Freileitungsmast im Höchstspannungsnetz.

Freileitungsmast im Höchstspannungsnetz.

Bild © TransnetBW

Um Kosten und CO2-Emissionen zu senken, sollten Menschen in Baden-Württemberg am Freitag von 8.00 bis 11.00 Uhr möglichst wenig Strom verbrauchen. Die Transportkapazitäten der Stromleitungen aus dem Norden Deutschlands in den Südwesten seien zu stark ausgelastet, informierte der Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW in Stuttgart über die App "StromGedacht". Um das Netz zu stabilisieren, würden große Strommengen aus konventionellen Kraftwerken und dem Ausland gebraucht. 

"Durch deine Mithilfe können die hohen Kosten dieser Maßnahmen für die Allgemeinheit gesenkt und CO2-Emissionen eingespart werden", hieß es weiter. Stromabschaltungen seien nicht zu befürchten. "TransnetBW muss jedoch mehr als gewöhnlich dafür tun, das Netz stabil zu halten."

Fehlende Leitungen

Zahlen der Plattform "Energy-Charts" zeigen, dass am Freitagmorgen mehr als die Hälfte der Stromerzeugung aus Windkraftanlagen kam. Bei einer Last von rund 58 Gigawatt um acht Uhr morgens kamen allein rund 32 Gigawatt aus Windkraftanlagen an Land. Weitere zwei Gigawatt entfielen auf Windanlagen auf See.

Das Problem: Ein Großteil dieser Anlagen steht im Norden und in der Mitte Deutschlands. Für den Transport dieser Strommengen in den Süden und Südwesten fehlen derzeit noch die nötigen Übertragungsnetze. In Zeiten hoher Wind- und geringer Solarstromproduktion müssen daher im Norden Windanlagen abgeregelt und im Süden konventionelle Kraftwerke angeschaltet werden. Da vor allem Kohlekraftwerke viel CO2 freisetzen, treibt das die klimaschädlichen Emissionen hoch.

Eine Alternative sind Stromimporte aus dem Ausland. Größter Stromexporteur nach Deutschland war im abgelaufenen Jahr 2024 das Kernkraft-Land Frankreich. Allerdings ist importierter Strom in der Regel teurer als heimisch erzeugter, erneuerbarer Strom.

Stromverbrauch verschieben

Mithilfe von "StromGedacht" versucht der Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW daher das Verbrauchsverhalten im Südwesten an Ungleichgewichte im Netz anzupassen. Es war nicht der erste Aufruf über die App. Haushaltsgeräte, die viel Strom benötigen, sollten in den genannten Zeiträumen nach Möglichkeit nicht genutzt werden. Das seien zum Beispiel Wasch- und Spülmaschinen, Herde, Backöfen, Trockner, Elektroheizungen und Staubsauger. Auch sollte man in dieser Zeit Elektrofahrzeuge oder Akkus etwa von Laptops nicht laden, wenn sich das vermeiden lasse. Stattdessen sollten solche Geräte über den Akku versorgt werden, um das Stromnetz zu entlasten, hieß es.

Die App "StromGedacht" soll dazu anregen, planbaren Stromverbrauch in Phasen zu verschieben, in denen genug Strom zur Verfügung steht und keine Ausgleichsmaßnahmen (sogenannter Redispatch) nötig sind. Nach früheren Angaben machen Privathaushalte rund ein Viertel des Stromverbrauchs aus. Privatpersonen könnten daher einen wichtigen Beitrag zur Entlastung des Stromnetzes leisten, indem sie Strom sparen oder den Verbrauch verschieben. (jk mit dpa)

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