angekommen – nicht mehr nur ein Zukunftstrend."

"Ein grüner Stromspeicher, der ausschließlich vor Ort erzeugten Strom nutzt, lässt sich oft schneller genehmigen."

Grüner Speicher als Genehmigungsvorteil

Interessant ist auch die regulatorische Perspektive. "Ein grüner Stromspeicher, der ausschließlich vor Ort erzeugten Strom nutzt, lässt sich oft schneller genehmigen", sagt Bauermann. "Viele Entwickler hoffen darauf, dass dies künftig noch einfacher wird – gerade, wenn Herkunftsnachweise und Grün- sowie Graustrom in einem Speicher flexibler kombiniert werden können."

Für das Energiesystem insgesamt sei das positiv: "Wir nehmen Strom auf, wenn zu viel da ist, und speisen ihn ein, wenn er gebraucht wird – das stabilisiert Preise und Netze."

Komplexe Optimierung gefragt

Damit die Kombination aus Anlage und Speicher wirtschaftlich funktioniert, müsse das Zusammenspiel präzise abgestimmt sein. "Beide Anlagenteile müssen eigenständig optimiert werden können", erklärt Bauermann. "Nur wenn die Interaktion funktioniert, entsteht echter Mehrwert."

Wichtig sei dabei eine transparente Abrechnung, um zu zeigen, welchen Beitrag der Speicher tatsächlich leistet. "Wir müssen sicherstellen, dass die Marktprämie oder andere Erlöse korrekt zwischen den Anlagenteilen aufgeteilt werden. Sonst profitiert eine Seite auf Kosten der anderen."

Ein Beispiel sei die "gerettete Marktprämie": "Wenn Solarstrom wegen negativer Preise eigentlich nicht mehr gefördert würde, können wir ihn in den Speicher leiten, statt die PV-Anlage abzuschalten", erläutert der Vermarktungsexperte. "Wir speichern also erneuerbaren Strom, der sonst verloren ginge, und speisen ihn später wieder ein, wenn dieser benötigt wird – damit erhöhen wir den Anteil erneuerbarer Energie im Netz." Für die Erneuerbaren-Anlage können so Erlöse verschoben und gegebenenfalls Marktprämie "gesichert" werden, die ohne den Betrieb in Co-Location nicht hätten erzielt werden können.

"Wir sprechen von mehreren Zehntausend Megawatt, die in Deutschland realistisch entstehen könnten."

Marktentwicklung: Zehntausende Megawatt im Blick

Für die kommenden Jahre erwartet Statkraft einen deutlichen Zubau von Speichern – auch in Kombination mit Erneuerbaren-Anlagen. "Wir sprechen von mehreren Zehntausend Megawatt, die in Deutschland realistisch entstehen könnten", schätzt Bauermann. "Die Entwicklung wird aber etwas langsamer verlaufen, als manche Zahlen vermuten lassen. Viele Netzanschlussanfragen sind Mehrfachmeldungen oder Vorprüfungen."

Dennoch stimme die Richtung. "Speicher sind nicht nur kommerziell sinnvoll, sondern auch systemisch notwendig", sagt er. "Sie stabilisieren Netze und Preise und helfen, Flexibilität bereitzustellen – sowohl für Netzbetreiber als auch für Industriekunden, deren Strombezug etwa über PPAs ebenfalls zunehmend auf Flexibilität angewiesen ist."

Solar führt, Wind zieht nach

Während Photovoltaik-Anlagen derzeit die treibende Kraft im Co-Location-Markt sind, holen Windprojekte auf. "Bei PV ist die Sache klarer – die Sonne scheint überall ähnlich und der Speicher lässt sich einfach in den Tagesverlauf integrieren", sagt Bauermann. "Bei Wind ist das komplexer, weil die Einspeiseprofile regional stark variieren." Dennoch sei der Trend eindeutig: "Auch Windbetreiber denken zunehmend über Speicheroptionen nach."

Co-Location sei daher kein Nischenthema mehr. "Wir stehen am Anfang einer Phase, in der Speicher ein selbstverständlicher Bestandteil von Erneuerbaren-Projekten werden", so der Statkraft-Manager.

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