Verbraucher sparen bei Verträgen mit Bonuszahlung nur im ersten Jahr. Die Einsparungen sind aber überschaubar und liegen im Schnitt bei 44 Euro. Das belegt eine aktuelle Untersuchung des Marktwächters Energie der Verbraucherzentralen. Gemäß dieser waren die untersuchten Tarife ab dem zweiten Jahr fast immer teurer als verbraucherfreundliche Vergleichstarife – meist sogar im Vergleich zur Grundversorgung. Zudem bekomme nicht jeder Kunde den Bonus, teilweise ist die Auszahlung an bestimmte Bedingungen geknüpft. Unterm Strich wiegt die bonusbedingte Ersparnis im ersten Vertragsjahr die Mehrkosten im zweiten Vertragsjahr nicht auf, heißt es in der Pressemitteilung.
Die Berechnung der tatsächlichen Ersparnis gestaltete sich dabei laut den Verbraucherschützern schwierig. Beispielsweise würden Boni manchmal verbrauchsabhängig berechnet und manchmal nicht. Dies sei auf den Vergleichsportalen aber oft nicht auf den ersten Blick erkennbar. "Um mehr Preistransparenz für Verbraucher zu schaffen, sollten Vergleichsportale den Bonus bei der Ermittlung des Gesamtpreises nicht berücksichtigen“, fordert Philipp von Bremen, Geschäftsbereichsleiter Verbraucherpolitik beim Verbraucherzentrale Bundesverband. Sämtliche Informationen über den Bonus sollten deshalb in einem einzigen, druckfähigen Dokument enthalten sein, das sich Verbraucher herunterladen könnten.
Sofortboni sicherer als Neukundenboni
Besondere Fallstricke lauerten auch bei der Auszahlung der Boni. Im Frühwarnnetzwerk des Marktwächters Energie sollen Fälle eingegangen sein, bei denen die Stromanbieter die Boni erst nach Aufforderung durch den Kunden zahlten. Einige Anbieter schließen die Auszahlung in bestimmten Fällen aus, beispielsweise wenn der Kunde umzieht, selbst dann, wenn er den Vertrag am neuen Wohnort fortführt. Auch diese Information sei manchmal nur im Kleingedruckten zu finden, heißt es. Das Fazit der Untersuchung: Sofortboni sind sicherer als Neukundenboni. Denn Letztere würden später ausgezahlt – manchmal erst nach Ende der Vertragslaufzeit.
Finanztip: Nur Tarife ohne Bonus vergleichen
Der Verbraucher-Ratgeber Finanztip teilt diese Einschätzung und hat nach eigenen Angaben bereits 2018 vor Bonus-Tarifen gewarnt. Damit Kunden nicht in die Bonusfalle tappen, empfiehlt Ines Rutschmann, Energieexpertin des Finanztips,Tarife immer ohne Boni zu vergleichen. "Wer auf Vergleichsportalen nach einem günstigen Stromtarif sucht, sollte aufpassen“, sagt Rutschmann. Viele Vergleichsportale seien so voreingestellt, dass Boni in die angezeigten Preise mit eingerechnet seien. Das mache einen objektiven Vergleich schwierig. "Diese Voreinstellung lässt sich aber in der Konfiguration meist mit einem Klick ausschalten", sagt Rutschmann. (hoe)


