Mit Blick auf die Anforderungen der Energieeinsparverordnung hat insbesondere die Wohnungswirtschaft großes Interesse an niedrigen Primärenergiefaktoren (ein Indikator für die eingesetzte Energiemenge von der Quelle bis zum Verbraucher) und einem geringen CO2-Ausstoß von Immobilien. Das bekommt auch die Dortmunder Energie- und Wasserversorgung (DEW21) beim Umbau ihres Fernwärmenetzes zu spüren. Der Primärenergiefaktor der leitungsgebundenen Wärme liegt aktuell bei 0,45, wird durch die zunehmende Einbindung von Industrieabwärme aber bis 2025 auf 0,3 sinken. Dies weckt auch Begehrlichkeiten bei Hauseigentümern, die nicht an das Fernwärmenetz angebunden sind. Unter anderem für diese hat das Unternehmen die Produktpalette "Echte Wärme" entwickelt. Diese ermöglicht Kunden, "die Qualität ihrer Wärmelieferung selbst zu bestimmen, ohne sich sich Gedanken über die Heizungstechnik machen zu müssen", teilt der Versorger mit.
Contractingverträge
Fünf Wärme-Produkte stehen zur Auswahl: ideal, Klassik, smart, smart+ und exklusiv. Sie unterscheiden sich im Primärenergiefaktor und im CO2-Ausstoß. Möglich wird dies durch zehnjährige Contractingverträge, bei denen diverse Heiztechniken zum Einsatz kommen. Beim Tarif "Wärme Klassik" beispielsweise wird ein Brennwertkessel installiert, der Primärenergiefaktor der Wärme liegt bei 1,23. Bei der umweltfreundlichsten Variante "Wärme Exklusiv" wird auf regenerative Kombitechnik zurückgegriffen, der Primärenergiefaktor beträgt hier 0,3. Das Produkt soll perspektivisch deutschlandweit angeboten werden. "Wir kombinieren individuelle Lösungen für jeden Anspruch mit dem Wir-kümmern-uns-um-alles-Prinzip und ermöglichen unseren Kunden damit den Zugang zu einer der effizientesten Wärmeversorgungen in Deutschland", erklärte Heike Heim, die Vorsitzende der Geschäftsführung der DEW21.
Neues Bündelprodukt "Webkumpel"
Zudem plant DEW21 im März sein erstes Bündelprodukt gemeinsam mit Partnern des Dortmunder Stadtwerkeverbunds. Dabei werden Strom und eine Internetflat in zwei Qualitäten mit entweder 16 Mbit oder 100 Mbit kombiniert. "Strom und Internet werden in Dortmund jetzt Kumpels" wird der Slogan lauten, das Produkt trägt den Namen "webkumpel16" und "webkumpel 100". Das Kombiprodukt wird gemeinsam mit der Telekommunikationstochter DOKOM angeboten und soll vor allem Bestandskunden ansprechen. Im Bereich Energieeffizienz wird ein Konzept zur Steuerung von Elektro-Nachtspeicherheizungen getestet, bei welchen nicht mehr nachts, sondern nach Nutzerbedarf ge- und entladen werden soll. Das Pilotprojekt erfolgt bei sieben Nachtstromkunden, dabei kooperiert der Versorger mit Marktpartnern des Elektrohandwerks.
Kooperationen im Bereich E-Mobility
Im Bereich E-Mobility hatte DEW21 bisher vor allem Geschäftskunden im Fokus, ab Ende März wird es nun auch Produkte für Privatkunden geben. Diese reichen von der Beratung rund um das passende Fahrzeug bis zur Wallbox-Installation vor Ort in Kooperation mit den Elektroinnungen Dortmund und Lünen. Die Neuerungen fallen zusammen mit dem Anfang des Jahres gestarteten Transformationsprozess. Das Ziel: Das Unternehmen soll sich in fünf Jahren zu einem innovativen Energiedienstleister entwickeln. "Es ist für regionale Energieversorger vor dem Hintergrund des anhaltenden Wettbewerbsdrucks auf dem Energiemarkt unumgänglich, die eigene Rolle im städtischen Infrastruktursystem neu zu definieren, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen und sich mit neuen Geschäftsmodellen zu positionieren", so Heike Heim.
