Wenn die fossilen Kraftwerke aus dem System fallen, wird die Frequenzhaltung im Netz schwieriger, da die sogenannten "rotierenden Massen" abnehmen.

Wenn die fossilen Kraftwerke aus dem System fallen, wird die Frequenzhaltung im Netz schwieriger, da die sogenannten "rotierenden Massen" abnehmen.

Bild: © Bruno Maul/AÜW

Weltweit stehen die Systemdienstleistungen bei Netzbetreibern und Anlagenherstellern und weiteren Akteuren zunehmend auf der Agenda, um die Stromnetze in Folge des zunehmenden Anteils fluktuierender erneuerbarer Energien stabil und sicher zu halten. Dies wurde bei einer international ausgerichteten Fachtagung der Deutschen Energieagentur (Dena) am Donnerstag (8. November) in Berlin deutlich, mit Teilnehmern unter anderem aus Irland, Großbritannien, den USA und Griechenland.

Klar wurde, dass es teils sehr unterschiedliche Ansätze für die Entwicklung und Bereitstellung von Systemdienstleistungen gibt. So nutzt Großbritannien hierfür bereits stark den Markt, andere Länder nicht so sehr, dort ist die Bereitstellung, beispielsweise von Blindleistung teilweise verpflichtend. Die Herausforderung für viele Länder ist jedoch, die passenden Produkte zu definieren und zu standardisieren und dabei die Dynamik der Transformation der Energielandschaft im Auge zu behalten.

Verschiedenen Technologien die Teilhabe am Markt ermöglichen

So sinkt beispielsweise durch die zunehmende trägheitslose Einspeisung der erneuerbaren Energien auch die synchron rotierende Schwungmasse und damit die sogenannte Inertia. Das System und die Systemfrequenz reagieren dann weniger träge auf Ungleichgewichte von Stromerzeugung und -verbrauch, was die Frequenzhaltung kritischer macht. "Weniger Inertia, sprich Trägheit, im System bedeutet, dass sich auch die Produkte ändern müssen", so Mayoma Onwochei vom britischen Übertragungsnetzbetreiber National Grid. Die Produkte müssen gleichzeitig auch schneller werden, dabei sollten die Systemleistungsprodukte jedoch auch möglichst einfach sein, um verschiedenen Technologien die Teilnahme am Markt zu ermöglichen, denn ansonsten besteht die Gefahr, dass der Markt nicht liquide ist.

Sehr aktiv bei der Entwicklung von Systemleistungsprodukten ist aufgrund seines hohen Anteils der Windkraft Irland. Aufgrund seiner Insellage kann sich das Land hierbei nicht aufs Ausland verlassen, weil kaum Stromverbundleitungen vorhanden sind und dadurch wenig Trägheit im System ist, betonte Ian Connaughton vom Übertragungsnetzbetreiber Eirgid. Doch zeige das Beispiel Irland, dass das Stromversorgungssystem trotz eines Anteils von derzeit bis zu 65 Prozent variierender erneuerbarer Einspeisung sicher ist, so Connaughton. Bis zum Jahr 2020 soll der Anteil der nicht-synchronen Erzeugung (der sogenannte SNSP-Level) auf 75 Prozent erhöht werden.

Die Technik ist nicht das Nadelöhr

Wichtig ist, dass alle Erzeuger helfen, die Stromfrequenz im Lot zu halten, wie Julia Matevosyan vom texanischen Übertragungsnetzbetreiber Ercot deutlich machte. Hierbei müssen Windkraft- und Photovoltaikanlagen zunehmend für die Frequenzhaltung genutzt werden. Die Bereitstellung von Systemdienstleistungen kann hierbei auch eine interessante Finanzierungsmöglichkeit für erneuerbare Energien sein, so Eckard Quitman von Enercon. Umso mehr Anlagen Systemdienstleistungen bereitstellen, umso niedriger wird allerdings der Preis sein, wie die aktuelle Entwicklung der Primärregelleistung in Deutschland zeigt.

"Technisch ist vieles möglich, doch die Anforderungen und Standards müssen klar sein", betonte Quitman. Umso wichtiger sei es, dass Politik und Regulierung Vorgaben an den Markt und die Produkte entwickelten. Dieser Forderung schlossen sich in einer abschließenden Podiumsdiskussion auch Peter Merk von Elia Grid International, Thomas Kumm von EWE Netz und Michael Ritzau von BET an.

Dena will Prozess ankurbeln

Mit ihrer Plattform Systemdienstleistungen und weiteren Fachveranstaltungen und Foren möchte die Dena jedenfalls diesen Prozess national und international weiter vorantreiben und unterstützen, so Stefan Mischinger, Teamleiter Stromnetze bei der Dena. (hcn)

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