Die Stadtwerke Emmendingen (hier mit Geschäftsführer Björn Michel) stellten kurz vor der Fukushima-Katastrophe 2011 komplett auf Ökostrom um.

Die Stadtwerke Emmendingen (hier mit Geschäftsführer Björn Michel) stellten kurz vor der Fukushima-Katastrophe 2011 komplett auf Ökostrom um.

Bild: © Stadtwerke Emmendingen

Immer mehr Kommunalversorger stellen ihre Stromtarife auf Grün. Die Stadtwerke Bielefeld sind da nur das jüngste Beispiel. Sie wollen bis zum 1. Juli 144.000 Haushalte auf Ökostrom umstellen. Wie üblich bei solchen Änderungen geben auch sie die damit verbundenen Mehrkosten nicht weiter, sondern tragen sie selbst.

Wie stark inzwischen Stadtwerke auf den Ökotrend setzen, zeigt eine jüngst erschienene repräsentative Studie der Unternehmensberatung "Lead and Sale" und des Marktforschungsinstituts "Creative Analytic 3000". Demnach sehen es 56 Prozent der befragten Stadtwerke als selbstverständlich an, ihren Kunden Ökostrom anzubieten.

44 Prozent bieten nur Ökostrom an

44 Prozent bieten dann auch ausschließlich Ökostrom an. Und 14 Prozent haben nur noch Ökostrom aus der eigenen Region im Portfolio.

Gleichzeitig steigen die Ansprüche seitens der Kunden. Die Hälfte der Studienteilnehmer akzeptieren unter Energieversorgern nur Anbieter mit Ökostrom. 2019 waren es noch 44 Prozent gewesen.

Ökostrom bei Jüngeren besonders beliebt

38 Prozent beziehen bereits Strom aus erneuerbaren Quellen (2019: 30 Prozent). Dabei ist der Wunsch nach Ökostrom bei jüngeren Kunden besonders groß.

Gute Erfahrungen mit der Ökostromumstellung haben die Stadtwerke Emmendingen in Südbaden gemacht. Seit zehn Jahren bieten sie Privat- und Gewerbekunden nur noch Grünstrom an.

"Kundenanzahl um 18 Prozent gestiegen"

Eine Entscheidung, die sich ausgezahlt habe, wie der heutige Geschäftsführer Björn Michel resümiert. "Unser Stromabsatz ist seit 2010 konstant geblieben, unsere Kundenanzahl um 18 Prozent gestiegen."

Vor zehn Jahren haben die Stadtwerke auch den Grundstein für eine Beschaffungsstrategie gelegt, die bis heute fortdauert. Grüne Herkunftsnachweise zur Deckung seines Stromabsatzes kauft das Unternehmen ausschließlich von Wasserkraftwerken in Baden und im Alpenraum.

TÜV-Nord zertifiziert Ökostrom

Die Richtigkeit der Angaben lässt sich der Versorger seit 2015 jährlich von TÜV-Nord zertifizieren.

Ferner treiben die Stadtwerke lokale Erneuerbaren-Projekte voran. Zusammen mit den Bürgerenergiegenossenschaften Emmendingen und Denzlingen betreiben sie seit 2013 eine Windkraftanlage mit einer Leistung von drei MW.

Projekte vor Ort

Zudem haben sie ein Bürgersolar-Projekt aufgesetzt, um auf den Dächern Emmendingens Photovoltaik-Anlagen zu errichten und betreiben. Mittlerweile sind so zehn Solarkraftwerke zusammengekommen.

Physikalisch decken die Stadtwerke nach eigenen Angaben inzwischen bis zu einem Viertel der eigenen Vertriebsmenge durch lokale Erneuerbaren-Erzeugung ab. Weil die Projekte aber EEG-gefördert sind, erhalten sie dafür keine Herkunftsnachweise.

Vorteile bei Kundenbeziehung

Zu den billigsten Stromanbietern in Südbaden gehören die Stadtwerke Emmendingen nicht. "Vielleicht hätten wir mit Graustrom noch ein paar Gewerbekunden mehr als jetzt", sagt Michel. "Unsere Philosophie aber ist eine andere. Außerdem bringt uns Ökostrom auch in der Kundenbeziehung klare Vorteile."

Geschäftskunden könnten etwa Ökostrom-Zertifikate und -Aufkleber für ihre Läden erhalten und bei der Umstellung Aufmerksamkeit in der Lokalpresse bekommen, führt er aus. Auch die Website ließe sich ganz anders gestalten.

Prämie zum Ökostrom-Jubiläum

Zudem könne man Ökostrom hervorragend mit anderen nachhaltigen Projekten verbinden. Seit 2015 werden beispielsweise alle Kunden der Stadtwerke bei Abschluss eines neuen Vertrags zu Baumpaten. Sie können dabei zur Erhaltung und Pflege der regionalen Wälder selbst ihren Baum anpflanzen.

Anlässlich des Ökostrom-Jubiläums haben die Stadtwerke ferner eine E-Bike-Prämie ins Leben gerufen. Wer einen neuen Vertrag abschließt oder verlängert, erhält beim Kauf eines E-Bikes bei lokalen Händlern eine Prämie in Höhe von 50 Euro. "Damit emotionalisieren wir das Produkt Ökostrom und schaffen für unsere Kunden einen Mehrwert", sagt Michel. "Das stärkt auch unsere Marke als nachhaltiger Energieversorger." (ab)

Einen Artikel über den Trend hin zu Ökostrom finden Sie auch in der kommenden ZfK-Printausgabe, die am Montag, 7. Juni, erscheint. Dabei geht es um Beschaffungsstrategien anderer Stadtwerke wie Augsburg und N-Energie und um die Frage, ob Ökostrom gleich Ökostrom ist. Zum Abo geht's hier.

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