Das Stadtwerk am See hat seit 2015 die Blockheizkraftwerk(BHKW)-Anzahl nahezu verdoppelt – von 23 auf 40. Wobei 39 davon ihre eigenen sind und eins von ihnen betreut wird. Denn Kunden profitieren von dem Schwerpunkt des Stadtwerks. So könnten sie bei den Energielösungen und -netzen rund um die Kraft-Wärme-Kopplungs(KWK)-Anlagen Beratung, Planungsprozesse, Umsetzung, Wartungsservice und Betriebsführung aus einer Hand erhalten.
Andreas Bachmaier, Bereichsleiter für Energiesysteme, erläutert gegenüber der ZfK, dass sie im KWK-Bereich Wachstumspotenzial sehen: "Der Aufbau von Wärme-Komplettlösungen für Industrie, Gewerbe, Wohnungswirtschaft/Wohneigentümergemeinschaften und Privathaushalte ist ein wesentlicher Eckpfeiler unserer Unternehmens-Strategie."
Übernahme von BHKW ins Portfolio
So zeigt sich das Stadtwerk künftig auch an der Übernahme von BHKW von Dritten interessiert. Die Gründe hierbei sind vielfältig. Zum einen habe das Stadtwerk mittlerweile die Kompetenz zur Wartung solcher Anlagen intern personell ausgebaut, sodass "wir hier ein für uns sinnvolles und rentables Geschäftsfeld sehen, welches wir im Übrigen mit neuen Anlagen auch schon seit Jahren intensiv bearbeiten", so Bachmeier.
Zum anderen würden bestehende Anlagen um neue Technologien ergänzt und in Komplettlösungen überführt wie beispielsweise mit Wärmepumpen.
Anlagen profitierten von Förderung
Trotz sinkender Fördersätze ist das Geschäft dennoch profitabel: Im Ergebnis helfen Förderungen und Fördersätze mit dabei, dass sich die Investitionen innerhalb von zehn Jahren Laufzeit amortisieren. Den meisten Projekten kam die Unterstützung aus dem Bereich des Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetzes und dem KWK-Bonus zu Gute.
Wohingegen projektspezifisch ein BHKW im Rahmen des EFRE-Projektes "Nahwärme zwischen Wohnen und Arbeiten in Friedrichshafen" gefördert wurde. In diesem Pilotprojekt wird Abwärme aus Industriebetrieben als Nahwärme nutzbar gemacht und in Nahwärmenetzen an öffentliche Einrichtungen und Wohngebäude in Zusammenarbeit mit der Wohnungswirtschaft verteilt. Im ersten Schritt versorgt dies rund 300 Wohnungen. Die Investitionen bei den BHKW des Stadtwerks liegen insgesamt im mittleren siebenstelligen Bereich.
Im Schnitt laufen die BHKW 5500 Betriebsstunden im Jahr
Dabei liefern die BHKW des Stadtwerks abhängig vom Einsatzgebiet einen Anteil an der Wärmebereitstellung von bis zu 95 Prozent. In der Regel decken sie den Anteil der Wärme zu 50 Prozent. Darüber hinaus wird die KWK-Technologie zur Eigenstromversorgung, Mieterstromversorgung, Kappung von Spitzenlasten aus dem Netz oder für die Netzoptimierung eingesetzt.
Da diese derzeit hauptsächlich wärmegeführt betrieben werden, laufen die BHKW in der kalten Jahreszeit nahezu durchgehend. In den Sommermonaten plant das Stadtwerk dann Wartungsintervalle ein. Im Schnitt werde bei den Anlagen von rund 5500 Betriebsstunden pro Jahr ausgegangen, so Bachmeier.
Altanlagen durch Brennstoffzellen ersetzen
In diesem Zuge wird sich bereits um die Zukunft Gedanken gemacht. Die Anlagen sind modern. Sie können bereits jetzt neben Erdgas auch Biomethan oder Wasserstoff verarbeiten.
Dennoch macht die Entwicklung keinen Halt: Künftig sollen Altanlagen durch moderne Brennstoffzellen ersetzt werden. Wodurch ebenfalls eine gekoppelte Produktion von Strom und Wärme ermöglicht und das Reduktionspotential von CO2 ebenfalls gehoben würde, skizziert Bachmaier die Zukunft.
Blick auf die bisherigen Einsparungen
Mit den jetzigen BHKW hat sich bei dem 348-Mitarbeiter-Betrieb bereits einiges getan. In diesem Zusammenhang stieg die Stromerzeugung seit 2015 von 6,4 Mio. kWh auf 13,3 Mio. kWh an. Gleichzeitig sparten sie damit 2500 Tonnen CO2 ein und emittieren nun noch 4900 Tonnen CO2. (gun)



