Dank eines unerwartet kalten Winters sind auch die Strompreise in den vergangenen Wochen nach oben geklettert.

Dank eines unerwartet kalten Winters sind auch die Strompreise in den vergangenen Wochen nach oben geklettert.

Bild: © Aleksander Khitrov/AP/dpa

Es war ein Jahresauftakt, wie ihn sich Börsianer an den Energiemärkten kaum besser wünschen hätten können. Gas und Öl, Kohle und CO2-Zertifikate, Strom im Day-Ahead und im Terminmarkt: alle Kurven stiegen, teils steil, nach oben, und ließen ein flaues Corona-Jahr 2020 schnell vergessen.

Der für Stadtwerke wichtige Frontjahreskontrakt bildete keine Ausnahme. Er bewegte sich in den vergangenen Tagen mit mehr als 50 Euro pro Megawattstunde (MWh) sogar auf einem Allzeithoch. Wer Strom für das nächste Jahr einkaufte, musste also deutlich tiefer in die Tasche greifen als noch vor wenigen Monaten. Doch seit Mittwoch scheint die Rallye jäh gestoppt, sind die Kurse unter anderem am Terminmarkt wieder gefallen.

Faktor Gas

Händler verweisen darauf, dass bis Mitte Januar so gut wie alle wichtigen Faktoren für den Terminmarkt preistreibend gewirkt hätten. Zuvorderst der Energieträger Gas, der in Zeiten praktisch sonnenloser und windarmer Tage bis zu 20 Prozent der deutschen Stromerzeugung ausmachte. Die unerwartet kalten Temperaturen ließen den Preis steigen — auf mitunter deutlich mehr als 20 Euro im NCG-Day-Ahead.

"Noch im November wurde von einem milden Winter ausgegangen", sagt Dominik Beer von der Handelsabteilung der Stadtwerke Heidenheim. Allerdings seien die Temperaturprognosen dann in den vergangenen Wochen deutlich unter Norm gewesen. Die Nachfrage nach Gas sei folglich stark angestiegen. "Dies lässt sich anhand der Speicherkapazitätemn erkennen, die im Vergleich zu letzter Woche um zehn Prozent gesunken sind."

Faktor CO2-Zertifikate

Ferner hätten sich die Preise für Flüssigerdgas auf den Gasmarkt unterstützend ausgewirkt. "Diese waren aufgrund des kühlen Wetters in Asien und Problemen beim Schiffsverkehr auf einem Rekordhoch", konstatiert Beer.

Auch die Preise für CO2-Zertifikate der EU gingen nach oben. Zwischendurch kostete eine Tonne CO2 mehr als 35 Euro und damit vier Euro mehr als noch kurz vor Weihnachten. Die Nachfrage sei aufgrund der kühleren Temperatur hoch gewesen, erklärt Beer.

Faktor Windprognose

Verschärfend habe sich die Verknappung des Angebots durch die Aussetzung der Dezember-Auktion bis Ende Januar ausgewirkt. Dazu seien die verschärften Klimaziele der Europäischen Union bis zum Jahr 2030 gekommen, die sich preisstützend ausgewirkt haben dürften.

Des Weiteren seien Prognosen für die Erzeugung aus Windenergie bis zum Beginn der nächsten Woche (startend mit 18. Januar) weit unter Norm gewesen, was den CO2-Preis unterstützt habe, sagt Beer. Stand 12. Januar sei die Winderzeugung im Vergleich zur Vorwoche um 21 Prozent gefallen und damit im Vorjahresvergleich 58 Prozent niedriger gelegen. "Im Gegensatz dazu ist die Erzeugung aus Kohlekraft um 52 Prozent im Jahresvergleich gestiegen."

Temperaturprognosen nach oben korrigiert

Mitte der Woche dann die Kurskorrektur, die Beer auf mehrere Faktoren zurückführt.

Da seien die Temperaturprognosen, die am Mittwoch nach oben korrigiert worden seien. "Im Vergleich lagen die Prognosen am 8. Januar für den restlichen Monat noch deutlich unter Norm", erklärt der Marktanalyst. "Gegenwärtig liegen sie für die kommenden Wochen erneut über Norm, womit der Preis an Spannung verloren hat."

Energiehandel: Kurzfristige Gewinnmitnahmen

Ferner sei zu Beginn der Woche Flüssigerdgas sehr hoch gehandelt worden. "Der gesamte Handel konzentrierte sich auf dem asiatischen Markt, sodass keine LNG-Lieferungen auf dem europäischen Markt ankamen", sagt Beer. "Jedoch zeichnete sich am Mittwoch aufgrund eines milderen Wetterausblicks Entspannung auf dem Markt ab. Dadurch sind in Europa die Gaspreise zusätzlich entlastet worden."

Darüber hinaus dürften kurzfristige Gewinnmitnahmen auf dem Strom- und CO2-Markt zu fallenden Kursen beigetragen haben, merkt der Marktexperte an.

Korrektur im Energiehandel nachhaltig?

Momentan deute die Situation darauf hin, dass die Korrektur über das Wochenende hinaus hin anhalten könnte, sagt Beer. "Doch ob der fallende Trend nachhaltig ist, werden die Temperaturprognosen zu Beginn der kommenden Woche (startend mit 18. Januar) zeigen." (ab)

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