Die Stadtwerke Osnabrück (SWO) hatten es bereits angekündigt, nun folgen den Worten Taten: Seit dem 01. Januar erhalten alle 60.000 Privatkunden grünen Regionalstrom. Jenen Strom, der aus Anlagen erzeugt wird, die in einem Radius von 50 Kilometern rund um die Stadt verteilt sind. Hierbei profitiere der Versorger davon, dass er "sehr gut" in der Direktvermarktung aufgestellt sei, erläutert der Stadtwerke-Vorstandsvorsitzende Christoph Hüls auf der dazugehörigen Pressekonferenz.
Den Kunden selbst kostet die Umstellung keinen Cent extra. Die Mehrkosten im niedrigen bis mittleren sechsstelligen Bereich werden von den Stadtwerken übernommen. "Wir betrachten dies als Investitionen in eine höhere Kundenzufriedenheit und -bindung", betont Hüls. Pro Jahr würden so zwischen 50.000 bis 60.000 Tonnen CO2 eingespart, ergänzt der Stadtwerke-Energiechef Marcus Bergmann.
30.000 Umlandkunden sollen zukünftig auch Regionalstrom erhalten
Das Liefervolumen für die Privatkunden in der Stadt beträgt rund 170 Mio. kWh pro Jahr. Ein Drittel kommt von den Stadtwerken und die restliche Menge wird aus regionalen Fremdanlagen dazugekauft.
Aber der Versorger habe bereits zwischen 250 Mio. bis 300 Mio. kWh an Regionalstrom kontrahiert, erläutert Bergmann weiter. Denn das Ziel sei es auch die 30.000 Kunden im Umland mit Regionalstrom noch in diesem Jahr zu versorgen. Darüber hinaus rechne das Unternehmen damit, dass auch seitens der Gewerbekunden die Nachfrage steigen werde.
Post-EEG-Anlagenbetreiber zeigen sich interessiert
Im Rahmen des Regionalstroms gehen die Stadtwerke auch auf Anlagenbesitzer zu, deren Bestand bald aus der EEG-Förderung fällt. Von den 65 Anlagenbetreibern in Osnabrück hätten bereits 60 Interesse signalisiert, erläutert der Vorstandsvorsitzende weiter. "Wir können durchaus ein Angebot machen, womit es sich lohnt, die Anlage weiterzubetreiben", fährt er fort.
Aber das Problem bleibe, dass die frischen Änderungen im Erneuerbaren-Energie-Gesetz (EEG) bürokratisch belasten würden. Vor allem die Vorschriften zur Messtechnik und Fernsteuerbarkeit würden Investitionen erfordern, die es für die Anlagenbetreiber unattraktiv mache, ihre Anlagen am Netz zu behalten. "Hier setzen wir uns ein und wünschen uns auch von der Politik eine Entbürokratisierung. Die Anlagen, die vorhanden sind, dürfen nicht einfach verloren gehen", betont Hüls.
Solardach-Offensive im Visier
"Wir wollen ganz gezielt ein deutliches Zeichen für mehr Nachhaltigkeit und somit mehr Lebensqualität setzen", betont Hüls. Neben der Umstellung der Busflotte auf elektrisch bis spätestens 2023 hat der Versorger nach seiner eigenen Solardach-Offensive, auch eine für Privatk- und Gewerbekunden angekündigt. "Wir setzen den Hebel bei den Privat- und Gewerbekunden an. Wir machen deutlich, dass es sinnvoller ist, die Dächer mit den PV-Anlagen voll auszustatten, anstatt nur auf Eigenbedarf zu achten. Mit unseren Dienstleistungen unterstützen wir zudem", erläutert der Stadtwerke-Chef.
Zwar würde das jetzige EEG nur auf den Direktverbrauch abzielen, aber "wir denken, dass in zwei bis drei Jahren auch hier ein regulatorisches Umdenken stattfinden wird". Das Potenzial sei groß: Über genügend Solaranlagen in der Stadt Osnabrück könne der jährliche Strombedarf bilanziell gedeckt werden. Einziger Manko des auf Nachhaltigkeit fokussierten Unternehmens: Es ist weiterhin am Kohlekraftwerk in Lünen beteiligt. Dieser Strom würde aber zukünftig in den Großhandel wandern, bis das Kraftwerk im Rahmen des Ausstiegs abgeschaltet würde. (gun)



