Nicht nur wegen des kühleren Wetters haben die Heizkosten in Deutschland im Abrechnungsjahr 2019 angezogen.

Nicht nur wegen des kühleren Wetters haben die Heizkosten in Deutschland im Abrechnungsjahr 2019 angezogen.

Bild: © Sina Schuldt/dpa

Im Koalitionsvertrag heißt es, dass jede ab 2025 neu eingebaute Heizung auf Basis von 65 Prozent erneuerbarer Energien betrieben werden soll. Diese Vorgabe soll nun bereits ab 2024 gelten, wie aus einem Konzeptpapier des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klima sowie des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauen hervor geht. Doch wie kann die Umsetzung so schnell gelingen? Darüber diskutierten Markus Staudt, Hauptgeschäftsführer, Bundesverband der deutschen Heizungsindustrie (BDH) und Martin Diedenhofen, Mitglied der SPD-Bundestagsfraktion und Mitglied im Ausschuss für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen.

Einig waren sich beide schnell, dass mehr klimaneutrale Energieträger zum Einsatz kommen müssen, um die Klimaziele des Wärmesektors einzuhalten. "Bei der Technologie sollte es eine hohe Flexibilität geben", betonte BDH-Hauptgeschäftsführer Staudt. "Wir haben uns in den letzten Jahren sehr stark auf den Strom fokussiert. Aber wir müssen im Heizungsmarkt aber auch andere Energieträger dekarbonisieren."

Entwurf soll bald kommen

Der SPD-Abgeordnete Diedenhofen stimmte zu, dass die Dekarbonisierung nur technologieoffen funktionieren könne. Zu den Einzelheiten müssten sich die Ministerien äußern. "Wir rechnen bald mit einem Referentenentwurf", sagte Diedenhofen. Das genaue Datum wisse er jedoch nicht.

"Die Wärmepumpe steht im Fokus der Debatte und sie wird eine tragende Säule sein", sagte Staudt. Doch es gebe auch zahlreiche Gasetagenheizungen, wo es schwer sei, Wärmepumpen stattdessen zu installieren. "Das Handwerk ist dazu bereit. Aber wir brauchen hier auch die politischen Rahmenbedingungen. Demnächst kostet eine Heizung 20.000 Euro statt vielleicht unter 10.000 Euro. Nicht jeder Haushalt kann sich das leisten."

Level Playing Field mit Biomasse

"Wir wollen die Wärmewende sozialverträglich gestalten", stimmte Diedenhofen zu. "Der Anschluss an Wärmenetze ist als eine von mehreren Erfüllungsoptionen vorgesehen. Auch bei neuen Wärmenetzen sollte die 65-Prozent-Vorgabe eingehalten werden", so der Abgeordnete. Dadurch entstehe ein Level Playing Field zwischen Wärmepumpe und anderen Alternativen, etwa Biomasse.

Einige Vorschläge im Eckpunktepapier, um Mieter zu entlasten, reichten jedoch nicht aus, kritisierte Staudt. "Wenn die Preise für Biomethan etwa über denen von Gas liegen, muss der Vermieter diese Kosten tragen. Diese Regelung sollte etwa auch für Wärmepumpem, also beim Strom gelten. Der Vermieter sollte sich durch strombasierte Wärme nicht von dieser Regelung freimachen dürfen", argumentierte der Branchenvertreter.

Wasserstoff im Wärmemarkt fraglich

Widerspruch gab es auch beim Wasserstoff. "Technisch sind wir dazu in der Lage, Wasserstoff in den Wärmemarkt zu integrieren", sagte Staudt. "Es fehlt jedoch die Akzeptanz und die Möglichkeit, massiv in den Wasserstoffhochlauf reinzugehen. Es wurde viel über die Farben beim Wasserstoff diskutiert, aber wenig getan. So wird Deutschland kein Leitmarkt beim Wasserstoff. Wir haben in der Heizungsindustrie Anwendungen, die H2-ready sind und bauen diese gerne ein."

"Beim Wasserstoff geht es momentan vor allem um die Preise und die Verfügbarkeit", hielt Diedenhofen entgegen. "Und ob der Wärmemarkt der richtige Anwendungsort für Wasserstoff ist - das ist noch in der Diskussion und es gibt keine finale Antwort. Wasserstoff bringt uns im Wärmemarkt in den nächsten zwei, drei Jahren nicht weiter."

Heizungsmarkt als Enabler

"Wir diskutieren mehr, als zu handeln", entgegnete der BDH-Vertreter. "Hätten wir beim Stromausbau so gezögert, wären wir heute nicht so weit. Durch das Gasnetz, das so engmaschig und verbreitet ist, haben wir die Möglichkeit, den Hochlauf von Wasserstoff hier schneller voranzutreiben. Der Heizungsmarkt kann ein Enabler sein."

Dazu passte auch eine Frage aus dem Publikum, warum bei Brennstoffzellen nur der Betrieb mit hundert Prozent grünem Wasserstoff gefördert werde, während zum Beispiel der Betrieb mit biogenen Gasen keine Förderung erhalte. So werde diese hocheffiziente Technologie praktisch begraben.

Gasag-Chef sieht Pragmatismus

SPD-Vertreter Diedenhofen versprach, sich darüber zu erkundingen und das Argument nochmal in die politischen Runden mitzunehmen. "Wir sehen eine große Einigkeit über das Ziel", schloss Gasag-CEO Georg Friedrichs sodann die Runde. "Es herrscht eine Stimmung des Pragmatismus." (jk)

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