Ein finanzielles Fiasko für Vattenfall: Statt der veranschlagten 1,7 Mrd. Euro kostete der Bau 3 Mrd. Euro.

Ein finanzielles Fiasko für Vattenfall: Statt der veranschlagten 1,7 Mrd. Euro kostete der Bau 3 Mrd. Euro.

Bild: © Georg Wendt/dpa

Der Energiekonzern Vattenfall ist Forderungen nach einem Wiederanfahren des stillgelegten Kohlekraftwerks Moorburg entgegengetreten. "Als Kohlekraftwerk darf es nach den geltenden Regularien nicht mehr betrieben werden und es wäre technisch und wirtschaftlich auch nicht vernünftig darstellbar", sagte eine Sprecherin am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Vattenfall bereite weiter den Rückbau des Kraftwerks im Hamburger Hafen vor und gehe davon aus, noch in diesem Jahr die Rückbauleistungen zu beauftragen.

Zuletzt hatte die Hamburger Wohnungswirtschaft angesichts des russischen Angriffskriegs in der Ukraine und der damit einhergehenden Gasknappheit den Senat aufgefordert, ein Wiederanfahren des Kraftwerks zu prüfen. "Angesichts der dramatischen Situation infolge des sich abzeichnenden Mangels an Erdgas ist es unverzichtbar, darüber nachzudenken, eines der modernsten Kohlekraftwerke Deutschlands unverzüglich wieder in Betrieb zu nehmen", hieß es in einer Erklärung des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), des Grundeigentümer-Verbands Hamburg, des BFW Landesverband Nord und des Immobilienverbands Deutschland.

Ersatz- und Reserveteile bereits verkauft

Die Vattenfall-Sprecherin sagte, die noch rund 90 Beschäftigten im Kraftwerk hätten bereits damit begonnen, die Systeme zu entleeren. «Technisch wird die Anlage in einen für Mensch und Umwelt gefahrlosen Zustand gebracht.» Das bedeute, dass alle Brandgefahren sowie alle Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe entfernt würden. Zudem seien bereits Ersatz- und Reserveteile des Kraftwerks sowie Großkomponenten von Turbine, Generator, Transformatoren und Messeinrichtungen verkauft worden. Vattenfall sei darauf eingestellt, den Standort für einen Wasserstoff-Elektrolyseur und ein temporäres LNG-Terminal zu übertragen.

Das stets umstrittene Kraftwerk Moorburg war im vergangenen Jahr knapp sechseinhalb Jahre nach seiner Inbetriebnahme 2015 endgültig stillgelegt worden. Es war eines der modernsten und effizientesten Kohlekraftwerke in Deutschland und sollte eigentlich bis 2038 am Netz bleiben. Als eines der größten Kraftwerke Europas konnte es mit seinen zwei Blöcken mit jeweils 827 Megawatt Leistung technisch elf Terawattstunden Strom im Jahr erzeugen. Das sind elf Milliarden Kilowattstunden und entspricht fast dem Stromverbrauch Hamburgs.

Politischer und juristischer Dauerstreit um Moorburg

Für Vattenfall war die Anlage jedoch von Anfang an ein Fiasko, denn statt wie geplant dafür maximal rund 1,7 Milliarden Euro auszugeben, entwickelte sich das Projekt zu einem politischen und juristischen Dauerstreit. Verschärfte Umweltanforderungen, nachträgliche Bauauflagen sowie Materialprobleme bei Zulieferungen verteuerten das Projekt letztlich auf rund drei Milliarden Euro. (dpa/hil)

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