Der Netzausbau hinkt in Deutschland stark hinter den Vorgaben her. Der Widerstand innerhalb der Bevölkerung gegen Neubauprojekte ist groß.

Der Netzausbau hinkt in Deutschland stark hinter den Vorgaben her. Der Widerstand innerhalb der Bevölkerung gegen Neubauprojekte ist groß.

Bild: © Uwe Schlick/pixelio.de

Die Stadtwerke Schwäbisch Hall steuern neben dem eigenen Stromnetz dienstleistend die Netze von bundesweit 21 weiteren Stadtwerken. Für den Redispatch 2.0, der ab 1. Oktober 2021 gilt, übernimmt der Versorger für die 21 Unternehmen auch diese Aufgaben. Das erklärten die Haller auf dem hybrid durchgeführten Anwenderforum der Vivavis AG, das in Schwäbisch Hall stattfand.

Peter Breuning, Abteilungsleiter Netzleittechnik der Stadtwerke Schwäbisch Hall und Moderator des Forums, zeigte sich trotz der anstehenden Arbeit optimistisch: „Wir schaffen das!“

Bei der Prognose – im Redispacht-2.0-Szenario von zentraler Bedeutung – arbeiten die Stadtwerke Schwäbisch Hall mit dem Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) zusammen. Die ZSW-Software „GridSage“ rechnet Erzeugung und Last im Verteilnetz stündlich für die nächsten 36 Stunden hoch und prognostiziert die entsprechenden Werte. So könne die Schwäbisch Haller Netzleitstelle jederzeit mit aktuellen und belastbaren Fahrplänen arbeiten, erklärt Breuning.

Enger Projektfahrplan

„Der Projektfahrplan für Redispatch 2.0 ist extrem eng“, erwartet Breuning herausfordernde Wochen und Monate. „Wir werden aber im Januar 2021 so weit sein, dass wir sowohl an DA/RE als auch an Connect+ angekoppelt sind. Dann können wir die Prozesse durchspielen und testen.“ Die beiden Initiativen entstanden, um einen einheitlichen Lösungsansatz in der Branche zu erarbeiten.

Zwei Initiativen zur Datenverteilung und Netzbetreiberkoordination

Connect+ ist ein Umsetzungsprojekt der vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber und 16 Verteilnetzbetreibern, die gemeinsam ein System zur Datenverteilung im Redispatch-2.0-System entwickeln. Über die Plattform DA/RE („DAtenaustausch/REdispatch“), die gemeinsam von der TransnetBW und Netze BW entwickelt wird, erfolgt die Netzbetreiberkoordination.

Die Stadtwerke Schwäbisch Hall waren bereits in der Testphase als Netzbetreiber am Prototyp der Plattform angeschlossen. Die Plattform übernimmt neben der Netzbetreiberkoordination die Information aller am Prozess beteiligten Einsatzverantwortlichen und Netzbetreiber. Außerdem ist sie ein wichtiger Bestandteil der Redispatch-Prozesse und organisiert zudem die vertikale Abstimmung sowie den Datenaustausch zwischen den Netzbetreibern und den Einsatzverantwortlichen der Erzeugungsanlagen. Für den künftigen Datenaustausch werden Connect+ und DA/RE eng verzahnt.

Aufgrund der Vielzahl und Komplexität der neuen Aufgaben müsse alles hochautomatisiert funktionieren, so Breuning. „Wenn wir die Automatisierung nicht schaffen, stehen wir bei Redispatch 2.0 auf verlorenem Posten.“ (sg)

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