Die Wuppertaler Stadtwerke (WSW) haben bislang wenig Freude an ihrer 15-Prozent-Beteiligung am Kohlekraftwerk Wilhelmshaven. Auf eine Anfrage aus dem Wuppertaler Stadtrat stellte die Stadtverwaltung nüchtern fest: „Gewinne aus der operativen Tätigkeit wurden bisher nicht ausgeschüttet, da es in der Kraftwerksgesellschaft Verlustvorträge gibt.“ Konkret mussten die WSW bereits Drohverlustrückstellungen in Höhe von rund 32,1 Mio. Euro bilden.
Und es könnte für die Wuppertaler noch teurer werden wenn eine Wende auf dem Strommarkt ausbleibt. Bislang ist noch ein Großteil der Braunkohlekraftwerke am Netz, und der Zuwachs an erneuerbarer Energie aus Wind und Sonne ließ die Strompreise in den letzten Jahren auf niedrigem Niveau verharren. Die Verluste aus dem Stromliefervertrag mit dem Kohlekraftwerk Wilhelmshaven, an das sich die WSW langfristig gebunden haben, sind hoch. 2016 waren es 12,5 Mio., 2017 nur 9,6 Mio. und 2018 dann wieder 12,2 Mio. Euro.
Hoffnung auf Abschaltungen – anderswo
„Im Januar 2020 war Wilhelmshaven wieder nur einen Tag am Netz“, stellt der Stadtverordnete Klaus Lüdemann von den Grünen fest. Da Wilhelmshaven über kein Fernwärmenetz verfüge, werde bei einem Wirkungsgrad von 46 Prozent mit 54 Prozent der Energie die Nordsee erwärmt, so Lüdemann gegenüber der "Westdeutschen Zeitung" (WZ). Wuppertals Stadtdirektor Johannes Slawig hofft derweil auf bessere Rahmenbedingungen ab 2021, wenn Kernkraft und Braunkohle als Energielieferanten sukzessive abgeschaltet werden.
Im Jahre 2008, als sich die WSW zum Einstieg beim damals neu geplanten Kohlekraftwerk Wilhelmshaven entschlossen, sei die Energiewende in ihrer jetzigen Form noch nicht absehbar gewesen, so Slawig weiter. Seit 2015 ist das Kraftwerk am Netz, doch ein schneller Ausstieg der WSW aus dieser Beteiligung ist nicht zu erwarten.
Entschädigung ohne Abschlag gefordert
„Da das Kraftwerk Wilhelmshaven das vor Datteln letzte Kohlekraftwerk gewesen ist, das ans Netz gegangen ist, gehen wir davon aus, dass es auch als letztes Kraftwerk Ende der 2030er Jahre stillgelegt wird“, sagte schließlich ein Sprecher der Wuppertaler Stadtwerke klipp und klar gegenüber der "WZ". Er verweist zudem auf das Votum der Kohlekommission, nach dem Kraftwerke, die zum Zeitpunkt der Stilllegung jünger als 25 Jahre sind, ohne Abschläge entschädigt werden sollen. Für Wilhelmshaven träfe das in jedem Fall zu. (sig)



