Im Anschluss an die Versorgungsengpässe in der Fernwärme in Jena hat die ZfK mit Gunar Schmidt, Geschäftsführer Stadtwerke Jena Netze und Leiter Krisenmanagement, gesprochen. Weitere Informationen hierzu sind in der März-Ausgabe 2021 der Zeitung für kommunale Wirtschaft (ZfK) zu finden.
Welche Sicherheitsprotokolle gelten bei Ihnen im Havarie-Fall?
Bei solchen Havarien greifen zunächst unsere Reparaturstandards. Allerdings wurde schnell klar: Diese Havarie bedeutet eine Versorgungseinschränkung, die nicht in wenigen Stunden behoben ist. Letztlich waren 6500 Haushalte von den Einschränkungen betroffen. Daher aktivierten wir mittags den Krisenstab der Stadtwerke.
Das Krisenmanagementsystem liegt in Verantwortung der Stadtwerke Jena Netze. Gemeinsam mit vielen Unternehmensbereichen haben wir es in vergangenen Jahren permanent ausgebaut. Als Betreiber kritischer Infrastruktur sind wir dazu verpflichtet. Der Ausfall wichtiger Versorgungsleitunge, zählt zu den Gründen, die eine Aktivierung des Krisenmanagements auslösen können.
Die Prozesse und Abläufe zur Einberufung, während und natürlich auch zur Beendigung eines Notfall- und Krisenfalls sind in entsprechenden Anweisungen beschrieben. Auch die Aufgaben der Stabsfunktionen, etwa "Gefahr- und Schadenslage", "Gas/Wasser/Strom" oder auch Medienarbeit und Krisenkommunikation sind darin definiert. Auch für die Zusammenarbeit mit den Krisenstäben der Stadt, des Landkreises oder der Feuerwehr gibt es fest skizzierte Abläufe.

Wie kann das Vertrauen der Bevölkerung in die Fernwärme wieder gesteigert werden?
In Jena genießt die Fernwärme seit jeher eine hohe Akzeptanz. Rund 60 Prozent der Wohnungen in Jena werden damit beheizt. Die Neubaugebiete zu DDR-Zeiten aus den 70er- und 80er-Jahren boten mit dem Fernwärmeanschluss ein hohes Maß an Komfort. Dazu zählte auch die zentrale Versorgung mit Fernwärme. Dies ist sicher in vielen Städten der früheren DDR so. Die Akzeptanz für Fernwärme ist also sehr hoch.
Die Stadtwerke Jena haben das Thema "Fernwärme" aber auch positiv besetzt. In Jena prägen die Fernwärmeleitungen an vielen Stellen auch oberirdisch das Stadtbild. Seit über 15 Jahren werden die "Adern von Jena" regelmäßig in Szene gesetzt – sei es durch Konzerte, Schulaktionen oder künstlerische Gestaltungen. Auch das trägt dazu bei, eine hohe Akzeptanz der Fernwärme zu erhalten.
Was sind Ihre Lehren aus den Versorgungsengpässen?
Das regelmäßige Proben von Strukturen und Abläufen des Notfall- und Krisenmanagements ist essentiell. Das zeigte sich bei den Abläufen, aber auch dadurch, dass sich die Kollegen, die die Funktionen im Krisenstab besetzen, bereits kennen. Denn im normalen Arbeitsalltag haben viele Kollegen ja manchmal kaum beziehungsweise fast gar nicht miteinander zu tun.
Die erfolgreiche Havariebekämpfung in der Nacht vom 10. auf den 11. Februar hat für mich eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig regelmäßige und praxisnahe Übungen sind. Der große Aufwand lohnt sich. Die festen Abläufe im Krisenmanagement bringen Struktur und Sicherheit in einem solchen Krisenfall.
Wir haben bis zum erfolgreichen Abschluss in zwei Szenarien gedacht und diese auch fortlaufend skizziert: Den "best case" und den "worst case". Das haben viele Kollegen als extrem hilfreich empfunden. Noch in der Nacht wurde trotz Corona-Pandemie und Wintereinbruch der "best case" Realität. Das zeigt mir, dass auf unsere Teams Verlass ist. Ein weiterer Punkt, der uns sehr positiv in Erinnerung bleibt, ist die Solidarität und die Hilfestellung anderer Stadtwerke. Diese haben schnell und unkompliziert Notwärme-Anlagen bereitgestellt.
Wie haben die Kunden reagiert?
In der öffentlichen Reaktion überwog stark das positive Feedback – auch in der Berichterstattung. Anwohner am Havarieort brachten Tee und Kaffee vorbei. Es gab Dankesmails und positives Feedback auf den Online-Kanälen – das tat uns allen gut nach diesem Kraftakt. Hierzu hat auch sicher unsere stringente und transparente Kommunikation während der Havarie beigetragen: Es gab acht Updates binnen 24 Stunden, die wir über verschiedene Kanäle gestreut haben.
In einer Mail vom Vormittag des 11. Februar hieß es: "Es war eine Freude, dass heute früh das Warmwasser und die Heizung wieder vorhanden waren." Eine solche Wertschätzung unserer Arbeit ist ja leider nicht selbstverständlich – und freut daher umso mehr!
Die Fragen stellte Julian Korb.
Mehr Informationen zu den jünsten Fernwärmeausfällen und ein Interview mit N-Ergie-Chef Josef Hasler finden Sie in der aktuellen ZfK.
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