Die kommunale Wärmeplanung gilt als zentrales Instrument für die Wärmewende. Doch ein Blick auf den bundesweiten Stand zeigt: Die Umsetzung ist stark ungleich verteilt und vielerorts noch unvollständig. Eigentlich müssten Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern bis zur Jahresmitte ihre Planungen fertig haben. Die aktuellsten Zahlen des Kompetenzzentrums Kommunale Wärmewende (KWW) nähren jedoch Zweifel, ob die Städte schon so weit sind.
Deutschlandweit gibt es 10.754 Gemeinden. Davon haben 1153 Kommunen, also 11 Prozent, ihre kommunale Wärmeplanung abgeschlossen. 4559 Gemeinden (42 Prozent) befinden sich im Prozess, während bei 5042 Gemeinden, also fast der Hälfte, der Bearbeitungsstand bislang unbekannt ist.
Deutliche Unterschiede nach Bundesländern
Besonders weit ist Baden‑Württemberg: Dort haben 299 von 1101 Gemeinden ihre Wärmeplanung abgeschlossen, ein Anteil von 27 Prozent. Weitere 39 Prozent der Kommunen arbeiten aktuell daran. Auch Rheinland‑Pfalz fällt auf: Mit 427 abgeschlossenen Wärmeplänen weist das Land bundesweit die höchste absolute Zahl auf. 19 Prozent aller Gemeinden haben dort abgeschlossen.
Am anderen Ende der Skala liegen Länder wie Hessen, wo lediglich 10 von 421 Gemeinden (2 Prozent) ihre Wärmeplanung finalisiert haben. Zugleich befindet sich dort knapp die Hälfte der Kommunen im Prozess. In Nordrhein‑Westfalen zeigt sich ein anderes Bild: Hier sind 68 Prozent der Gemeinden in der Bearbeitung, während 14 Prozent bereits abgeschlossen sind – ein Hinweis auf hohe Aktivität bei noch begrenztem Ergebnis. Auffällig hoch sind außerdem in mehreren Ländern die Anteile mit unbekanntem Stand, etwa in Schleswig‑Holstein oder Thüringen, wo jeweils mehr als zwei Drittel der Gemeinden keine Informationen liefern.
Und die Großstädte, die eigentlich bis Ende Juni liefern müssten? Unter den 50 einwohnerstärksten Städten haben laut den letzten verfügbaren Zahlen mit Stand Februar erst 19 Kommunen ihre Wärmeplanung abgeschlossen, 31 befinden sich noch im Prozess. Damit liegt die Abschlussquote in den Metropolen bei 38 Prozent. Das ist zwar mehr als dreimal so hoch wie im bundesweiten Durchschnitt aller Gemeinden – aber angesichts der kurzen restlichen Frist doch erstaunlich wenig.
Zwischen 2021 und 2023 wurden unter den 50 größten Städten lediglich vier Wärmepläne fertiggestellt. Erst danach setzte eine Dynamik ein: 2024 schlossen sechs Städte ihre Planung ab, 2025 folgen neun weitere.
Die Muster aus dem Bundesvergleich spiegeln sich auch in den Großstädten wider. Baden‑Württemberg bestätigt seine Vorreiterrolle: Alle vier Städte des Landes, die zu den Top‑50 zählen, haben ihre Wärmeplanung abgeschlossen. Schleswig‑Holstein zeigt ebenfalls eine vollständige Abdeckung bei seinen größten Städten.
Aktiv und unfertig gleichzeitig
Demgegenüber steht Hessen, wo weder Frankfurt am Main noch Wiesbaden, Kassel oder Darmstadt bislang einen abgeschlossenen Wärmeplan veröffentlicht haben. Nordrhein‑Westfalen bleibt ein Sonderfall: Mit 19 Städten stellt es den größten Anteil unter den Top‑50. Vier davon haben ihre Planung abgeschlossen, 15 weitere arbeiten noch daran. Das Land ist zugleich eines der aktivsten und eines der unfertigsten – sowohl auf Gemeindeebene als auch bei den Großstädten.
Die kommunale Wärmeplanung in Deutschland ist also längst kein abgeschlossenes Kapitel. Sie befindet sich in einer Phase beschleunigter Umsetzung, deren Dynamik erst in den letzten beiden Jahren sichtbar geworden ist. Die Zeit drängt, vor allem für die Großstädte. Aber auch das Jahr 2028, in dem die übrigen Kommunen liefern müssen, rückt schnell näher.



