Seit Wochen scheinen die Preise am Strommarkt nur eine Richtung zu kennen: nach oben.

Seit Wochen scheinen die Preise am Strommarkt nur eine Richtung zu kennen: nach oben.

Bild: © Bernd Weißbrod/dpa

Strompreise auf Rekordniveau und einbrechende Handelsliquidität versetzen deutsche Unternehmen immer mehr in Alarmstimmung.

Die seit Monaten steigenden Preise nähmen mittlerweile "existenzgefährdende Ausmaße" an, warnt Volker Stuke, Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband der Energie-Abnehmer (VEA) in einer Presseaussendung. "Was momentan auf den hiesigen Energiemärkten stattfindet, erschlägt den Mittelstand förmlich."

Preissteigerungen von 62 Prozent

Im Durchschnitt seien die Preise seit Januar 2021 um 61,7 Prozent gestiegen, heißt es in der Mitteilung.

Maßgebliche Ursache dafür sei die Preisentwicklung im Großhandel. Die Netzentgelte und die Umlagen seien dagegen rückläufig gewesen oder hätten sich kaum verändert.

Strom-Frontjahr bei fast 370 Euro pro MWh

Vergangene Woche notierte der Base-Kontrakt für das Lieferjahr 2023 zwischendurch bei 369 Euro pro MWh, wie Zahlen des ZfK-Datenraums zeigen.

Auch am Dienstag wurde das Standardprodukt an der Energiebörse EEX für mehr als 360 Euro pro MWh gehandelt. Früher waren 30 bis 60 Euro pro MWh üblich gewesen.

Gasverstromung bei 15 Prozent

Preisstützend wirkte der bislang vergleichsweise schwache Erneuerbaren-Output in dieser Woche. Insbesondere die Windkraft steuerte mit elf Prozent nur wenig zum deutschen Strommix (Stand 12. Juli, 14.26 Uhr, Energy-Charts). Die Solarenergie dagegen erreichte starke 20 Prozent.

Braunkohle führte mit 24 Prozent das Ranking an. Erdgas trug 15 Prozent zum Strommix bei, Steinkohle zwölf Prozent. Beide Energieträger treiben wegen außerordentlich hoher Brennstoffkosten die Strompreise nach oben.

Reduziertes Angebot

Der VEA klagt, dass viele Lieferanten das Neukundengeschäft stark eingeschränkt und einige sogar komplett eingestellt hätten. "Dies führt dazu, dass Unternehmen nur sehr schwer Lieferangebote erhalten. Dies gilt auch, wenn die Kunden die mit einem Neuabschluss verbundenen massiven Preiserhöhungen akzeptieren."

Zudem müssten sich die Unternehmen auf deutlich schlechtere Vertragsbedingungen einstellen. Dazu gehörten beispielsweise das Zahlen per Vorkasse bei schlechter Bonität des Kunden und sehr geringe Mengentoleranzen.

Handelsvolumina stark rückläufig

Wie angespannt der Markt zurzeit ist, zeigen auch frische Juni-Zahlen des Energiebroker-Verbands Leba. Demnach brachen die Handelsvolumina im außerbörslichen deutschen Strommarkt im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast 60 Prozent ein.

Die EEX verzeichnete im selben Zeitraum im Terminhandel einen Rückgang von knapp einem Viertel. Im Juni waren die Strompreise im Großhandel insbesondere infolge von neuen Turbulenzen am Gasmarkt stark gestiegen.

VEA sieht Politik am Zug

Stuke sieht die Politik gefordert. Schaffe sie es jetzt nicht, die Märkte zu stabilisieren, sei der Wirtschaftsstandort Deutschland in Gefahr.

Es sei nicht zielführend, die Unternehmen mit Bürokratie zu überschütten, durch die sie sich durchkämpfen müssen, um Beihilfen zu erhalten. "Als sinnvoller erachten wir intelligente Lösungen, die bereits auf dem Weg zur Abrechnung ermöglichen, dass die Stromaufwendungen für das produzierende Gewerbe günstiger abgerechnet werden können." (aba)

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