Steuern, Abgaben und Umlagen machen über 50 Prozent der Stromkosten aus.

Steuern, Abgaben und Umlagen machen über 50 Prozent der Stromkosten aus.

Bild: © Uwe Schlick/pixelio.de

Für "viele" Haushalte in Deutschland wird der Strom im neuen Jahr "deutlich" teurer, schreibt die Deutsche Presse-Agentur am Montag unter Berufung auf das Preisvergleichsportal Verivox. Die DPA meint damit die Grundversorgung, den Pflichttarif der lokalen Marktführer. Um durchschnittlich vier bis fünf Prozent steigen diese Tarife. Ein Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4000 kWh zahlt dann nach Berechnungen von Verivox rund 55 Euro mehr im Jahr. Wie meistens zieht das Portal dabei einen recht üppigen Verbrauch oberhalb des Durchschnitts heran. So sieht der Einsparbetrag stattlicher aus.

Die Versorger begründen die Preiserhöhungen mit ihren gestiegenen Beschaffungskosten: Diese seien in den vergangenen zwei Jahren um mehr als die Hälfte gestiegen, teilte der Branchenverband BDEW mit. Auch der Anstieg der Preise für CO2-Emissionszertifikate wirke kostentreibend. Kleinere Entlastungen bei anderen Bestandteilen des Strompreises – etwa bei der EEG-Umlage – könnten den Anstieg nicht ausgleichen.

DPA übernimmt Zahlen der Portale unkritisch

Kurz vor Ende der gesetzlichen sechswöchigen Ankündigungsfrist für Verteuerungen in der Grundversorgung, die am 1. Januar in Kraft treten sollen, verzeichnete Verivox 218 Grundversorger mit Preiserhöhungen im Dezember und zum 1. Januar. Ähnlich sieht das Portal Check24 die Situation: 160 lokale Marktführer hätten ihre Preise bereits erhöht oder Erhöhungen angekündigt. "Erfahrungsgemäß kommen in den nächsten Wochen noch weitere Versorger dazu", sagte der für Energie zuständige Check24-Geschäftsführer Oliver Bohr. Besonders viele Preiserhöhungen sind laut Verivox bisher in Baden-Württemberg und Hessen angekündigt worden.

Worauf weder Verivox – aus Vertriebsinteresse – noch DPA noch die meisten sie übernehmenden Publikumsmedien – aus unerfindlichen Gründen – eingehen: Bei 1100 Grundversorgern sind 218, die die Tarife erhöhen, ein Anteil von nicht mal 20 Prozent. Verivox und Check24 mussten sogar die Erhöhungen an mehreren Monatsersten zusammenkratzen, um überhaupt auf ihre Zahlen zu kommen.

Stabile Grundversorgung bei Eon und Innogy

Nun könnte man argumentieren, die Zahl der Grundversorger führe bei dem Thema ebenfalls in die Irre, weil dann ein Kleinstversorger mit 1000 Kunden genauso viel zählt wie die Schwergewichte mit Millionen Kunden. Nur: Bei den beiden größten Stromversorgern – Eon und der Noch-RWE-Tochter Innogy – bleibt die Grundversorgung zum Jahreswechsel stabil, sagten Sprecher beider Unternehmen der DPA. Wie lange dies gilt, ist noch nicht entschieden. "Wir beobachten die Entwicklung", sagte ein Sprecher von Eon. Zusammen haben die Essener Konzerne rund zehn Millionen Strom- und Gaskunden in Deutschland. Eon plant im Zuge eines großangelegten Tauschs mit RWE, die Innogy-Kunden zu übernehmen.

Verbraucherschützer kritisieren die Begründung des BDEW und der Minderheit der bisher sich verteuernden Versorger. "Als vor einigen Jahren die Börsenpreise gesunken sind, haben die Versorger auf ihre langfristigen Verträge verwiesen und die Einsparungen nicht an ihre Kunden weitergegeben", sagte der Energiereferent der Verbraucherzentrale NRW, Udo Sieverding. "Jetzt sind sie bei steigenden Börsenpreisen schnell mit Preiserhöhungen dabei."

Nur noch 28 Prozent im Pflichttarif

Die Bundesnetzagentur beziffert den Anteil der Beschaffungskosten am Strompreis auf etwa 22 Prozent. Mehr als die Hälfte entfallen auf Umlagen, Steuern und Abgaben (die am 1. Januar insgesamt sinken), knapp ein Viertel auf die Netzentgelte. Für den Stichtag 1. April diesen Jahres hat die Behörde einen durchschnittlichen Strompreis über alle Vertragsarten von 29,88 Cent je kWh ermittelt. Auf diesem Niveau bewegt sich der Preis seit 2016.

Einen Vertrag in der klassischen Grundversorgung mit zumeist relativ hohen Preisen haben nach neuen Zahlen der Bundesnetzagentur noch knapp 28 Prozent der Haushalte. Eine Umstellung des Vertrages lohne sich für viele, betont der Regulierer, quasi, seit es ihn gibt. Ein durchschnittlicher Haushaltskunde habe zuletzt durch einen Lieferantenwechsel 68 Euro im Jahr sparen können. (dpa/geo)

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