Einen Aufruhr in der Wählerschaft muss Präsident Emmanuel Macron trotz extrem hoher Großhandelspreise erst einmal nicht fürchten. Die Strompreise für Endkunden wurden für dieses Jahr gedeckelt. Leidtragender der Situation ist zurzeit vor allem einer: der Energiekonzern EDF.

Einen Aufruhr in der Wählerschaft muss Präsident Emmanuel Macron trotz extrem hoher Großhandelspreise erst einmal nicht fürchten. Die Strompreise für Endkunden wurden für dieses Jahr gedeckelt. Leidtragender der Situation ist zurzeit vor allem einer: der Energiekonzern EDF.

Bild: © Francois Mori/Pool AP/dpa

Es war eine extrem teure Woche am französischen Strommarkt – und womöglich ein Vorgeschmack darauf, was dem großen Nachbarn Deutschlands im kommenden Winter blühen wird.

Am Montag sauste der Strompreis am Spotmarkt zwischen 8 und 9 Uhr auf schwindelerregende 2988 Euro pro MWh. Da hatte eine Kältewelle das Land ergriffen. Und weil viele Franzosen elektrisch heizen und Energieriese EDF zudem derzeit selbst deutlich weniger produziert als geplant, musste das Land erhebliche Mengen zukaufen – fast nach dem Motto, koste es, was es wolle.

Probleme mit Atommeilern

Noch immer ist Frankreich in hohem Maße abhängig von seinen 56 Atommeilern. Auch dieses Jahr waren sie nach Angaben der Fraunhofer-Plattform Energy-Charts für gut zwei Drittel des im Land erzeugten Stroms verantwortlich. Zum Vergleich: Die drei deutschen Atomkraftwerke trugen im selben Zeitraum lediglich sechs Prozent zum Strommix hierzulande bei.

Das Problem in Frankreich: Wegen Wartungs- und Reparaturarbeiten produziert fast die Hälfte der Kraftwerke zurzeit gar keinen Strom. In der Folge dürften insbesondere deutsche Kohlekraftwerke in Westdeutschland eingesprungen sein, um die Lücke zu füllen.

Deutschland produziert Strom für Frankreich

Bemerkenswert auch: Trotz Abschaltung dreier Kernkraftwerke Ende 2021 hat Deutschland in diesem Jahr bislang seine Stellung als Nettostromexporteur nach Frankreich ausgebaut. Stand Freitagmittag lieferte die Bundesrepublik gut 6,5 TWh Strom mehr ins Nachbarland als umgekehrt. Im gesamten vergangenen Jahr waren es insgesamt knapp 6,5 TWh.

Die Zahlen spiegeln nicht physikalische Stromflüsse wider, sondern den geplanten Stromhandel, wie ihn Energy-Charts ausweist.

Droht Frankreich Winter-"Desaster"?

Mit einem durchschnittlichen Day-Ahead-Börsenstrompreis von 328 Euro pro MWh war Frankreich diese Woche bislang das teuerste Strompreisland Europas. Mit einem Durchschnittspreis von 107 Euro pro MWh lag Deutschland deutlich darunter. Üppige Windstromerträge hierzulande dürften im Wesentlichen den Unterschied gemacht haben.

Bleibt die Frage, wie lange Atommeilersorgen Frankreich noch quälen. Vom Branchendienst Montel befragte Analysten glauben, dass EDF dieses Jahr deutlich weniger Strom produziert als bislang kundgetan. Sie sehen das Land im kommenden Winter mit einem "Desaster" konfrontiert. Sie fürchten sogar, dass Frankreich zu Unterbrechungen der Stromversorgung greifen müsse, sollte es seinen Verbrauch nicht erheblich verringern können.

Sorgen um Erdgas

Die Probleme könnten sich verschärfen, wenn wegen eines Stopps russicher Lieferungen auch noch Gas knapp würde. Dieses Jahr hatte Erdgas bislang einen Anteil von zehn Prozent am französischen Strommix und damit in etwa so viel wie in Deutschland.

Sollte auch noch diese Quelle versiegen, dürfte es sehr eng werden. Die Auswirkungen wären dann sicherlich auch am deutschen Strommarkt zu spüren. (aba)

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