Schleswig-Holstein bietet aufgrund der hohen Windhöffigkeit gute Bedingungen für die Windenergie.

Schleswig-Holstein bietet aufgrund der hohen Windhöffigkeit gute Bedingungen für die Windenergie.

Bild: © SH Netz

Für mehrere Tausend Windräder in Deutschland steht der weitere Betrieb in den nächsten Jahren auf der Kippe. Bislang gingen die meisten Experten davon aus, dass bis 2023 bis zu 14.000 MW installierte Leistung wegfallen können, weil die alten Windkraftanlagen nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben sind sobald sie aus der EEG-Vergütung fallen. Das wäre immerhin ein Viertel der gegenwärtig installierten Windenergie-Leistung an Land.

Sie könnte nicht vollständig ersetzt werden: Viele der Standorte der alten Windräder sind heute nicht mehr genehmigungsfähig, weil sich gesetzliche Regelungen verändert haben, etwa der erforderliche Abstand zur Wohnbebauung. Die vorgesehenen Ausbau-Korridore für die Windkraft an Land sind ohnehin schmal, die Genehmigungen für neue Anlagen sinken stark. Der Windenergie an Land droht ein Rückgang, ihr Beitrag zur Energiewende könnte schrumpfen.

Kohleausstieg wird zum Preistreiber

Doch nun kommt Rückenwind vom Markt. "Der Strompreis ist kräftig gestiegen und damit gibt es auch einen stärkeren Anreiz vom Markt, die Anlagen weiter zu betreiben", sagt Fabian Huneke von der Fachberatung Energy Brainpool. Mit einem Erlös von 3,5 Cent je kWh könnten nach seiner Einschätzung viele der alten Windkraftwerke am Markt bleiben. Aktuell liegt der Börsenpreis für Strom bei 4,5 Cent je kWh, also ein gutes Stück darüber. Das ist vor allem auf einen höheren CO2-Preis zurückzuführen.

Für die nächsten Jahre lässt sich der Strompreis nicht vorhersagen, doch der geplante Ausstieg aus der Kohleverstromung dürfte eher preistreibend wirken. Zudem können größere Windanlagenbetreiber ihre Erträge über Finanzinstrumente absichern oder den Strom per Direktvertrieb zu festen Preisen vermarkten, um ihre Erlöse zuverlässig planen zu können und nicht vollständig von den Schwankungen des Strompreises abhängig zu sein.

Geschäft ist vom Standort abhängig

Andere Experten sind skeptisch. Um eine alte Anlage weiter zu betreiben, müsse der Betreiber zunächst einmal per Gutachten die Betriebs- und Standsicherheit nachweisen, sagt Jürgen Quentin von der Fachagentur Windenergie an Land. Das koste erst einmal mehr als 10.000 Euro und sei eine Hürde. Und dann komme es sehr auf den Standort an: "Mit 3,5 Cent je kWh kann ein guter Standort an der Küste klarkommen, aber tiefer im Binnenland sieht das vielleicht ganz anders aus."

Für die Stromkunden ist es wichtig, ob die alten Anlagen in Betrieb bleiben oder aus dem Markt gehen. Neue Windräder mit der gleichen Leistung benötigten zur Produktion der gleichen Strommengen bis zu 1,7 Mrd. Euro zusätzliche Erlöse, hat der Düsseldorfer Öko-Stromanbieter Naturstrom ausgerechnet. "Jedes alte Windrad, das ab 2021 ohne technische Notwendigkeit stillgelegt wird, führt zu vermeidbaren Kosten für die Allgemeinheit", sagt Vorstand Oliver Hummel. "Denn es erhöht den Investitionsbedarf in neue Anlagen."

Neuanlagen gehen auf das Konto des Verbrauchers

Alte Anlagen sind bezahlt und abgeschrieben, sie produzieren günstigen Strom. Die neuen Anlagen würden teils über das EEG finanziert und müssten zwangsläufig den ohnehin sehr hohen Strompreis in Deutschland weiter in die Höhe treiben. Der Betrag von 1,7 Mrd. Euro beschreibt allerdings die schlechteste Variante. In der Realität wird es weniger sein.

Ohne Antwort ist auch noch die Frage, wie mehrere Tausend Windräder in Deutschland zurückgebaut und umweltgerecht entsorgt werden können. Damit beschäftigen sich einige Entsorgungs- und Recyclingfirmen, aber eine optimale Lösung ist noch nicht in Sicht. Während heute die Ingenieure bei der Konstruktion einer Anlage auch den Abbau und das Recycling gleich mitbedenken, war das vor 20 Jahren noch nicht Standard. So gibt es nun etliche Probleme beim Rückbau, von den Rotorblättern aus widerstandsfähigen Kunststoffen bis tief in den Boden, wo massive Stahlbaufundamente liegen. (ls/dpa)

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