Es ist der Traum jedes kommunalen Liegenschaftsmanagements und jeder Schulleitung: Eine Schule in den Sommerferien komplett energetisch sanieren, ohne Unterbrechung des Schulbetriebs. Die gute Nachricht: Der Traum kann Wirklichkeit werden.
Den Schritt vom Traum zur Realität zeigt das Beispiel der Integrierten Gesamtschule Kreyenbrück mit gymnasialer Oberstufe in Oldenburg, kurz IGS. Ein typischer Bau der 1970er Jahre, mit einer Erweiterung 1996: errichtet in Stahlbetonskelettbauweise, zwischen den Stützen vergleichsweise schlecht gedämmte Wandelemente.

Ganz weit oben auf der Sanierungsliste
Mit einem Energieverbrauch von 130 Kilowattstunden je Quadratmeter Nettogeschossfläche pro Jahr, Mängeln beim sommerlichen Wärmeschutz und beim Raumklima sowie einer in die Jahre gekommenen Bausubstanz stand die IGS Kreyenbrück auf der Sanierungsliste des Eigenbetriebs Gebäudewirtschaft und Hochbau (EGH) der Stadt Oldenburg weit oben. Schon 2016 beschloss die Stadt Oldenburg, die IGS als erste Schule in Niedersachsen seriell zu sanieren.
"Aufgrund seiner weitestgehend glatten Fassade ohne viele Vor- und Rücksprünge eignete sich das Gebäude besonders gut als Pilotprojekt", sagt Klaus Schavan, Leiter des städtischen Eigenbetriebs. Wichtigstes Ziel neben der Energieeinsparung und der Vermeidung von CO2-Emissionen war, den Schulalltag der rund 1000 Schülerinnen und Schüler und des Kollegiums so wenig wie möglich zu stören. Statt Klassen teuer in Container auszulagern und die Schule jahrelang Abschnitt für Abschnitt zu sanieren, sollte alles in nur fünf Wochen erledigt sein.
Intensive Vorplanung sichert schnelle Sanierung
So ganz stimmt die Aussage "Sanierung in den Sommerferien" dann aber doch nicht. Denn vor den eigentlichen Bauarbeiten liegen bei der seriellen Sanierung sehr intensive Monate für Planung, Ausschreibung, Abstimmung, Produktion und Baustellenvorbereitung.
Grundlage aller Entscheidungen und Pläne ist ein sehr genauer Scan des ganzen Gebäudes durch einen mobilen Hochleistungsscanner. Aus der riesigen Menge erfasster Punkte errechnet eine Software ein digitales 3D-Modell. An diesem wird mit einer BIM-Software (Building Information Modelling) die Sanierung geplant, die Anforderungen der Gewerke wie Elektrik, Datenleitungen oder Dachentwässerung werden integriert und immer wieder mit der gebauten Realität verglichen.

Rasanter Bauablauf
Die Bauarbeiten vor Ort gleichen einem Zeitraffervideo. Nur, dass alles in Echtzeit abläuft. Während die Schülerinnen und Schüler ihre Zeugnisse erhalten, sind vor den Fenstern die Vorbereitungen für die Sanierung in vollem Gang.
Kaum ist die Schulgemeinschaft in den Ferien, baut ein Spezialunternehmen die alten Fassaden zurück. Auf die freigelegte Stahlbetonkonstruktion wird zunächst eine Dichtebene aus Mineralwolle montiert, welche die Toleranzen des Bestandes aufnimmt und den bauphysikalisch korrekten Anschluss gewährleistet. Parallel zum Rückbau montieren Fachkräfte die neuen Fassadenelemente vor statt zwischen dem Betonskelett. "Das ergibt einen kleinen Raumgewinn", sagt Architekt Michell Otto.
Element für Element schwebt per Kran an seinen Platz. Ist die neue Fassade montiert, wird die wetterfeste Verkleidung mit einer horizontalen Holz-Leistenschalung komplettiert. Sobald die neue Gebäudehülle steht, montieren die Fachleute von innen die Verkleidungen für die Laibungen und gestalten die Anschlüsse an die bisherigen Raumoberflächen.
Verbrauch sinkt um mehr als die Hälfte
Die Energiebilanz stimmt: Der Energieverbrauch sank von 130 auf 59 kWh pro Quadratmeter. Konkret entspricht das einer Einsparung von 491.000 kWh Wärme oder fast 50.000 Litern Heizöl pro Jahr.
Entsprechend konnte einer der beiden jeweils 600 kW starken Öl-Brennwertkessel abgeschaltet werden. Der zweite dient nur noch als Spitzenlastkessel für sehr kalte Tage. Oder als Backup, falls die drei Jahre nach der Sanierung der Gebäudehülle auf dem Dach der IGS montierte Luft-Wasser-Wärmepumpe mit 215 kW Wärmeleistung ausfallen würde. Für die Versorgung der Mensaküche hebt eine Booster-Wärmepumpe die Trinkwassertemperatur auf über 60° Celsius an und vermeidet so die Bildung von Legionellen. Nicht zuletzt wurde die Beleuchtung auf LED umgerüstet und eine Lüftungsanlage eingebaut.
Bei der Frage nach den besonderen Anforderungen einer seriellen Sanierung nennen alle Beteiligten die hohe erforderliche Kompetenz und fachliche Fähigkeit der Beteiligten. "Ein Projekt wie die IGS Kreyenbrück ist zum Beispiel nichts für einen kleinen Holzbaubetrieb und auch nichts für Anbieter ohne Erfahrung", bringt es Architekt Michell Otto auf den Punkt. Entsprechend müsse die Ausschreibung formuliert sein.
Auch der zeitliche Vorlauf ist wichtig: Je nach Größe und Schwierigkeit des Projektes muss bis zu einem Jahr vor dem Ferientermin die exakte Ausschreibung stehen, und spätestens ein halbes Jahr vor Montagebeginn muss der Auftrag erteilt worden sein. Nicht zuletzt: Betriebsferien in der heißen Phase sind für alle beteiligten Gewerke ein absolutes No-Go. "Es gibt genügend Reiseziele, die auch im Herbst einen schönen Urlaub versprechen", sagt Bauleiter Christoph Zerrenner lachend.



