Wollen E-Auto-Batterien ein zweites Leben geben: die Start-up-Gründer (von links) Afshin Doostdar, Roman Alberti und David Oudsandji.

Wollen E-Auto-Batterien ein zweites Leben geben: die Start-up-Gründer (von links) Afshin Doostdar, Roman Alberti und David Oudsandji.

Bild: Voltfang

Diese Start-up-Geschichte beginnt mit einem Wohnmobil, einer Solaranlage und Studenten, die mehr Strom verbrauchten, als die Bordbatterie hergeben wollte. Sie könnte mit einem virtuellen Kraftwerk enden, bestehend aus alten Elektroautobatterien, die als Speicher erneuerbarer Energie für Heim und Firma dienen: digital miteinander verbunden und flexibel einsetzbar.

Noch ist das nur eine Vision. Zwar haben die Aachener Studenten Afshin Doostdar, Roman Alberti und David Oudsandji, Gründer des Start-ups Voltfang, ein Gründerstipendium des Landes Nordrhein-Westfalen und den Startklar-Wettbewerb im Bereich „Zukunft und Gesellschaft“ gewonnen.

Zweite Chance für E-Autos

Einen ihrer Heim- oder Industriespeicher auf den Markt gebracht haben sie aber noch nicht. Das soll sich dieses Jahr ändern. Profitieren könnten dann auch Stadtwerke.

Die Idee, alten Autobatterien als Energiespeicher eine zweite Chance zu geben, kam den drei bei Ausflügen mit ihrem selbst erworbenen Wohnmobil. Dabei war die Bordbatterie oft schneller leer, als ihnen lieb war.

"Sehr gut als Speicher geeignet"

"Also sind wir auf die Suche nach neuen Speichermöglichkeiten gegangen und haben gemerkt, dass es aktuell keine Speicher gibt, die nachhaltig und preiswert zugleich sind", erzählt Voltfang-Mitgründer Doostdar.

"Da ist uns die Idee gekommen, es doch mit alten E-Auto-Batterien zu versuchen. Diese werden aktuell noch überwiegend verbrannt und sind dementsprechend billig zu haben. Dabei sind viele von ihnen noch sehr gut als Speicher geeignet."

Option für Post-EEG-Anlagen

Das Start-up arbeitet aktuell an zwei Varianten. Da gibt es den Voltfang Home, einen Speicher für das Zuhause. Seine Speicherkapazität soll zehn bis 30 Kilowatt pro Stunde (kWh) betragen, seine Leistung drei bis neun Kilowatt (kW). Verbaut sind Batteriemodule der Elektroautos Tesla Model S und BMW i3.

Der Speicher soll für alle Photovoltaik-Anlagen geeignet sein. Voltfang hofft insbesondere auf Betreiber, die keine EEG-Vergütung mehr erhalten und deshalb nun auf Eigenverbrauch umstellen wollen.

Speicher für Industriebetriebe

Ein erster Test läuft bereits. Weitere Pilotprojekte sind allerdings erst für das vierte Quartal 2021 vorgesehen, die Serienproduktion noch später.

Früher soll ein Speicher für Industriebetriebe und Mehrfamilienhäuser, Voltfang Industrial genannt, auf den Markt kommen. Seine Speicherkapazität soll bis zu 300 kWh, seine Leistung bis zu 75 kW betragen.

Lastspitze kappen

Ein Pilotprojekt ist für das erste Quartal 2021 geplant. Für den Mai ist dann der Start der Serienproduktion vorgesehen. Bis Ende des Jahres will das Start-up bis zu 30 Gewerbespeicher installiert haben.

"Der Voltfang Industrial ist nicht nur für Kunden mit PV-Anlage interessant", sagt Doostdar. "Zum einen können Betriebe mit ihm die Lastspitze kappen, zum anderen garantiert der Speicher eine Notstromversorgung."

Heimspeicher für 7000 Euro

Hirn der Speicher ist das Batteriemanagement-System, das Informationen etwa über Spannung und Temperatur in Batterien erfasst und an den eigens eingebauten Wechselrichter weitergibt. "Nach Bedarf kann es dann die Ladekurven anpassen", erklärt Doostdar.

Der Heimspeicher soll mit Montage und Installation 7000 Euro kosten, also etwas weniger als etwa das Tesla-Konkurrenzprodukt Powerwall. Der Preis für den Industriespeicher ist noch offen. Nach Angaben des Start-ups könnte sich der Gewerbespeicher bei der Kappung hoher Lastspitzen schon nach zwei, der Hausspeicher ohne staatliche Förderung nach zwölf Jahren amortisieren.

Kooperation mit Stadtwerken

Voltfang kann sich Kooperationen mit Stadtwerken sehr gut vorstellen. "Unsere Speicher könnten Teil eines Vertriebsmodells werden — oder auch Teil von Quartierspeicherprojekten", sagt Doostdar. "Wir befinden uns bereits mit ersten Stadtwerken in Gesprächen."

Speicher vernetzen

Das Start-up hat aber noch ganz andere Ziele. "Langfristig wollen wir alle unsere Speicher vernetzen", erläutert Doostdar. "Das bietet sich auch an, weil wir Gewerbe- und Hausspeicher im Feld haben, die unterschiedliche Lastenprofile haben." (ab)

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