EnBW hat sich zwei Aufträge zur klimaneutralen Versorgung gesichert: Zum einen von der Gambro Dialysatoren GmbH mit Sitz im baden-württembergischen Hechingen, die 2040 vollständig CO2-neutral Dialysegeräte herstellen möchte. Möglich machen soll das die EnBW Contracting, die Gambros Produktionsstätten und Gebäude seit mehr als 20 Jahren mit Energie versorge, teilten die Partner mit.
Ungenutzte Abwärme
Ein zentraler Hebel dafür ist demnach die Nutzung von bisher ungenutzter Abwärme. Diese entsteht etwa durch Druckluft-Kompressoren und heißes Abwasser, das bei der Herstellung von Dialyseprodukten anfällt. Bislang wurde diese Wärmeenergie ungenutzt rückgekühlt – ein Prozess, der viel Strom erfordert.
Geplant ist nun, diese Wärme über optimierte Systeme und zusätzliche Infrastruktur sinnvoll einzusetzen. Dazu zählen der Bau neuer Wärmenetze, der Einsatz effizienterer Wärmetauscher und die Integration größerer Pufferspeicher. Andreas Hockun, Geschäftsführer der EnBW Contracting GmbH, betont: "Mit vergleichsweise kleinen Anpassungen, kombiniert mit gezielten Investitionen, können wir eine signifikante Wirkung erzielen. Das ist ein wichtiger Schritt, der schnell umsetzbar ist."
Der Weg zur Klimaneutralität ist dabei in vier Phasen gegliedert: In Phase eins soll bis Mitte 2025 die Abwärme direkt ins bestehende System eingespeist werden. Noch im selben Jahr soll eine Wärmepumpe installiert werden – Phase zwei. EnBW investiere allein für die ersten beiden Phasen mehr als zwei Millionen Euro.
2026 soll dann Phase drei starten und eine Hochtemperatur-Wärmepumpe dazukommen. Phase vier schließlich sieht die Entwicklung eines klimaneutralen Energieversorgungskonzepts vor. Dazu dienen Daten aus den vorangegangenen Phasen.
Erdwärme für neues Quartier
Darüber hinaus hat die EnBW-Geschäftseinheit "Nachhaltige Quartiere" den Auftrag erhalten, das neu entstehende Quartier "Wohnen im Klostergarten" in Laupheim (Baden-Württemberg) klimaneutral zu versorgen. Partner ist das Bau- und Immobilienunternehmen Matthäus Schmid. Der Bau der neun Mehrfamilienhäuser auf einer Fläche von 1,1 Hektar soll noch in diesem Dezember beginnen, die ersten Bewohnerinnen und Bewohner sollen 2026 einziehen.
Das Herzstück des Quartiers ist ein Niedertemperatur-Nahwärmenetz, das die Gebäude über eine Geothermieanlage miteinander verbindet. Unter einer Tiefgarage sollen 24 Erdsonden installiert werden, die bis zu 200 Meter in die Tiefe reichen. Sole-Wasser-Wärmepumpen heben die gewonnene Erdwärme auf das für Heizung und Warmwasser nötige Temperaturniveau.
Den benötigten Strom werden Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von insgesamt 230 Kilowatt auf den Dächern der Gebäude erzeugen. Überschüssiger Strom wird ins öffentliche Netz eingespeist, während zusätzlicher Bedarf durch Ökostrom gedeckt wird.
Stabile Energiepreise
Über das Mieterstrommodell von EnBW können die künftigen Mieterinnen und Mieter diesen lokal erzeugten Strom beziehen. Durch den hohen Autarkiegrad würden die Preise für Wärme und Strom über Jahrzehnte stabil bleiben, wirbt das Unternehmen. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle unterstützt das Projekt über die "Bundesförderung für effiziente Wärmenetze".
