Mit Hilfe eines neuen Regionalstromangebots wollen die Stadtwerke Radolfzell am Bodensee die Kundenbindung weiter stärken und ökoaffine Kunden von spezialisierten „grünen“ Anbietern zurückgewinnen.
„Ökostrom bietet mittlerweile fast jeder an, Regionalstrom ist da noch einmal ein anderes Alleinstellungsmerkmal. Wir als Stadtwerk müssen uns aktiv mit den Projekten in der Region beschäftigen, da die Akzeptanz für so ein Angebot vor Ort deutlich höher ist“, erklärte Vertriebsleiter Joachim Kania von den Stadtwerken Radolfzell, auf ZfK-Anfrage.
Ökostromkunden werden automatisch umgestellt
Alle Haushaltskunden und Gewerbekunden im SLP-Bereich können mit dem neuen Angebot versorgt werden. „Das entspricht rund 70 Prozent unserer Kunden“, erklärt Kania. Alle bisherigen Kunden im normalen Ökostrom-Sondertarif „SWR spar“ wurden automatisch umgestellt und erhalten dieses Upgrade ohne Mehrkosten.
Entstanden ist das Produkt im Rahmen einer Arbeitsgruppe im Thügaverbund, die Thüga ist Minderheitsgesellschafter der Stadtwerke Radolfzell. Bei der Ausgestaltung habe man auch mit Direktvermarktern zusammengearbeitet, vieles wurde auch in Eigenregie entwickelt, so Kania.
Der Regionalstrom wird im Photovoltaik-Park in Steißlingen, dem Windpark bei Tengen, im Bioenergiedorf Möggingen und ab Mai 2021 auch im PV-Park Reichenauer Wiesen gewonnen. Diese Anlagen erzeugen zusammen etwa 35 Mio. kWh Strom.
50-Kilometer-Radius
Mit dem neuen Produkt werden Privat- und Gewerbekunden im Umkreis von 50 Kilometern zu den jeweiligen Erzeugungsanlagen mit regionalem Ökostrom beliefert. Grob reicht der 50-Kilometer-Radius von Radolfzell bis fast nach Friedrichshafen respektive in die andere Richtung nach Tuttlingen.
Der Nachweis der regionalen Stromproduktion wird durch die Registrierung beim Umweltbundesamt (UBA) sichergestellt und im sogenannten Regionalnachweisregister (RNR) geführt. Zusätzlich werden die Produkte „swRegio“ und „swRegio extra“ vom TÜV als 100 Prozent Ökostrom zertifiziert.
"Setzen auf Komplettakzeptanz der Erneuerbaren"
Direkt auswählen, aus welcher Anlage der bezogene Strom kommt, können die Kunden nicht. „Wir haben das diskutiert. Da wir aber auf eine Komplettakzeptanz der Erneuerbaren setzen, war eine solche Wahlmöglichkeit für uns keine Option“, so Kania.
Eine Aufnahme weiterer Anlagen in das Regionalstromprodukt ist denkbar. Möglich seien dabei sowohl die Integration von Projekten der Stadtwerke als auch von anderen regenerativen Erzeugungsanlagen aus der Region. (hoe)



