Südeuropa ächzt – unter Waldbränden, hohen Temperaturen und schwindelerregenden Strompreisen. In Spanien jagt diese Woche auf dem Strommarkt ein Rekord den anderen.
Diesen Mittwoch kostete eine Megawattstunde im Schnitt 113,99 Euro. Angesichts Temperaturen von mehr als 40 Grad Celsius dürfte der Preis in den nächsten Tagen weiter steigen.
Höchstwerte auch in Deutschland
Ein ähnliches Bild in Frankreich. An der Kurzfristbörse Epex Spot lag der Day-Ahead Base Mittwochmittag bei knapp 105 Euro pro MWh. Auch das ein Rekordwert, zumindest für dieses Jahr.
In Deutschland schießen die Strompreise ebenfalls nach oben. Mittwochmittag notierte der Day-Ahead bei 106,54 Euro pro MWh – nahe dem Höchstwert in diesem Jahr.
Bullisher Terminmarkt
Dies schlägt sich auch auf dem Terminmarkt nieder. Dort klettern die Preise ohnehin seit Wochen immer höher.
An der Energiebörse EEX kostete eine Megawattstunde Strom am Dienstag im Frontjahreskontrakt 80,49 Euro, im Frontmonatskontrakt sogar 94,90 Euro. (Hier finden Sie mehr Daten dazu.)
Hohe Kohle- und CO2-Preise
Es scheint sich ein Sturm zusammengebraut zu haben über Europas Energiemärkten. Preistreibend wirken nicht nur ein weltweiter Konjunkturschub sowie hohe Kohlepreise, sondern auch CO2-Preise, die zumindest Anfang dieser Woche auf die 60 Euro zusteuerten.
Aufgrund der heißen Temperaturen insbesondere in Südeuropa steigt zudem die Stromnachfrage. Weil gleichzeitig auch diesen August der Windoutput gering bleibt und Photovoltaik nicht überperformt, kommt kaum Entlastung von erneuerbaren Energien.
Nachwehen eines kalten Winters
Vor allem in Ländern wie Spanien, aber auch in Deutschland muss in solchen Fällen Gas als Stromerzeuger einspringen. Allerdings bewegen sich zurzeit auch die Gaspreise auf extrem hohem Niveau. Im Marktgebiet NCG notierte am Mittwoch eine Megawattstunde im Day-Ahead bei 45,67 Euro.
Grund dafür ist ein langer, kalter Winter in Europa. Gasspeicher hierzulande füllen sich seitdem nur langsam. In Deutschland sind die Speicher aktuell zu etwa 53 Prozent gefüllt.
Hoher LNG-Bedarf in Asien
Ein ungebrochen hoher LNG-Bedarf in Asien treibt die Gaspreise zusätzlich und verknappt das Angebot von Flüssigerdgas in Europa.
Erschwerend kommt hinzu, dass es vor einigen Tagen in einer Verarbeitungsanlage nahe der westsibirischen Stadt Nowy Urengoi zu einem Brand kam und der russische Energiekonzern Gazprom daraufhin den Gasexport nach Europa reduzierte.
Niedrigerer Gasfluss aus Russland
Die Anlage wurde nach Aussage des Konzerns zwar wieder in Betrieb genommen. Allerdings fiel der Gasfluss über die Jamal-Leitung zunächst niedriger aus.
Auch deshalb ist eine Entspannung am Gas- und wohl ebenso am Strommarkt in den nächsten Tagen kaum zu erwarten. (aba)



