Trotz Problemen bei einzelnen Projekten hält die Landesregierung von Sachsen-Anhalt am Ausbau von Wasserstoff fest.

Trotz Problemen bei einzelnen Projekten hält die Landesregierung von Sachsen-Anhalt am Ausbau von Wasserstoff fest.

Bild: © Scharfsinn86/Adobestock

Von Jürgen Walk

Mit dem Wärmeplanungsgesetz, das Anfang 2024 in Kraft trat, hat die kommunale Wärmeplanung in Deutschland spürbar an Dynamik gewonnen. Ziel dieser Pläne ist es, den Pfad zu einer klimaneutralen Wärmeversorgung aufzuzeigen und die Dekarbonisierung von Haushalten, Unternehmen und öffentlichen Liegenschaften zu ermöglichen. Derzeit sind rund 725 kommunale Wärmepläne in den gut 10.000 Kommunen abgeschlossen. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) hat sich viele davon angeschaut – und kommt zu einem durchwachsenen Fazit.

Eine Analyse der bislang veröffentlichten Wärmepläne habe deutliche Unterschiede in Qualität und Detailtiefe gezeigt, heißt es beim BBSR. Die Spannweite allein bei der Länge reiche von 12 Seiten in Flensburg bis zu 300 Seiten in der Verbandsgemeinde Rhein-Mosel. Viele Pläne verwendeten zudem sehr allgemeine Annahmen, ohne sie auf die lokalen Gegebenheiten anzupassen. 

Bauwirtschaft schafft die hohe Sanierungsquote nicht

Selbst grundlegende Kennziffern wie der aktuelle Wärmeverbrauch von Wohngebäuden oder die Aufteilung der Energieträger fehlen teilweise, so die Kritik. Dies erschwere die Nachvollziehbarkeit und die Vergleichbarkeit der Ergebnisse erheblich.

Die BBSR-Untersuchung habe zudem ergeben, dass die Pläne häufig auf sehr optimistischen Prämissen beruhen. Die meisten Kommunen unterstellen eine Verdopplung oder gar Verdreifachung der bisherigen Sanierungsrate auf durchschnittlich zwei Prozent pro Jahr. Aus Sicht des BBSR ist die Bauwirtschaft derzeit überhaupt nicht in der Lage, eine derart hohe Sanierungsquote flächendeckend umzusetzen. 

Gleichzeitig werden in manchen Plänen beachtliche Effizienzgewinne in der Industrie und im Gewerbe vorausgesetzt, die bislang kaum belegt seien. Das führe zu Prognosen eines sinkenden Wärmebedarfs, die möglicherweise zu niedrig angesetzt sind und den tatsächlichen Bedarf an Erzeugungskapazitäten unterschätzen.

Eine Schlüsselrolle in der Wärmewende sehen die Kommunen in den Wärmenetzen. Derzeit decken diese im Durchschnitt nur 9 Prozent des Wärmeverbrauchs, sollen bis zu den jeweiligen Zieljahren aber auf rund 37 Prozent ausgebaut werden. Der Aufbau dieser Netze sei jedoch komplex und langwierig, heißt es beim Bundesinstitut. Das berge angesichts der anvisierten Fristen erhebliche Risiken. Gerade Kommunen, die bereits 2035 oder 2040 klimaneutral sein wollen, stehen vor der Herausforderung, Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie die Realisierung der Netze deutlich zu beschleunigen, heißt es im Papier.

Unsicherheitsfaktor Wasserstoff

Die gewählten technischen Lösungen variieren stark. Während viele Kommunen auf Biomasse, Wärmepumpen und Solarthermie setzen, rechnen andere wie Borken oder Coesfeld mit hohen Wasserstoffanteilen. Letzteres ist aus Sicht des BBSR jedoch mit Unsicherheiten behaftet, da Kosten, Energieverluste und die Verfügbarkeit des Energieträgers gegen einen großflächigen Einsatz im Gebäudebestand sprechen. 

Das Institut empfiehlt daher eine stärkere Standardisierung der kommunalen Wärmepläne. Einheitlich aufbereitete Basisdaten würden nicht nur den Vergleich erleichtern, sondern auch Plausibilitätsprüfungen und Fortschreibungen ermöglichen. So könnten unrealistische Annahmen frühzeitig erkannt und notwendige Korrekturen vorgenommen werden. Ohne eine klare Priorisierung, ausreichende Ressourcen und verbindliche Standards drohe der angestrebte Wandel zu einer klimaneutralen Wärmeversorgung ins Stocken zu geraten.

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