Rund 60 Prozent weniger CO2-Ausstoß als bei einer vergleichbaren Kohlekraftanlage, so die Kalkulationen der EnBW nach dem Umbau des Heizkraftwerks am Standort Stuttgart-Münster. Derzeit arbeiten in Münster noch drei kohlebefeuerte Kessel aus den 1980er und 90er Jahren sowie drei heizölbetriebene Turbinen.
Das neue Konzept des Projektes "Fuel Switch" stellte die EnBW am Dienstag in einer Pressekonferenz vor: Anstelle der kohle- und heizölbetriebenen Anlagen sieht es eine Kombination aus Gaskesseln zur direkten Wärmeerzeugung und von Gasturbinen vor. Letztere produzieren nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) über einen Abhitzekessel Dampf, der dann besonders Strom und Wärme zugleich erzeugen kann.
Bis zu 24 MW Leistung: Die Groß-Wärmepumpe
Die genaue technische Konstellation wird in europaweiten Ausschreibungen ermittelt. Die Anlagenkombination soll über eine installierte Leistung von 165 MW Wärme und maximal 160 MW Strom verfügen. Ergänzt wird dieses durch eine Groß-Wärmepumpe (GWP), die noch mal rund 20 bis 24 MW Leistung zusteuert.
Hierbei profitiert das Unternehmen von der Förderung des Bundeswirtschaftsministeriums im Rahmen des Reallabors "Großwärmepumpen in Fernwärmenetzen". Der Zuschuss wird zum einen auf die Investitionskosten sowie auf den laufenden Betrieb der GWP erteilt und werde rund 16 Mio. Euro umfassen. Die geschätzten Investitionskosten für das gesamte Projekt liegen bei 200 Mio. Euro.
Erdgas bleibt Brückentechnologie: Aber Wasserstoff-ready
Dirk Güsewell, Leiter der Portfolio-Entwicklung der EnBW-Energieerzeugung, betont zudem auf der Pressekonferenz: "Die Emissionswerte und insbesondere der geringere CO2-Ausstoß zeigen den Stellenwert von Gas als Brückentechnologie." Aber: Die neuen Turbinen würden schon so ausgelegt, dass sie "grüne" Gase – zum Beispiel Wasserstoff aus erneuerbaren Energien – sofort mitverbrennen könnten. Damit die EnBW ihre Fernwärme bis 2035 klimaneutral umsetzen könnte. Auch eine vollständige Umrüstung wäre perspektivisch möglich, so Güsewell.
Die ergänzende Wärmepumpe soll die Restwärme aus dem Kühlwasser der Stromerzeugung und der Müllverbrennung zur Energiegewinnung nutzen. Dadurch steigert sie den Wirkungsgrad der Gesamtanlage auf bis zu 92 Prozent.
Weiterer Ablauf: Kohleausstieg 2025 möglich
Das Projekt benötigt deshalb rund vier Jahre bis zur Inbetriebnahme, weil u.a. umfangreiche Umbaumaßnahmen auf dem Gelände notwendig sind. Nach den ersten Rückmeldungen von Bürgern, Behörden und Verbänden will die EnBW im nächsten Schritt ihre Planungen aktualisieren.
Voraussichtlich im vierten Quartal 2021 soll der Genehmigungsantrag beim Regierungspräsidium Stuttgart eingereicht werden. Genehmigung und endgültige Investitionsentscheidung vorausgesetzt, könnte der Bau der neuen Anlagen im ersten Quartal 2023 beginnen. Voraussichtlich im ersten Halbjahr 2025 wäre dann der Kohleausstieg in Stuttgart mit der Inbetriebnahme der neuen Turbinen abgeschlossen. (gun)



