Frau Floetenmeyer-Woltmann, was sollten Stadtwerke und kommunale Unternehmen bei der Kommunikation der Wärmewende beachten?
Kundinnen und Kunden sind verunsichert genug. Sie brauchen Sicherheit und Verlässlichkeit – für ihre Entscheidungen ebenso wie für die Zukunft ihrer Energieversorgung. Technische Details sind oft weniger wichtig als verständliche Kostenausblicke oder das Vertrauen in den Lokalversorger. Dies schaffen klare, praxisnahe Lösungen und verstehbare Umsetzungsschritte. Eigenheimbesitzer:innen interessieren sich vor allem für bewährte, risikoarme Haustechnik. Achtung: Endkunden nicht mit innovativen Argumentationen ansprechen. Was für Technikinteressierte ein Asset ist, schreckt breite Zielgruppen ab. Besser berichten, dass die in Deutschland vermeintlich neuen Zukunftslösungen international gerade in den kältesten Ländern seit Jahrzehnten Standard sind.
"Die Endlichkeit des Gasnetzes offensiv ansprechen."
Besonders wichtig ist, Ängste vor Fehlern abzubauen und Vorbilder sichtbar zu machen, die zeigen, wie die Umsetzung erfolgreich gelingt. Und bevor ein Kostenaufschrei über den Kommunalversorger hereinbricht, ist es besser, frühzeitig die Dimension der steigenden CO2-Bepreisung und die Endlichkeit des Gasnetzes offensiv anzusprechen. Tipp: Die Kommunikation weiträumig, zum Beispiel im gesamten Landkreis abstimmen, vereinfacht das Management der Reaktionen. Souveräne Gelassenheit zeigen!
Wie bewerten Sie die Bedeutung der verschiedenen Technologien – Geothermie, Fernwärme, Wärmepumpe etc. – für die Wärmewende?
Die Wärmewende braucht viele Technologien. Für Einzelgebäude wird es in der Regel die effiziente Wärmepumpe sein, wer auf Holz oder Pellets setzt, hat hoffentlich einen eigenen Wald. Wasserstoff wird für die Spitzenlast in Kraftwerken zum Tragen kommen, auf keinen Fall aber in Endkundennetzen. Biogas reicht auch nur für ganz wenige. Die Fernwärmenetze werden nicht mehr durch Kraft-Wärme-Kopplung versorgt werden, sondern durch Flusswasser-Wärmepumpen und tiefe Geothermie, manchmal wohl auch durch Luftwärmepumpen oder Pyrolyse. Außerdem wird alles verbrannt werden, was als Brennstoff in größeren Mengen verfügbar ist, also in erster Linie Abfall.
Für die Kommunikation der Wärmewende ist diese Vielfalt ein Problem. Denn scheinbar ist eine große Auswahl da, aber im Einzelfall geht dann doch immer nur ganz wenig. Rund um die Fernwärme gilt zudem, dass die Wärmequellen natürlich klimaneutral sein sollen, aber auch zuverlässig und bezahlbar. Es dürfte sich empfehlen, den Plan als solches und anlassbezogen einzelne Projekte in das Zentrum der Kommunikation zu rücken, um die Kund:innen nicht zu verwirren.
Wegen des zunehmenden Ausbaus der Fernwärme berichten Unternehmen, dass Endkundinnen und -kunden oft den Kauf einer Wärmepumpe zurückstellen. Zu Recht?
Vielfach herrscht Verwirrung über die kommunale Wärmeplanung. Kundinnen und Kunden erwarten fälschlicherweise, dass ein Wärmenetz auch in dezentralen Gebieten verfügbar sein wird. Dabei stehen die dezentralen Gebiete praktisch in jeder Kommune schon fest – oft noch bevor die Wärmeplanung offiziell startet.
Hier ist frühzeitige Aufklärung entscheidend: Ein Wärmenetz erfordert jedoch viele Abnehmerinnen und Abnehmer, um wirtschaftlich tragfähig zu sein – und das ist in dezentralen Lagen nicht der Fall. Zudem gibt es reichlich dichtbesiedelte kommunale Wohngebiete, die mit Netzen versorgt werden können. Bis die abgearbeitet sind, haben sich alle Ein- und Zweifamilienhausbesitzenden hoffentlich längst eine Wärmepumpe zugelegt.



