Nicht jeder alte Hausanschluss kommt mit dem steigenden Druck in Fernwärmenetzen klar.

Nicht jeder alte Hausanschluss kommt mit dem steigenden Druck in Fernwärmenetzen klar.

Bild: © penofoto.de/Adobe Stock

Von Jürgen Walk

Die Stadtwerke Bielefeld stoßen bei der Modernisierung ihres Fernwärmenetzes auf ein Problem: Um die Versorgungssicherheit und Energieeffizienz in den kommenden Jahren zu steigern, sollen künftig auch bei Ausfällen einzelner Leitungsabschnitte möglichst alle angeschlossenen Wohneinheiten zuverlässig mit Wärme versorgt werden. Dazu schließen die Stadtwerke einerseits bestehende Netzlücken und installieren andererseits auch zusätzliche Pumpen. Aber die neuen Pumpen erhöhen den Druck im Wärmenetz.

Für die große Mehrheit der Hausanschlüsse ist der höhere Druck kein Problem. Ein kleiner Teil der Anlagen jedoch ist nicht über eine Fernwärmeübergabestation ans Wärmenetz angeschlossen, sondern über eine direkte Leitung. Und da kann es bei Lecks gefährlich werden. Solche Anlagen sind nach Angaben aus Bielefeld in der Regel älter als 45 Jahre. Die Stadtwerke nehmen derzeit Kontakt mit den Besitzern solcher Anlagen auf.

Heißdampf fließt direkt in die Heizungsanlage

Von den 4300 Fernwärme-Hausanschlüssen in Bielefeld arbeiten nur noch 280 in dieser veralteten, direkten Betriebsweise. Bei ihnen fließt das heiße Fernheizwasser mit Temperaturen von über 110 Grad Celsius direkt durch die hausinterne Heizungsanlage. Das heißt aber auch: Im Falle eines Lecks in den alten Anlagen, der durch den höheren Druck wahrscheinlicher geworden ist, besteht das Risiko, dass heißer Wasserdampf mit mehr als 100 Grad in der Hausinstallation austritt.

Um die damit verbundenen Risiken zu minimieren, empfehlen die Stadtwerke dringend die Umstellung auf indirekte Anschlüsse. Ein Wärmetauscher trennt dabei den städtischen Fernwärmekreislauf und den internen Wasserkreislauf, wodurch die Gefahr von Leckagen und austretendem Heißdampf deutlich sinkt.

Die Umrüstung bietet neben der höheren Betriebssicherheit auch Vorteile bei der Energieeinsparung. Moderne Steuerungssysteme, wie die außentemperaturabhängige Regelung oder die Nachtabsenkung, können den Wärmeverbrauch der Gebäude merklich reduzieren, heißt es in Bielefeld. 

Die Kosten für die Hausbesitzer variieren stark je nach Anschlussleistung und Zustand der bestehenden, nachgelagerten Heizungsanlage. Sie können bei einstelligen Tausenderbeträgen, aber auch bis zu mehreren 10.000 Euro bei großen Mehrfamilienhäusern oder Industriekunden liegen, heißt es in Bielefeld. Für die Investitionen stehen aber Fördermöglichkeiten bereit. Neben Programmen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und der Bezirksregierung Arnsberg bieten die Stadtwerke eine eigene Abwrackprämie von 50 Euro pro Kilowatt Heizleistung; mindestens 500 und bis maximal 10.000 Euro. Betroffene Eigentümer sollen so motiviert werden, die Modernisierung zeitnah umzusetzen. Grundstückseigentümer erhalten nach der ersten Kontaktaufnahme durch die Stadtwerke ein Zeitfenster von rund zwei Jahren, um die Umstellung gemeinsam mit einem Heizungsfachbetrieb vorzunehmen.

Holger Mengedodt, Geschäftsbereichsleiter Wärme, betont, dass die Umstellung ein zentraler Baustein für die Zukunftsfähigkeit der Fernwärme sei. Schon heute stammen über 70 Prozent der in Bielefeld eingespeisten Fernwärme aus erneuerbaren Quellen oder unvermeidbarer Abwärme. Die Modernisierung der letzten direkten Hausanschlüsse soll dazu beitragen, diese nachhaltige Entwicklung fortzusetzen und die Sicherheit des gesamten Netzes zu erhöhen.

Ziel der Stadtwerke ist es, bis spätestens 2027 alle noch verbleibenden direkten Hausanschlüsse in Bielefeld auf den aktuellen Stand der Technik zu bringen.

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