Eine Studie macht es deutlich: 20 Prozent der befragten Unternehmen sehen die Energiekosten als größte Belastung für die Zukunft des Mittelstandes. Dabei sind sich rund 75 Prozent der Entscheider über die ungenutzten Einsparpotenziale bewusst, jedoch dreht die Branche nicht immer an den richtigen Stellwerken für einen geringeren Verbrauch und niedrigere Kosten. Das ergab eine Feldstudie der Deutschen Energie- und Einkaufsgemeinschaft E-Optimum. Insgesamt wurden innerhalb von zwölf Monaten in den Jahren 2016/2017 knapp 1400 Stromrechnungen analysiert und auf Einsparpotenziale hin überprüft. Parallel dazu befragte das Hamburger Marktforschungsinstitut Splendid Research (WDR, Fraunhofer Institut, Statista und BCG) 262 Energieentscheider aus Unternehmen, die maximal 500 Mitarbeiter haben und mehr als 10 000 kWh Strom pro Jahr verbrauchen.
Energiekosten sparen fängt bei der Chefetage an, denn in knapp 60 Prozent der befragten Unternehmen ist der Geschäftsführer oder der Inhaber für den Energieeinkauf zuständig. Doch scheinbar herrscht in der Führungsriege ziemlich große Unsicherheit, welche Hebel für eine günstigere Stromrechnung in Bewegung gesetzt werden müssen. So vermuten rund 70 Prozent der Entscheider Einsparungspotenziale bei der Beleuchtung und über 60 Prozent der Befragten sehen Verbesserungsbedarf „bei Geräten“ und dem Energiebewusstsein der Belegschaft. Dementsprechend wird überwiegend am Verbrauchsverhalten angesetzt, nur knapp die Hälfte der Chefs erkennt die Sparmöglichkeiten beim Strombeschaffungspreis.
Gesetzliche Abgaben im Blick behalten
Wer den Einkaufsposten übersieht, macht sich auch nicht auf die Suche nach einem neuen, billigeren Anbieter: Nur rund 32 Prozent der Firmen haben in den vergangenen zehn Jahren mehr als einmal ihren Stromversorger gewechselt. 38 Prozent entschieden sich einmal neu und 28 Prozent sind seit jeher ihrem Anbieter treu. Aus dieser Wechselträgheit ergibt sich eine kritische Dynamik für die Mittelständler. Was viele nicht wissen: Der Stromerzeugungspreis sinkt seit Jahren und auch die Umlagen, sowie die Netzentgelte haben sich reduziert, dennoch erhöhen viele Stromanbieter die Preise. Würden mehr Unternehmen von ihrem Sonderkündigungsrecht bei einer Preisänderung Gebrauch machen, würde der Wechseldruck auf die Versorger steigen und sie in Zugzwang bringen.
Neben den Stromnebenkosten machen Steuern und Konzessionsabgaben einen Löwenanteil von 55 Prozent am Strompreis aus. Auch hier können Unternehmen sparen. So sind das produzierende Gewerbe, sowie Unternehmen der Land- und Forstwirtschaft teilweise von der Stromsteuer befreit. Obwohl rund 30 Prozent der Befragten zu den genannten Branchen gehören, haben lediglich 17 Prozent eine Entlastung beim Hauptzollamt beantragt. Ähnlich viele Unternehmen lassen sich die reduzierten Konzessionsabgaben durch die Lappen gehen. Von 36 Prozent der berechtigen Großverbraucher, nutzen nur 15 Prozent den Preisvorteil.
10 000 Euro können jährlich gespart werden
Letztlich könnten viele kleine und mittlere Betriebe jährlich über 10 000 Euro einsparen, alleine wenn sie ihren Einkaufspreis anders organisieren. An dieser Stelle deckt sich die Realität mit den Einschätzungen der Entscheider, denn 75 Prozent glauben, dass sie ihre Energiekosten weiter senken können. Dabei werden Potenziale von 5000 bis rund 250 000 Euro anberaumt. Damit sich diese Einschätzung verwirklicht, wissen die Befragten nun auch, wo sie ansetzten müssen. (ls)


