Alterric ist erst seit wenigen Monaten am Markt, hat aber große Ziele. Sie wollen einer der größten Erzeuger von Grünstrom in Europa werden. Wie wollen Sie das erreichen?
Immer mehr Kunden wollen nicht nur grünen Strom haben, sondern auch gleichzeitig wissen, wo dieser herkommt. Als Energieunternehmen braucht man hierfür ein eigenes grünes Erzeugungsportfolio, um Kunden glaubwürdig bedienen zu können. Deswegen haben wir bei EWE schon vor der Gründung des Joint Ventures mit der Aloys Wobben Stiftung als Eigentümerin der ENERCON unsere Erneuerbaren-Aktivitäten gebündelt, was allerdings kein Vergleich zur aktuellen Portfoliogröße von Alterric ist. Für das Joint-Venture haben wir die Windaktivitäten von ENERCON und EWE gebündelt – die Bestandsparks sowie die Pipelines. Damit verfügt Alterric über eine installierte Leistung von über 2300 MW Wind-Onshore. Hinzu kommt eine Projektpipeline von über 9400 MW. Bis 2030 wollen wir dann auf etwa 5000 MW an installierter Onshore-Leistung kommen. Dafür investieren wir rund 3,6 Mrd. Euro. Mit unserem Portfolio sind wir schon heute der größte Onshore-Windbetreiber in Deutschland. Für die Erreichung unserer Ziele braucht es allerdings mehr als die bloße Summe der einzelnen Erzeugungskapazitäten. Wir haben auch unsere Stärken gebündelt. Während ENERCON ein hocherfahrenes Projektentwicklungsteam hat, kommt EWE aus der klassischen Energiewirtschaft und dem Vertrieb.
Ein Kernmarkt für Alterric soll künftig auch Frankreich sein – was macht das Land so attraktiv für die Windkraft?
Die politischen Rahmenbedingungen für die Energiewende sind dort momentan stabil und gut. Zudem bietet das Land geografisch gute Ausbaumöglichkeiten für die Windkraft an Land. Aber auch in anderen Ländern, zum Beispiel Griechenland, sind die Rahmenbedingungen attraktiv. Viele Länder müssen durch die Verschärfung der EU-Klimaziele den Turbo bei der Energiewende einlegen. Auch hier ergeben sich dann neue Marktchancen. Am Ende zählen für die Bewertung eines Marktes nicht nur die Regulatorik und die Möglichkeit des Winddargebotes, sondern es geht auch um die Frage, wer nimmt den Strom zu welchen Konditionen ab: Habe ich ein Einspeiseregime? Habe ich ein komplett auf freiwilliger Vertragsbasis basierendes Regime? Wie sind die Marktpreise in diesem Land? Auch diese energiewirtschaftlichen Fragen spielen eine immer größere Rolle, wenn man eine Investitionsentscheidung für einen Windpark trifft.
Rohstoffknappheit ist ein Problem
Das heimische Marktumfeld für Windkraft war und ist nach wie vor schwierig, aber die FA Wind vermeldet steigende Genehmigungs- und Zubauzahlen. Wie schätzen Sie die Marktentwicklung für die kommenden Jahre ein?
Es gibt einen breiten gesellschaftlichen Konsens zum Klimaschutz und damit zur CO2-Reduktion. Das kann nur gelingen, wenn ich grüne Elektronen habe, weil das die Basis für alles weitere ist, egal ob Wasserstoff-Produktion, E-Mobilität oder die Dekarbonisierung der Industrie. Deswegen wird die Nachfrage nach grünem Strom weiter wachsen. Das werden wir auch an den Preisen sehen. Der CO2-Preis wird steigen und damit auch die Preise für Verwendung von nicht grünen Elektronen. Genau deshalb glauben wir, dass die wirtschaftlichen Grundparameter für unser Joint Venture und damit auch für den Ausbau bei Erneuerbaren definitiv positiv sind. Ich ziehe mal die Parallele zum Thema des Netzausbaus: Im Jahr 2000 haben die Netzbetreiber argumentiert, wir müssen die Stromnetze im Zuge der Energiewende ausbauen. Da hieß es, brauchen wir nicht. Bis 2010 hat die Politik gebraucht, um die Notwendigkeit des Netzausbaus zu erkennen. Und jetzt sind wir in der Phase, wo wir alles möglich machen, um den Netzausbau voranzutreiben. Einen ähnlichen Erkenntnisprozess haben wir mittlerweile auch beim Thema Windenergie durchlaufen. Und deswegen bin ich zuversichtlich, dass der Erkenntnis dann auch tatsächlich politisches Handeln folgt.
Neben einer ambitionierten Klimapolitik sind Sie, wie jedes Industrieunternehmen auch von Rohstoffen abhängig. Zuletzt ist der Stahlpreis massiv gestiegen – ein Problem für Alterric?
Natürlich ist unser Geschäft auch von den Rohstoffpreisen, wie dem Stahlpreis, abhängig. Wenn diese nachhaltig steigen, erhöht das die Investitionskosten der Windparks und drückt damit die Wirtschaftlichkeit. Aber man kann ja auch Gegenmaßnahmen ergreifen. Wir haben das Thema auf dem Schirm und führen intensive Gespräche mit den Anlagenherstellern. Das ist auf jeden Fall nichts, was sich im Moment negativ auf unser Geschäft auswirkt.
Einstieg ins PV-Geschäft könnte folgen
Offshore ist kein Thema bei Alterric?
Im Offshore-Bereich sind große Invests, die mit hohen Risiken verbunden sind, was auch an der Vergütungssystematik liegt. Zum Teil gehen Wettbewerber mit 0-Cent-Geboten in die Ausschreibungen und machen ihr Geschäft dann über Synergien zwischen benachbarten Parks. Alterric steigt hier erst einmal nicht ein. Ganz anders sieht es bei Photovoltaik aus. Das ist etwas, was wir uns strategisch sehr genau anschauen, insbesondere weil sich die Erzeugungsprofile von PV und Windkraft gut kombinieren lassen und die Technologie im Solarbereich auch weiter voranschreitet, dass man nicht nur in Südeuropa, sondern auch an anderen Stellen attraktiv bauen kann.
Das klingt ja spannend. Wäre hier auch eine Kooperation mit einem solarversierten Partner möglich?
Wir wollen als Alterric grundsätzlich, unabhängig von der Technologie, als Partner zur Verfügung stehen und partnerschaftlich auftreten. Da wird Photovoltaik keine Ausnahme machen, aber auch kein Muss sein. Wir haben in Summe ausreichend Schlagkraft und Kompetenz, um Dinge auch selbst zu entwickeln, was aber nicht heißt, dass man nicht mit dem richtigen Partner noch schneller und besser vorangehen kann. Wir sind hier sehr offen, Entscheidungen oder einen konkreten Zeitplan gibt es aber noch nicht.
Die Fragen stellte Lisa Marx
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