Das Erneuerbaren-Unternehmen Octopus Energy hat in Deutschland einen neuen, flexiblen Tarif gestartet, den "Octopus Energy Fan Club". Zunächst können sich Anwohner rund um zwei Windparks bei Großräschen in Brandenburg und Biebelnheim in Rheinland-Pfalz für den speziellen Stromtarif bewerben. Sie sparen dann Stromkosten, wenn sie ihren Verbrauch in Zeiten verschieben, in denen der Wind stark weht.
"Wir haben die geringeren Stromkosten an die Windgeschwindigkeit gekoppelt, weil dies für die Kunden leichter nachzuvollziehen ist", erklärt Bastian Gierull, Product Director bei Octopus Energy, das Prinzip.
Erreicht der Wind eine bestimmte Mindest-Windgeschwindigkeit, erhalten Mitglieder des Fan Clubs ihren Strom demnach um 20 Prozent günstiger. Wenn besonders starker Wind bläst, zahlen sie nur noch 50 Prozent des Preises pro Kilowattstunde (kWh). Dafür wird ihr Stromverbrauch mit Hilfe eines Smart Meters im 15 Minuten Takt ermittelt, gespeichert und liegt dieser in Zeiten mit starkem Wind, sinken die Stromkosten.
"Wenn die Anwohnerinnen und Anwohner eines Windparks direkt finanziell profitieren, steigt auch die Akzeptanz für solche Projekte", erklärt Gierull. "Außerdem erhoffen wir uns so auch, dass der Einbau von Smart-Metern voranschreitet."
Octopus will Smart Meter verbauen
Denn um am Energy Fan Club teilzunehmen, brauchen Kunden einen intelligenten Stromzähler. Damit ein fehlender Smart Meter nicht zum Ausschlusskriterium für den Fan Club wird, arbeite Octopus Energy daran, möglichst schnell Smart Meter zu verbauen.
Ihre Ersparnisse können Kunden demnach direkt über eine Tech-Plattform einsehen. So soll ein Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 kWh etwa 170 Euro sparen können. Wenn die Mitglieder ihren Verbrauch entsprechend der Windgeschwindigkeiten anpassten, oder besonders flexible Stromabnehmer wie E-Autos nutzen, steige das Einsparpotenzial weiter, auf bis zu 500 Euro, verspricht Octopus.
Optimiertes Stromnutzungsverhalten
"In einem extremen Szenario wäre es sogar möglich, bis zu 2000 Euro im Jahr zu sparen", verrät Gierull. Allerdings müsste der Haushalt dafür ohnehin bereits einen hohen Stromverbrauch haben, eine Wallbox und bestenfalls auch eine Wärmepumpe nutzen und das eigene Stromnutzungsverhalten komplett optimieren. "Ein nicht ganz alltagstaugliches Szenario", wie der Produktverantwortliche zugibt. Mehrere hundert Euro im Jahr seien jedoch realistisch.
In einem ersten Schritt möchte Octopus nun bis zu 50 Kunden in jeweils beiden Regionen aufnehmen, eine Erweiterung um weitere 150 Kunden oder mehr sei denkbar. "Theoretisch gibt es keine Grenze nach oben", erläutert Gierull die Pläne. "Aber wir möchten erst einmal die Erfahrungen abwarten." Zudem sei es derzeit nicht in jedem Haushalt möglich, einen intelligenten Stromzähler zu installieren.
Einstieg in dynamische Tarife
In Großbritannien, dem Markt des Mutterkonzerns, sei der Energy Fan Club bereits erprobt. Befragungen hätten hier gezeigt, dass die Akzeptanz für einen örtlichen Windpark um 80 Prozent gestiegen sei, nachdem Octopus den Fan Club gestartet habe. Auch hätten auf der Insel bereits über die Hälfte der Haushalt intelligente Messgeräte installiert.
Gierull sieht den Energy Fan Club als gutes Einstiegsprodukt für dynamische Tarife. Denn für windarme Zeiten liegt dem ein fester Stromtarif zugrunde, der Kunden eine gewisse Sicherheit bieten soll. Aktuell liegt der Arbeitspreis bei 37 Cent pro kWh.
Beitrag zur Netzstabilität
Gleichzeitig soll der Zusatzaufwand für Octopus begrenzt sein. "Wir werden in Zukunft standardmäßig dynamische Tarife sehen. Der Unterschied ist nur, dass sich unser Produkt an der Windgeschwindigkeit orientiert statt an den Strommarktpreisen." Nicht zuletzt würde der Tarif dadurch auch zur Netzstabilität beitragen, weil Stromkunden ihr Nutzungsverhalten stärker an der Verfügbarkeit von Energie ausrichteten, resümiert Gierull. (jk)



