Die Stadtwerke Unna beziehen dieses Jahr per PPA Windstrom. (Symbolfoto)

Die Stadtwerke Unna beziehen dieses Jahr per PPA Windstrom. (Symbolfoto)

Bild: © Chris Barbalis/Unsplash

DerHigh-Tech Gründerfonds (HTGF) investiert in das Berliner Startup Caeli Wind. Es geht um ein Wandeldarlehen im einstelligen Millionenbereich, wie Heiko Bartels, Geschäftsführer von Caeli Wind, der ZfK bestätigte. Der HTGF könnte sein Darlehen daher je nach Vereinbarung in Anteile an dem jungen Unternehmen umwandeln.

"Das war eine wichtige Finanzierungsrunde, um das Wachstum in Deutschland zu verstätigen", so Bartels. Das Ziel sei es, das Geschäftsmodell zu erweitern und die Expansion auf benachbarte Märkte vorzubereiten.

Verkürzter Prozess

Caeli Wind stell eine digitale Plattform zur Verfügung, wo Grundeigentümer auf der einen Seite und Projektentwickler, Stadtwerker und Versorger auf der anderen Seite zusammentreffen. Das Ziel: Einen Pachtvertrag für Windkraftprojekte abzuschließen. In diesem Zusammenhang bietet das Startup mehrere digitale Tools an, um zu überprüfen, ob sich eine Fläche für Windenergie überhaupt eignet und wie profitabel eine Investition wäre.

"Wir haben es in manchen Fällen geschafft, innerhalb von zehn Wochen einen Pachtvertrag abzuschließen", erklärt Geschäftsführer Bartels. "Bei einem Prozess, der normalerweise 18 Monate dauert."

Heiko Bartels ist Mitgründer von Caeli Wind.Bild: © Matti Koldner

Datenraum für Interessenten

Das Startup nimmt dafür von den Bietern, die bei einer Auktion erfolgreich waren, eine Provision. Für die Grundeigentümer ist die Teilnahme am Marktplatz kostenlos. "Wir wollten die Eintrittsbarriere für Flächeneigentümer möglichst gering halten", erklärt der Mitgründer. Denn in den letzten Jahren wäre der Bedarf an Flächen riesig und das Angebot begrenzt gewesen. Durch zahlreiche gesetzliche Neuerungen könnte sich dies mittelfristig ändern, dann wäre auch eine Gebühr für Flächeneigentümer denkbar.

Neben den digitalen Dienstleistungen bietet das junge Unternehmen aber auch Ortsbegehungen an, stellt Anfragen bei den Landesumweltämtern oder bei der Flugsicherung. Die dabei entstehenden Daten zu dem jeweiligen Grundstück können die Projektentwickler in einem Datenraum einsehen.

Entega reüssiert

Die erste Ausschreibung gewann im März der Darmstäder Versorger Entega. Der Bewerbungsprozess dauert bis zum Gestattungsvertrag zwölf Wochen. Der kommunale Versorger plant nun den Bau von zehn Windrädern mit einer Nennleistung von 60 MW.

Caeli Wind hat derweil zehn weitere Vergaben abgeschlossen. Die letzte hat ein großer deutscher Energieversorger für sich entschieden. "Zum Jahresende werden wir mehr als 1000 Megawatt neue Windkraftprojekte über die Caeli abgewickelt haben", prognostiziert Bartels.

Oft klassische Entwickler

Aktuell hat das Unternehmen knapp 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Spin-Off der LBD-Beratungsgesellschaft wurde 2021 in Berlin gegründet. Die Gründer Heiko Bartels und Ben Schlemmermeier bringen als Geschäftsführer der LBD viele Jahre an Berufserfahrung aus dem Beratungsgeschäft mit.

Derzeit seien auf Entwicklerseite rund 50 Unternehmen auf der Plattform, die meisten davon klassische Projektentwickler. Aber auch Konzerne, Stadtwerke und auch Industrieunternehmen tummeln sich auf dem Marktplatz.

"Stadtwerke sind für uns ein ganz wichtiges Wachstumssegment", betont Mitgründer Bartels. "Wir sehen immer häufiger, dass von den Grundeigentümern regionale Player bevorzugt werden."

Gemeindeflächen möglich

Viele Grundstückseigentümer würden gerne mit Unternehmen zusammenarbeiten, die sie kennen und die vor Ort sind. Letztlich hätten die Eigentümer immer das letzte Wort, wer den Zuschlag erhalte. Sie könnten auch Kriterien jenseits des höchsten eingereichten Gebots angeben, die bei der Vorauswahl berücksichtigt werden sollen. Die Flächen stammen dabei ausschließlich von Privateigentümern.

Allerdings spricht das Team von Caeli Wind im Vorfeld einer Auktion auch mit benachbarten Gemeinden. Es sei schon vorgekommen, dass Gemeinden ihre angrenzenden Flächen dann ebenfalls in die Auktion gegeben hätten. Bartels rechnet damit, dass Gemeinden künftig auch proaktiv ihre Flächen digital ausschreiben könnten, solange das Vergaberecht dem nicht entgegensteht.

Digitale Konkurrenz

Auf Vorbehalte trifft Caeli Wind dabei weniger bei Flächeneigentümern, sondern eher bei großen Projektentwicklern, die eigene Vertriebsorganisationen unterhalten und die digitale Konkurrenz fürchten. "Einige Geschäftsführer erkennen aber auch, dass digitale Markplätze günstiger sein können."

Mittlerweile nutzt das junge Unternehmen eine komplett digitale Angebotsmaske, wo alle Beweggründe, Investitionspläne und Bürgerbeteiligungsmodelle angegeben werden können. Dennoch wird jeder Gestattungssvertrag am Ende individuell mit dem Versorger oder dem Projektentwickler ausgehandelt.

Prognose zu Erlösen

Nur registrierte Nutzer können auf die detaillierten Informationen zugreifen. Wie viel Wind ist auf der Fläche? Welche möglichen Restriktionen wurden schon geprüft? Wurde die Bundeswehr bereits angefragt. Auch alle Informationen zum Ablauf der Ausschreibung, zur Regionalplanung, Natur- und Landschaftsprüfungen finden sich im Datenraum. Die Software erstellt auch eine Prognose zu den Erlösen.

"Wenn wir die Software Projektentwicklern oder Energieversorgern zeigen, geht regelmäßig die Kinnlade herunter", sagt Bartels. "Diese Kalkulationen brauchen normalerweise Wochen."

(jk)

Hinweis: Eine gekürzte Fassung dieses Artikels ist in der aktuellen September-Ausgabe der ZfK erschienen. Hier geht es zum E-Paper.

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