Die mutmaßliche Explosion eines Stromspeichers hat in der vergangenen Woche für Aufsehen gesorgt. Ereignet hat sich der Vorfall, bei dem Teile der Wand eines Zweifamilienhauses einstürzten, im hessischen Lauterbach. Wie das "pv magazine Deutschland" berichtet, soll dabei ein im Keller aufgestellter 30 kWh-Stromspeicher explodiert sein. Ursache soll ein technischer Defekt sein.
Der Hausbesitzer soll gegenüber dem Fachmagazin erklärt haben, dass es sich weder um einen Batteriespeicher der Hersteller LG oder von Senec handele, sondern um einen Speicher mit LiFePo4-Zellchemie. Die Frage stellte sich, weil sich zuvor Berichte über Brände bei PV-Heimspeichern des südkoreanischen Herstellers LG gemehrt hatten. Allein im September kam es zu drei solchen Fälle in Deutschland.
LG in der Kritik
Der jüngste Fall ereignete sich demnach am 29. September im unterfränkischen Kleinkahl. Ein durch einen technischen Defekt ausgelöster Brand soll es hier einer Explosion eines PV-Stromspeichers geführt haben, verletzt wurde niemand. Daneben sind zwei weitere Fälle in Deutschland sowie zwei Fälle in Österreich dokumentiert, alle fanden im Spetember statt. Bei mindestens einem der Fälle ist belegt, dass es sich um ein LG-Gerät handelt. Bei den anderen beiden Fällen ist die Herkunft nicht eindeutig geklärt.
Das Unternehmen LG hat auch wegen der Unfälle eine Rückrufaktion für einzelne Photovoltaik-Heimspeicher aktualisiert. Es geht vor allem um Modelle, die zwischen 2017 und 2019 verkauft worden sind. Zudem hatte die australische Wettbewerbs- und Verbraucherkommission (Australian Competition and Consumer Commission, ACCC) alle Haushalte mit Photovoltaik-Heimspeichern aufgefordert, dringend zu überprüfen, ob sie über die von der Rückrufaktion betroffenen Batterien der Marke LG verfügen und diese gegegebenfalls auszuschalten.
Senec und Solarwatt betroffen
LG ist allerdings nicht der einzige betroffene Hersteller. Seit dem vergangenen Jahr war es zudem wiederholt zu Bränden bei PV-Heimspeichern des Leipziger Herstellers und EnBW-Tochterunternehmens Senec gekommen. Der letzte Vorfall soll sich im August ereignet haben. Daraufhin versetzte Senec zahlreiche Anlagen in den Konditionierungsbetrieb, wobei die Kapazität des Batteriespeichers auf 70 Prozent gedrosselt wird. Unter den jüngsten Fällen im September soll sich nach Unternehmensangaben aber kein Senec-Gerät befinden.
Ein weiterer Vorfall ereignete sich im März 2023 im südbadischen Kehl. Dort hat sich nach Angaben der örtlichen Feuerwehr ein PV-Speicher des deutschen Herstellers Solarwatt so stark erhitzt, dass es zu einer kleinen Explosion im Speicher gekommen sein soll. Dabei entstand ein Sachschaden von mehreren zehntausend Euro. Solarwatt hat nach eigenen Angaben eine Taskforce eingesetzt, um den Fall aufzuklären.
Zertifizierte Speicher
"Die Ursache bei einer Havarie mit Speicher ist oft schwer zu bestimmen, da viele Faktoren eine Rolle spielen können", ordnet Urban Windelen, Bundesgeschäftsführer des Bundesverbandes Energiespeicher Systeme (BVES), gegenüber der ZfK die Vorfälle ein. So würden etwa selbstgebaute Speicher oder die Eigenreparatur von Speichern ein großes Risiko bergen. Auch liege die Brandursache immer wieder bei anderen Geräten als dem Speicher, der jedoch gern als Ursache vermutet werde.
Der BVES hat bereits vor Jahren einen Sicherheitsleitfaden für Heimspeicher herausgebracht, der mittlerweile Grundlage der geltenden Normung ist und weltweit Anwendung findet. Speicher, die entsprechend dieser Normen und Standards zertifiziert sind, gelten als eigensicher und erfüllen die höchsten Sicherheitsrichtlinien. Zu den etablierten Herstellern gehört etwa auch LG Energy Solutions.
"Es lässt sich bei der geringen Zahl der Fälle fundiert nicht belegen, dass gewisse Hersteller übermäßig von Havarien betroffen sind", sagt Windelen.
Schäden im Promillebereich
Speicher, nach den geltenden Normen und Standards und von guten und etablierten Herstellern sind sicher. Das zeigen auch die Statistiken. Bei mittlerweile über einer Mio. Hausspeichern in Deutschland zählt der BVES jährlich Schadensfälle im Promillebereich.
Jeder Schaden sei einer zu viel, betont der Verbandsvertreter, doch verglichen mit Schäden, die durch andere Geräte und Technologien, wie Verbrennungsmotoren, Gasflaschen und Haushaltsgeräte ausgelöst werden, sei dies eine sehr niedrige Zahl.
Lithium-Ionen-Akkus eher gefährdet
Eine Statistik des Fraunhofer-Instituts für Solar Energiesysteme (ISE) aus dem Jahr 2019 scheint dies zu bestätigen. Damals haben die Forscher bei 130.000 installierten Anlagen insgesamt zehn Brände dokumentiert. Dabei entfielen neun Fälle auf Lithium-Ionen-Akkus, während nur ein Fall mit einem Blei-Akku in Zusammenhang stand.
Brandursache ist dabei meist ein sogenannter "Therman Runaway": Eine beschädigte oder überlastete Batterie kann die gespeicherte Energie nicht mehr kontrolliert abgeben und setzt sie in Form von Wärme frei. Die schadhafte Stelle heizt sich auf und löst eine thermische Kettenreaktion aus, wodurch der Akku Feuer fängt. (jk)



