Wies den Vorwurf, dass die Stadtwerke bei der Klimawende 30 Jahre geschlafen hätten, entschieden zurück: Enercity-Chefin Susanna Zapreva (auf Leinwand).

Wies den Vorwurf, dass die Stadtwerke bei der Klimawende 30 Jahre geschlafen hätten, entschieden zurück: Enercity-Chefin Susanna Zapreva (auf Leinwand).

Bild: © Andreas Baumer/ZfK

Geht es nach Volker Quaschning, Professor für regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin,
muss die Zeit des Zögerns und Zauderns in der Klimapolitik nun endlich vorbei sein.

Deutschland brauche eine "Rosskur", um noch schlimmere Klimafolgeschäden zu vermeiden, sagte er auf dem VKU-Stadtwerkekongress. Das gelte insbesondere auch für den Wärmesektor, der in Deutschland noch immer von fossiler Energie dominiert wird.

"Sehr komplexes Thema"

Das nun so schnell wie möglich zu ändern, sei die "unangenehme" Aufgabe der Politik, aber auch der Stadtwerke, "weil man 30 Jahre geschlafen hat".

30 Jahre geschlafen? Das wollte Enercity-Vorständin Susanna Zapreva nicht auf sich sitzen lassen. Gerade in der Wärme handele sich um ein "sehr komplexes Thema", konterte sie.

Kraftwerks-Verkauf "keine leichte Zeit"

Zapreva verwies auf den Verkauf der Enercity-Anteile am Kohlekraftwerk Mehrum vor vier Jahren an den tschechischen Energiekonzern EPH. "Da gab es eine ziemlich große Aufregung", erzählte sie. "Die eigenen Beschäftigten haben es nicht verstanden und viele in der Gesellschaft auch nicht. Das war keine leichte Zeit."

Stadtwerke hätten einen anderen Zugang als manches private Unternehmen, führte sie aus. "Wir versuchen, [die Klimawende] mit den Menschen vor Ort zu gestalten", sagte sie. "Das braucht Zeit und viel Diskussion."

"Wissen, wie die eigene Kommune tickt"

Das sei aber auch die Stärke kommunaler Versorger. "Wir wissen am besten, wer die Stakeholder sind und wie die eigene Kommune tickt."

Ähnlich äußerte sich Heike Heim, Chefin des Dortmunder Energieversorgers DEW21. "Wir sind kein Unternehmen, das nach fünf Jahren Profit wieder geht, wir bleiben vor Ort. Wollen wir die Energiewende erfolgreich gestalten, müssen wir die Gesellschaft mitnehmen."

Heim: Brauchen "Umsetzungsprogramm"

Statt zu schlafen trieben kommunale Unternehmen wie die DEW21 aktiv voran. "Keiner von uns hält an fossilen Energien fest. Was wir aber brauchen, sind klare Rahmenbedingungen."

Von der neuen Bundesregierung forderte Heim ein "konkretes strategisches Umsetzungsprogramm", auch für die Wärme.

"Wird teuer und schwierig"

"Wir müssen den Ausbau erneuerbarer Energien in den nächsten sieben Jahren verdreifachen", sagte die DEW21-Chefin. "Es ist wichtig den Bürgern aufzuzeigen, dass es teuer und schwierig wird – und mit Schmerzen verbunden ist."

Aber eben am Ende nicht so teuer wie die Klimaschäden, wenn nicht gehandelt werde, hakte Energieexperte Quaschning ein. Dazu kam kein Widerspruch. (aba)

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