Geschäftsjahr 2018 im Plan
Strategiearbeitsgruppen haben in den vergangenen Monaten über Abteilungen und Ressorts hinweg Marktchancen bewertet, Geschäftsfelder erarbeitet und über 200 Wachstums- und Effizienzmaßnahmen im Rahmen der neuen Unternehmensstrategie "#aufbruchDEW21" entwickelt. Die Anpassungen erfolgen auf einer weiterhin sehr soliden wirtschaftlichen Grundlage. Zwar liegen die Zahlen des Geschäftsjahres 2018 noch nicht vor. "Wir erwarten aber, dass wir auf Planniveau abschließen können", versicherte die DEW21-Chefin. 2017 hatte das Unternehmen ein Ergebnis vor Steuern in Höhe von 58,7 Mio. Euro erzielt.
2019 ist außerdem das Jahr, in dem die Tochter DONETZ die Automatisierung und Digitalisierung der Prozesse im Netzbetrieb vorantreiben wird. Ein Workmanagement-System soll künftig für die Bereitstellung von sämtlichen Informationen auf einer digitalen Plattform sorgen, die ortsunabhängig von den Mitarbeitern über mobile Endgeräte abgerufen werden können. Ein Vorteil: Die Arbeitsaufträge werden schnittstellenfrei vorbereitet, geplant, vergeben und nach Ausführung direkt elektronisch zurückgemeldet.
Pilotprojekte mit Green Pocket
Ein Jahr alt ist mittlerweile die Verbindung zu dem Softwareanbieter Green Pocket. Das Kölner Unternehmen hat frühzeitig spezielle White-Label-Software-Lösungen für regionale Energieversorger und Stadtwerke als Wachstumsmarkt erkannt. DEW21 ist mit einem Anteil von 25,1 Prozent Anteilseigner, aber vor allem ein enger strategischer Partner mit dem Ziel, datenzentrierte Geschäftsmodelle zu entwickeln. Auf der gemeinsamen Liste der Pilotprojekte stehen Angebote für die Wohnungswirtschaft zur Messung und Aufbereitung sämtlicher Messdaten, der Einsatz eines Portals für Prosumer zur einfachen Darstellung und wirtschaftlichen Überwachung von Einspeisemengen und Energiebezug und der Einsatz eines Energiemanagementportals für Industrie, Filialisten und Mittelstand nach ISO 50.001/50.003 und DIN 1624 mit vielfältigen Reportingfunktionen für ein professionelles Facilitymanagement.
DEW21 wird Mitte März zudem zum Smart-Meter-Gateway-Administrator zertifiziert: Das ist die Grundvoraussetzung, um künftig intelligente Zählersysteme (iMSys) anbieten und selbst betreiben zu können. Zum Einbau dieser digitalen Zähler mit Kommunikationseinheit sind bereits die Verbraucher bis zum Jahr 2032 verpflichtet, deren Jahresstromverbrauch größer als 6000 kWh ist.
PV-Ausbau geplant
Weiterhin erfüllen will DEW21 ihre Schlüsselfunktion in der lokalen Energiewende bei der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Die DEW21, die neben ihren 60 Windkraftanalagen auch Strom aus Deponiegas, Wasserkraft und Photovoltaik (Gesamterzeugungsleistung 2018: rd. 205,9 GWh) produziert, will ihre regenerativen Erzeugungskapazitäten weiter ausbauen. Zum einen soll ab Mitte 2019 Gewerbe- und Industriekunden mit kleineren und mittleren Dachflächen eine Komplettlösung aus Planung, Bau, Betrieb und Instandhaltung im Contracting angeboten werden. Zum anderen prüft DEW21 zurzeit die Nutzung von brachliegenden Freiflächen im Stadtwerkeverbund zur Installation von PV-Anlagen in einer Größe von 100 bis 750 kW.
Der Umbau des Dortmunder Fernwärmenetzes kommt derweil planmäßig voran, allein in diesem Jahr baut DEW21 an acht großen Baustellen im Stadtgebiet. Im Rahmen der Wärmewende erhält das Unternehmen weitere Fördermittel in Höhe von 1,323 Mio. Euro aus dem "Programm Rationelle Energieverwendung, Regenerative Energien und Energiesparen" (progres.nrw) vom Land Nordrhein-Westfalen. (hoe)



