Wer 2026 neue Großbatteriespeicher plant, darf sich über bessere Rahmenbedingungen freuen. (Symbolbild)

Wer 2026 neue Großbatteriespeicher plant, darf sich über bessere Rahmenbedingungen freuen. (Symbolbild)

Bild: © phonlaimaiphoto/AdobeStock

Von Julian Korb

Nach Jahren des Booms waren die Umsatzzahlen der Speicherbranche im vergangenen Jahr erstmals rückläufig. Hatten Speicherunternehmen im Jahr 2023 noch gut 16 Milliarden Euro erlöst, waren es 2024 nur noch 12,5 Milliarden. Das geht aus einer Auswertung der Beratung 3Energie Consulting im Auftrag des Branchenverbandes BVES hervor.

Jörg Blaurock, Partner bei 3Energie Consulting sprach von einer "Konsolidierung" der Branche. Der Rückgang ist demnach ausschließlich auf Einbrüche im Haushaltsbereich zurückzuführen. Bei Industrie- und Gewerbespeichern sowie bei Großspeichern war gegenüber dem Vorjahr hingegen ein Zuwachs zu verzeichnen.

Für das laufende Jahr geht Berater Blaurock von einer leichten Entspannung aus. So könnte die Branche nach bisheriger Einschätzung wieder mehr als 14 Milliarden Euro umsetzen.

Umsatzeinbruch durch Wärmepumpen

Haupttreiber des Rückgangs im abgelaufenen Jahr waren demnach die niedrigen Verkaufszahlen bei Wärmepumpen. Das führte auch zu weniger verkauften Wärmespeichern bei Haushalten. Auch hier geht Berater Blaurock wieder von steigenden Erlösen im Jahr 2025 aus.

BVES-Geschäftsführer Urban Windelen sprach von "Sondereffekten in der Energiekrise", die sich jetzt wieder normalisiert hätten. Der Anreiz für Haushalte, sich über Eigenversorgung und Energiespeicher zu optimieren, sei durch niedrigere Energiepreise wieder gesunken. Auch sei die Sektorkopplung durch niedrige Verkaufszahlen bei Wärmepumpen und E-Autos ausgebremst worden.

Wachstum bei Gewerbe und Großspeichern

Wachstum gab es hingegen bei Industrie- und Gewerbespeichern. "Kostenersparnisse als Wachstumstreiber sind auch 2025 intakt", sagt Berater Blaurock. Große Wärmespeicher hingegen würden derzeit noch vor allem im Ausland errichtet – durch deutsche Unternehmen realisiert. Größtes Hemmnis bleibe weiterhin, dass der regulatorische Rahmen zu wenig Anreize zur Flexibilisierung gebe.

"Der Industrie- und Gewerbespeichermarkt ist fast um ein Viertel gewachsen", sagte BVES-Geschäftsführer Windelen. "Der aus unserer Sicht wichtigste künftige Speichermarkt läuft endlich los." Der Verbandsvertreter schränkte aber auch ein: Die Kilowattstunde Gas sei immer noch günstiger als die Kilowattstunde Strom, vor allem grüner Strom. "Solange das so ist, wird die Elektrifizierung nicht voranschreiten." Viele Unternehmen hofften demnach auf Wasserstoff, obwohl das Gas nur bei wenigen Unternehmen ankommen werde.

Eine ähnliche Aufwärtsentwicklung wie bei Gewerbe- und Industriespeichern gab es auch bei Speichern für die Systeminfrastruktur. Damit sind Großbatteriespeicher gemeint, die am Netz hängen. "Es gibt deutlich erhöhte Anfragen für einen Netzanschluss", so Blaurock. 2025 gehen zudem auch die ersten sogenannten Netzbooster im Übertragungsnetz in den Betrieb. Auch bei Pumpspeichern sei ein weiteres Wachstum zu erwarten.

Flut an Anschlussanfragen

BVES-Geschäftsführer Windelen freute sich über den Zuwachs. "Die ersten Pumpspeicherprojekte seit Jahrzehnten sind in Deutschland in Planung." Großspeicher würden in den "neuen Marktrealitäten" an Attraktivität gewinnen. Er wiegelte aber auch ab: "Bei Großbatterien gibt es keinen Tsunami."

Dafür, dass sich die Anfragen nun anstauen, machte er vor allem Netzbtreiber verantwortlich. "Netzbetreiber und Bundesnetzagentur hätten vor Jahren ein Verfahren entwickeln können, wie mit Anschlussanfragen umzugehen ist." Die Flut an Anfragen sei daher eine Folge dieses Versäumnisses. Projektbetreiber seien gezwungen, früh Netzanschlussbegehren zu stellen, weil sie Monate auf eine Antwort der Netzbetreiber warteten. "Die Entscheidungen, diese Verfahren zu beschleunigen und zu vereinfachen, liegen alle bei der Bundesnetzagentur", betonte der Verbandsvertreter.

Realistischerweise sei mit einem Zubau von zwei bis zweieinhalb Gigawatt an Großspeichern pro Jahr zu rechnen. Langfristig sei die Entwicklung schwer einzuschätzen. "Zurzeit plant kaum jemand ein Projekt über 2029 hinaus, weil dann die Übergangsregelungen zu den doppelten Netzentgelten auslaufen", monierte Windelen. Weiterhin seien zudem die Vorbehalte bei der Privilegierung von Speichern im Baurecht groß. "Das geänderte Bundesrecht kommt in vielen unteren Behörden noch nicht an."

Kritik äußerte der Branchensprecher auch an der Bundesnetzagentur und deren neuer Rolle. "Die Bundesnetzagentur geriert sich immer mehr politisch, obwohl sie eigentlich eine Umsetzungsbehörde ist." Immerhin erwartet der Verband im Juni einen ersten Aufschlag der Netzagentur, was die Nachfolgeregelung für die Befreiung von doppelten Netzentgelten angeht. Großspeicher sind noch bis 2029 von der doppelten Belastung befreit.

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