Mehr Flexibilisierung könnte die zahlreichen Herausforderungen im künftigen Energiesystem lösen, wie eine aktuelle Studie aufzeigt. (Symbolbild)

Mehr Flexibilisierung könnte die zahlreichen Herausforderungen im künftigen Energiesystem lösen, wie eine aktuelle Studie aufzeigt. (Symbolbild)

Bild: © yaly/AdobeStock (KI-generiert)

Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien führt zu immer größeren Schwankungen. Gleichzeitig soll nach den Plänen der Bundesregierung das letzte Kohlekraftwerk in Deutschland spätestens 2038 vom Netz gehen. Mit dem Wegfall dieser Reserve steigt die Wahrscheinlichkeit von Netzengpässen. 

Die Task Force "Flexibilisierung des Energiesystems (EnerFlex)" der Energietechnischen Gesellschaft im Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik VDE (VDE ETG) hat deshalb in einer gleichnamigen Studie untersucht, wie das Stromversorgungssystem besser auf dieses Szenario vorbereitet werden kann.

"Eine vielversprechende Lösung für das elektrische Energieversorgungssystem ist eine stärkere Flexibilisierung des Verbrauchs, aber auch der Erzeugung sowie der Einsatz von Speichern", erklärt Martin Wolter von der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg und Leiter der Task Force.

130 GW bis 2030

Die Expertinnen und Experten kommen demnach zu dem Schluss, dass durch mehr Flexibilisierung den zahlreichen aktuellen Herausforderungen für das Energiesystem effizient begegnet werden kann. Dazu hat die Task Force zunächst abgeschätzt, wie groß das Potenzial für mehr Flexibilität ist.

Dieses ergibt sich zum einen auf der Erzeugungsseite durch den Ausbau der erneuerbaren Energien. Demnach wird erwartet, dass die flexibel einsetzbare Erzeugungsleistung bis zum Jahr 2030 von 110 GW auf 130 GW steigt.

Ausbau von Batteriespeichern

Allerdings mit dem Nachteil, dass die Stromerzeugung häufiger als heute nur dann beeinflusst werden kann, wenn zu viel produziert wird. Dann wird abgeregelt, denn Sonne oder Wind lassen sich nicht beliebig an- und ausschalten wie ein konventionelles Kraftwerk.

Zum anderen steigt das Flexibilitätspotential auch bei den Verbrauchern. Hier wird mit einem Zuwachs von knapp 30 GW Flexibilität gerechnet, der im Wesentlichen durch die Netzintegration von Elektroautos, Power-to-Heat- (zum Beispiel Wärmepumpen) und Power-to-Gas-Einrichtungen entsteht. Zusätzlich wird bis 2030 ein massiver Ausbau von Batteriespeichern vor allem im Heimbereich erwartet.

Hemmnisse beim Netzengelt

Dabei sei jedoch zu beachten, dass Flexibilität eine knappe Ressource sei, die koordiniert werden müsse und Geld koste. Die VDE ETG Task Force hat daher eine Heatmap erstellt, um den volkswirtschaftlich sinnvollsten Einsatz von Flexibilität je nach Nutzungszweck zu bestimmen. Besonders intensiv hat sich die Task Force mit der Frage beschäftigt, inwieweit der regulatorische Rahmen angepasst werden muss.

Insbesondere die Schaffung von Steuerbarkeit und Beobachtbarkeit, die Standardisierung kommunikationstechnischer Schnittstellen sowie der Rollout intelligenter Messsysteme sind demnach hier von zentraler Bedeutung. Darüber hinaus können Hemmnisse in der Netzentgelt- und Umlagesystematik abgebaut werden, die sich beispielsweise aus zu starren oder nicht mehr zeitgemäßen Vorgaben in § 19 Abs. 2 StromNEV ergeben. (jk)

Die vollständige Studie der VDE ETG Taskforce "Flexibilisierung des Energiesystems (EnerFlex)" ist hier zu finden.

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