Von Artjom Maksimenko
Welches Wissen und welche Einstellung hat die deutsche Bevölkerung zum Thema oberflächennahe Geothermie? Welche Faktoren beeinflussen Wissen und Einstellungen? Diesen zwei zentralen Fragen widmete sich Cornelia Wolf, Professorin für Online-Kommunikation an der Universität Leipzig, im Rahmen einer aktuellen Studie.
Dabei wurden unter anderem Umweltbewusstsein, politische Einstellung, soziodemografische Faktoren und die Einstellung zu Wärmepumpen erhoben, da diese Themen medial häufig miteinander verknüpft werden. Ergebnisse, die sie nun auf den ZfK Media Days in Wiesbaden vorstellte, sind ernüchternd.
Missverständnisse und ungünstige Assoziationen
Cornelia Wolf stellte klar: "Die Bevölkerung weiß tatsächlich wenig über oberflächennahe Geothermie." Schon die Assoziationen zu den Begriffen Geothermie und Erdwärmewürden Missverständnisse offenbaren. "Immerhin sieben Prozent verbinden Geothermie mit Geometrie oder Mathematik – das ist nicht nur falsch, sondern erzeugt auch ungünstige Assoziationen." Der Begriff Erdwärmefunktioniere deutlich besser, weil er mit Heizen, Umwelt und Klima verknüpft werde. Dennoch sei der Großteil der Befragten nicht in der Lage gewesen, eine eindeutige Zuordnung zu treffen, was den geringen Kenntnisstand unterstreiche.
Auch beim konkreten Wissen zeigten sich Defizite: Über die Hälfte der Befragten hatte zwar schon einmal von Geothermie gehört, doch nur ein kleiner Teil verfügte über fundiertes Wissen. "Viele wissen, dass man damit heizen kann, aber nicht, wie die Technologie genau funktioniert", erklärte Wolf. Häufige Missverständnisse betreffen die Standortfrage, die Effizienz und die angebliche Gefahr von Erdbeben. Selbst die Unterscheidung zwischen oberflächennaher und tiefer Geothermie sei vielen unklar, und Verwechslungen mit Fracking oder Thermalquellen seien ebenfalls verbreitet.
Die Befragung zeigte auch, dass Geothermie im Vergleich zu anderen erneuerbaren Energien schlechter bewertet wird. "Die Einstellungen zur oberflächennahen Geothermie und tiefen Geothermie sind positiv, stehen im Vergleich zu anderen erneuerbaren Energien jedoch an letzter Stelle", so Wolf. Gleichzeitig wurden die wahrgenommenen Vorteile wie konstante Energie- und Wärmeleistung, Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern und Nutzen für zukünftige Generationen besonders hervorgehoben. Nachteile seien hohe Investitionskosten, unterschiedliche Wärmequalität je nach geologischen Bedingungen und erhöhter Lärmpegel bei Bohrungen.
Cornelia Wolf, Universität Leipzig
Mehr Wissen bedeutet mehr Akzeptanz
Ein zentraler Befund der Untersuchung ist der Zusammenhang zwischen Wissen und Akzeptanz: "Menschen mit hohem Kenntnisstand bewerten die Vorteile deutlich höher und die Risiken geringer." Zudem spielen Umweltbewusstsein und die Einstellung zu Wärmepumpen eine Rolle: "Eine positive Wahrnehmung der Wärmepumpe geht meist mit einer positiveren Einstellung zur Geothermie einher – und umgekehrt." Immobilienbesitzerinnen und -besitzer fühlen sich häufig schlecht informiert. Wolf betont: "Nur 19 Prozent sagen ‘Ich fühle mich eigentlich gut informiert’. Transparente Informationen zu Kosten, Fördermöglichkeiten und langfristiger Wirtschaftlichkeit sind entscheidend."
Die Professorin machte zudem deutlich, dass die eingeschränkte Sichtbarkeit der Technologie und die Defizite in der Informationsvermittlung die Akzeptanz senken: "Die Technologie ist weitgehend nicht sichtbar, die allgemein zugänglichen Informationen sind rar. Entsprechend niedrig sei der Kenntnisstand und folglich auch die Akzeptanz dieser vielversprechenden Technologie in der Bevölkerung." Die Studienergebnisse legen nahe, dass differenzierte Informationskampagnen notwendig sind, die Vorteile und Risiken gleichermaßen darstellen, vergangene Schadensfälle in Relation zu erfolgreichen Projekten setzen und die Investitionskosten transparent kommunizieren. Zudem sollte die Wahrnehmung von Geothermie eng mit der von Wärmepumpen verknüpft adressiert werden, und fachliche Experten sollten stärker in den Medien präsent sein.
Abschließend appellierte Wolf, die Kommunikation nicht allein politischen Akteuren zu überlassen: "Unsere Befragung zeigt: Das ist keine gute Entwicklung." Wissenschaft, Handwerk und Stadtwerke genießen laut der Studie höhere Glaubwürdigkeit und sollten stärker sichtbar werden, um die Akzeptanz der oberflächennahen Geothermie zu fördern. "Die Kenntnis ist gering, die Vorteile werden aber anerkannt – insbesondere die Energieunabhängigkeit. Jetzt kommt es darauf an, die richtigen Akteure sprechen zu lassen und die Informationslücken gezielt zu schließen."
Hinweis: Die ZfK Media Days gehen nächstes Jahr im neuen Format comm.days 2026 auf, das von Trurnit, VKU Akademie, VKU und ZfK gemeinsam organisiert wird. Die Kommunikationsbranche trifft sich live in Berlin am 6. und 7. Mai. Hier können Sie sich ein Ticket sichern.



