Die Vermarktung von Speichern gewinnt mit dem zunehmenden Ausbau an Bedeutung. (Symbolbild)

Die Vermarktung von Speichern gewinnt mit dem zunehmenden Ausbau an Bedeutung. (Symbolbild)

Bild: © Negro Elkha/AdobeStock

Von Julian Korb

Noch sind, verglichen mit Wind- und Solaranlagen, wenige große Batteriespeicher in Deutschland installiert. Doch der Speicher-Zubau dürfte in den kommenden Jahren deutlich zulegen. Wer bereits einen Speicher betreibt oder dies plant, dürfte sich auch bereits mit den unterschiedlichen Vermarktungsmodellen auseinandergesetzt haben. Denn diese unterscheidend sich ganz grundsätzlich von denen bei Windanlagen oder Solarparks.

Der Klassiker dürfte nach wie vor das sogenannte "Fully Merchant"-Projekt sein, bei dem der Speicher vollständig dem Strommarkt ausgesetzt ist. Chance und Risiko liegen voll beim Anlageneigentümer. Der Vermarkter sichert sich bei Gewinnen seinen Anteil. Profit Share nennt sich dies in der Branche. Der Vorteil liegt klar auf der Hand: Nirgendwo sind für Investoren die möglichen Erlöse höher.

Doch daneben gewinnen Modelle an Bedeutung, bei denen Speicherbetreiber besser abgesichert sind. Bei sogenannten Tolling-Verträgen mietet ein Vermarkter den Speicher an und garantiert dafür feste Erlöse, egal, wie sich die Preise am Markt entwickeln. Bei Floor-Modellen hingegen ist nur ein gewisser Mindesterlös geschützt – mit Chance nach oben.

Der Nachteil hierbei: Sicherheit kostet. Bei stabiler Strommarktentwicklung entgehen den Speichereigentümern Gewinne. Dennoch setzen sich laut Branchenstimmen solche Modelle zunehmend durch.

"Tolling kann auch dabei helfen, bessere Finanzierungskonditionen zu erhalten – ist aber keine zwingende Voraussetzung." – Steffen Schülzchen, Entrix.

Sichere Verträge für Energieversorger

Der Vermarkter Entrix aus München etwa bietet ein spezielles Floor-Modell mit Tolling-Elementen an, bei dem lediglich die Erlöse am Day-Ahead-Markt, also bei Stromlieferungen für den kommenden Tag, abgesichert sind. Erlöse aus dem untertägigen Handel oder aus der Vermarktung von Regelenergie unterliegen dem Marktrisiko. Erster Kunde ist die Energieversorgung Beckum aus Nordrhein-Westfalen. Als Partner, der die Day-Ahead-Einnahmen garantiert, sprang die Bahn-Tochter DB Energie ein.

Tolling-Verträge eigneten sich für Energieversorger und Stadtwerke, die mehr Planbarkeit und Sicherheiten wollten, sagt Entrix-Gründer und CEO Steffen Schülzchen. Ein "Merchant-Ansatz" hingegen sei besonders sinnvoll, wenn eine Renditemaximierung im Vordergrund stehe. "Tolling kann auch dabei helfen, bessere Finanzierungskonditionen zu erhalten – ist aber keine zwingende Voraussetzung", so Schülzchen weiter.

Unabhängig von der Vermarktungsform brauche es aber immer eine Optimierung des Speichers an den unterschiedlichen Energiemärkten. "Eine Algorithmus-basierte Multi-Market-Optimierung lohnt sich ab etwa drei bis fünf Megawatt." Künstliche Intelligenz ermögliche eine automatisierte Vermarktung der Speicher über mehrere Märkte hinweg – etwa an den Spot-Märkten und in der Regelleistung.

"Die Vielzahl an Vermarktungsmöglichkeiten kann nur KI-basiert voll ausgeschöpft werden – indem sie die Flexibilität des Speichers optimal über verschiedene Erlöspfade hinweg nutzt, sowohl wirtschaftlich als auch systemisch", ist Schülzchen überzeugt. Dabei könne Entrix sowohl die Speicher- als auch lokale Netz-Spezifika berücksichtigen.

"Bei Speichern möchten wir unser Portfolio an eigenen Batterien sowie an zu vermarktenden Kundenanlagen so schnell wie möglich ausbauen." – Nils van Afferden, RWE.

Energiekonzern setzt auf Tolling

Die RWE-Handelstochter RWE Supply & Trading gehört derzeit zu den größten Vermarktern von Batteriespeichern in Deutschland. In der Direktvermarktungsumfrage der ZfK belegte der Essener Energiekonzern in der Batterie-Vermarktung den zweiten Platz hinter dem Flexibilitätsspezialisten Esforin.

"Bei Speichern möchten wir unser Portfolio an RWE-eigenen Batterien sowie an zu vermarktenden Kundenanlagen so schnell wie möglich ausbauen", sagte Nils van Afferden, Manager Asset Origination und Flexibilitätsspezialist, der ZfK. "Wir sehen in diesem Bereich in den kommenden Jahren hohes Erlöspotenzial."

In der Vermarktung fährt RWE dabei eine klare Strategie. "Ein Großteil unserer Kunden benötigt einen fixen Einkommensstrom, den wir über sogenannte Tolling-Verträge, wie den kürzlich zwischen Terralayr und RWE geschlossenen, bieten", führt van Afferden aus. Der Konzern sieht hier auch seine Stärken im Markt. "Denn wir können mit den langfristigen Vermarktungsrisiken bei Speichern umgehen, in diesem Punkt unterscheiden wir uns von vielen klassischen Optimierern."

"Die Batterie-Vermarktung ist durch die verschiedenen Märkte deutlich anspruchsvoller als die Direktvermarktung von Wind- oder Solaranlagen." – Stephan Lehrke, Secon Foundation.

Neuer Stromhändler betritt deutschen Speicher-Markt

Neben großen Konzernen wie RWE betreten auch immer mehr neue Player den deutschen Speicher-Markt. Einer von ihnen ist der tschechische Stromhändler Second Foundation, der hierzulande bislang unter anderem als neuer Eigentümer des Mainzer Direktvermarkters Inpower bekannt ist.

Stephan Lehrke, Leiter des Deutschlandgeschäfts, erklärte gegenüber der ZfK die Pläne des Unternehmens. "Die Batterie-Vermarktung ist durch die verschiedenen Märkte, wie Regelenergie, Day-Ahead oder Intraday-Handel, deutlich anspruchsvoller als die Direktvermarktung von Wind- oder Solaranlagen. Unser Eindruck ist, dass viele Vermarkter dringend Wachstum zeigen wollen, es aber an der Expertise im Trading fehlt."

So sei der deutsche Markt bereits "extrem schnell" und lasse sich kaum noch per Hand traden. "Deswegen sind Automatisierung und der Einsatz von Machine Learning entscheidend." Der Manager beobachtet derzeit eine Vielzahl von Vertragsmodellen im Markt. "Neben den klassischen Verträgen, sehen wir zunehmend auch Floor- oder Tollingverträge mit eher kürzeren Laufzeiten."

Das Problem: Es gebe nur wenige, spezialisierte Banken, die Fully-Merchant-Speicher finanzierten und dies meist nur bei Projekten unter 30 Megawatt Leistung. "Uns ist klar, dass wir uns nach den Kunden richten müssen, wenn wir im Markt erfolgreich sein wollen." Bei der Finanzierung von großen Speicherprojekten komme man mittlerweile um einen Tolling-Anteil nicht herum, so Lehrke.

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