Güstrow hat rund 30.000 Einwohner und liegt im Landkreis Rostock.

Güstrow hat rund 30.000 Einwohner und liegt im Landkreis Rostock.

Bild: © Ar To/Adobe Stock

Von Ariane Mohl

Die Stadtwerke Güstrow im Landkreis Rostock wehren sich gegen Vorwürfe von Eigenheimbesitzern. Diese haben sich zu einer Initiative zusammengeschlossen, um gemeinsam gegen die aus ihrer Sicht zu hohen Fernwärmepreise der Stadtwerke vorzugehen. Der Brutto-Arbeitspreis für die Fernwärme liegt nach Stadtwerke-Angaben aktuell bei 20,43 Cent pro Kilowattstunde.

Der Vorwurf: Das kommunale Unternehmen nutze bei der Fernwärme seine Monopolstellung aus. Wie der NDR berichtet, plant die Initiative inzwischen sogar eine Gemeinschaftsklage gegen die Stadtwerke – ein Schritt, der bei dem Versorger naturgemäß auf Unverständnis stößt. "Die Stadtwerke nutzen keine Monopolstellung aus", stellt eine Sprecherin des Kommunalversorgers auf Nachfrage der ZfK klar. Die Fernwärmepreisformel sowie die Preisgestaltung folgen den Vorgaben der Fernwärmeverordnung (AVBFernwärmeV). "Jegliche Preisanpassungen werden zuvor durch die Gremien geprüft und genehmigt", so die Sprecherin weiter.

Im großen Stil investiert

Dass Fernwärmekunden in Güstrow mehr zahlen müssen als in etlichen anderen Regionen Deutschlands habe einen guten Grund, heißt es aus der Pressestelle. Das kommunale Unternehmen habe in den letzten Jahren im großen Stil in den Kraftwerkspark und die Netzverdichtung investiert, um die Wärmeversorgung zu "vergrünen". Bereits heute kommt nach Stadtwerkeangaben mehr als die Hälfte des Brennstoffeinsatzes aus Biomethan und damit aus einer Quelle, die vergleichsweise teuer ist. Die Stadtwerke sehen sich selbst als Vorreiter bei der Dekarbonisierung der Wärmeerzeugung. Man sei bei diesem Thema weiter als viele andere Kommunen, heißt es aus Güstrow.

Vergleichen die verärgerten Eigenheimbesitzer also in Wirklichkeit Äpfel mit Birnen? Ja, sagen die Stadtwerke Güstrow. Die Gestehungskosten für die Fernwärme seien regional sehr unterschiedlich. Daran werde sich auch in den kommenden Jahren nicht viel ändern. "Eine direkte Vergleichbarkeit von Fernwärmepreisen bleibt unter dieser Voraussetzung unmöglich", ist man bei den Stadtwerken Güstrow überzeugt. Ob hier staatliche Vorgaben oder die Überarbeitung der AVBFernwärmeV für Abhilfe sorgen können, sei völlig unklar.

Kunden blicken nicht durch

Zumindest in einem Punkt sind sich die Fernwärmepreis-Kritiker und der Fernwärme-Anbieter weitgehend einig: Besonders transparent geht es bei der Fernwärme nicht zu. "Durch die komplexe Entstehung ist das Thema Fernwärme an sich sehr kompliziert. Wir arbeiten daher kontinuierlich an mehr Transparenz beim Thema Fernwärme", versichert die Stadtwerke-Sprecherin. Es sei ganz sicher so, dass das Wissen über Fernwärme und deren preisbeeinflussende Parameter bei vielen Kunden nicht präsent sei.

Die Politik habe für zusätzliche Verwirrung gesorgt, kritisieren die Stadtwerke und werden deutlich: "Die Fernwärmepreisbremse und die Deckelung der Fernwärmepreise bei 9,5 Cent pro Kilowattstunde waren aus Versorgersicht eine Katastrophe." Das Problem: Die tatsächlichen Fernwärmepreise lagen auch in Güstrow um ein Vielfaches höher. Nach dem Auslaufen der Preisbremsen sei der Preisanstieg für die Kunden dann entsprechend heftig gewesen, obwohl man aus Versorgersicht sogar zu deutlich günstigeren Preisen produziert habe. "Dies ist aber beim Kunden so nicht angekommen und hier verstehen wir auch den Unmut der Kunden und die Schwierigkeit bei der Nachvollziehbarkeit", sagt die Sprecherin. Das bittere Fazit der Stadtwerke: "Hier haben uns die bundespolitischen Entscheidungen sicher nicht in die Karten gespielt. Hier wurde viel Vertrauen verspielt."

Keine Fernwärme zum Schnäppchenpreis

Mit den klagewilligen Eigenheimbesitzern habe es bereits Anfang des Jahres Gespräche gegeben. "Seitens der Stadtwerke besteht auch weiterhin Gesprächsbereitschaft", versichert das kommunale Unternehmen. Für die Fernwärmekunden gibt es zumindest ein wenig Hoffnung: Zum Jahreswechsel wollen die Stadtwerke Güstrow ihre Fernwärmepreise moderat senken. Mit einer drastischen Preiskorrektur nach unten können Verbraucher allerdings nicht rechnen. "Mittel- bis langfristig werden wir keine Preisniveaus unterhalb von 10 Cent pro Kilowattstunde mehr sehen. Dafür sind die Infrastrukturkosten und die zu stemmenden Investitionen der Wärmewende für die nächsten Jahre zu hoch."

Die Stadtwerke Güstrow rufen bei der Fernwärme aktuell einen Bruttoarbeitspreis von 20,43 Cent pro Kilowattstunde auf. Ursache für die Verärgerung der Eigenheimbesitzer ist allerdings der aus ihrer Sicht zu drastische Anstieg in den vergangenen zwei Jahren. Wie der NDR berichtet, ist der Grundpreis für die Fernwärmeversorgung in Güstrow seit 2022 um rund 70 Prozent gestiegen, der Arbeitspreis hat sich demnach mehr als verdoppelt.

Auch Neubrandenburg steht in der Kritik

Die Stadtwerke Güstrow sind bei weitem nicht der einzige Versorger, der wegen angeblich zu hoher Fernwärmepreise in der Kritik steht. So müssen sich etwa die Stadtwerke Neubrandenburg wegen ihrer Fernwärmepreise vor dem Oberlandesgericht in Rostock verantworten. Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat dort eine Unterlassungsklage gegen das kommunale Unternehmen eingereicht, weil er die Preise für unzulässig hält. Für die Stadtwerke ist die Position der Verbraucherschützer nicht nachvollziehbar. Sie argumentieren mit massiven Preisanstiegen bei den Rohstoffkosten in Folge des russischen Angriffs auf die Ukraine und dem Wegfall der Preisbremsen Ende 2023.

Im Mai 2024 haben die Verbände AGFW, BDEW und VKU eine Online-Plattform gestartet, um für mehr Transparenz bei der Fernwärme zu sorgen. Diese wurde Anfang Dezember aktualisiert. Mit der Neuauflage der Plattform geben nunmehr 283 Energieversorger mit 527 Teilnetzen Auskunft über ihre Fernwärmepreise. Nach Angaben der beteiligten Verbände deckt die digitale Übersicht somit rund 50 Prozent Marktanteil am Wärmeabsatz ab. Verbraucherschützer sehen allerdings nach wie vor massiven Handlungsbedarf bei der Fernwärme.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper