Von Strom über Gas bis CO2: So gut wie alle wichtigen Indikatoren an den Energiemärkten haben im Juni ihren Aufwärtstrend fortgesetzt.
Laut ZfK-Datenraum stieg der Frontmonatskontrakt Strom im Vergleich zum Monatsbeginn um mehr als ein Fünftel auf 85,16 Euro pro MWh. Beim Frontjahreskontrakt betrug das Plus elf Prozent (72,20 Euro pro MWh).
Bullisher Gasmarkt
Deutlich steiler ging es am Spotmarkt nach oben: nämlich um mehr als ein Drittel auf 92,28 Euro pro MWh.
Ein ähnliches Bild am Gasmarkt. Am Spotmarkt stiegen die Preise um ein Drittel auf 34,67 Euro pro MWh (NCG-Gebiet).
Gründe für Rallye
Stützend wirkten dabei CO2-Preise, die nach kurzer Erholungspause in der ersten Monatshälfte auf einen Tageswert von 56,78 Euro pro Tonne galoppierten und Anfang Juli mit mehr als 58 Euro pro Tonne einen neuen Allzeitrekord aufstellten.
Was treibt die Rallye? Nicht unbedingt deutlich mehr Stromnachfrage im Hier und Jetzt, wie eine neue Analyse der Beratung Team Consult suggeriert. Demnach stagniert der Stromverbrauch auf Vorkrisenniveau. Der anhaltende Wirtschaftsaufschwung könnte den Verbrauch allerdings über das Niveau der Vorjahre heben.
Schwache Erneuerbaren-Performance
Die wirtschaftliche Stimmung aber ist insgesamt gut. So liegen die Indikatoren des Ifo-Indexes seit Ende des ersten Quartals 2021 über dem Vorkrisenniveau, wie Grafiken der Beratung zeigen. Vor allem der Metallsektor zeigt einen deutlichen Anstieg. Die Erholung im Automobilbereich dagegen schwächt sich ab.
Wesentlich dürfte zudem die vergleichsweise schwache Performance erneuerbarer Energien zur Hochpreisphase beitragen. Auch im Juni machten Wind, Sonne und Co. weniger als 50 Prozent der Nettostromerzeugung in Deutschland aus, wie Daten der Fraunhofer-Plattform Energy Charts zeigen.
Effekte des langen Winters
Deutlich mehr als im Vorjahr trugen dagegen Kohlekraftwerke zum Strommix bei. Waren es im vergangenen Jahr noch weniger als 21 Prozent, ermittelte die Plattform für für diesen Juni einen Anteil von 27,5 Prozent. Das wiederum verlieh den CO2-Preisen und den Strompreisen insgesamt eine bullishe Note.
Der Gasmarkt wiederum hat noch immer mit den Auswirkungen eines langen, kalten Winters zu kämpfen. Die deutschen Gasspeicher waren Ende Juni zu lediglich 40 Prozent gefüllt. Zudem wirken auch hier die hohen CO2-Preise bullish.
Gesamtverbrauch an Gas dürfte steigen
Team Consult geht davon aus, dass die anziehende Konjunktur die Commodity-Preise – darunter auch die Gaspreise – weiter unter Druck setzen wird, dass auch der Gesamtverbrauch an Gas gegenüber den Jahren 2017 bis 2019 um 25 bis 35 TWh/Jahr steigen könnte.
Sollten die Erneuerbaren nicht ein fulminantes Comeback hinlegen, dürften damit auch die Strompreise am Großhandel auf hohem Niveau bleiben und der Aufwärtstrend im zweiten Halbjahr womöglich andauern. (ab)
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